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Grevenbroich: Einbruch während Trauermesse

Grevenbroich : Einbruch während Trauermesse

Die ganze Familie trauert beim Sechs-Wochen-Amt – ihre Abwesenheit nutzten Einbrecher am Wochenende aus, um drei Wohnungen in Neu-Elfgen zu durchsuchen. Die Täter werden immer dreister, bestätigt die Polizei.

Nur der Hund bleibt im Mehrfamilienhaus zurück, als sich beim Sechs-Wochen-Amt für den Verstorbenen die Witwe, Kinder und Schwiegerkinder sowie weitere Verwandte in St. Georg versammeln. Das treue Tier kann nur bellen, als plötzlich die Einbrecher kommen.

Nach der Messe ein weiterer Schock für die Familien: Die Täter haben die Abwesenheit der Trauernden für einen Beutezug am Samstagabend in einem Mehrfamilienhaus am Belmener Weg genutzt. Sie hebelten die Terrassentür an der Rückseite des Hauses, direkt neben der katholischen Kirche, auf. So gelangten sie zunächst in eine Erdgeschosswohnung, dann in zwei weitere Wohnungen in den beiden Obergeschossen. Horst Becker, einer der Verwandten, ist von dieser Skrupellosigkeit entsetzt: "Zu der Trauer kommt jetzt auch noch der Einbruch. Sogar das Brötchengeld für den Familienkaffee haben sie mitgehen lassen. Wir sind alle entsetzt."

Eine Vorgehensweise, die die Polizei bereits kennt: "Einbrecher studieren intensiv den Anzeigenteil der Zeitungen nach Traueranzeigen", so ein Sprecher der Polizei. Daraus erfahren die skrupellosen Diebe, wann ein Objekt garantiert leer steht und wann die Bewohner abwesend sind. Denn für Einbrecher hat ein Ziel Priorität: "Sie wollen nicht gestört werden und keinesfalls jemanden antreffen", sagt Heinz Hellwig vom Kriminalkommissariat Kriminalprävention und Opferschutz. Deswegen werden Wohnungen und Häuser oftmals gezielt überwacht, die Gewohnheiten der dort lebenden Menschen ausgespäht, Hinweise auf Urlaube gesammelt – oder, wie jetzt in Neu-Elfgen, die Informationen der Traueranzeige genutzt.

Wie können sich Menschen, zumal noch in einer emotionalen Ausnahmesituation, vor potenziellen Einbrecher schützen? "Zurückhaltend mit Informationen sein, auch in der Trauerannonce", so ein Polizeisprecher. Horst Becker hat einen weiteren Tipp: "Arbeitskollegen in Köln haben mir solche Vorkommnisse bereits mehrfach erzählt." Eine Möglichkeit: das Trauerhaus nicht leer stehenlassen. Becker ist überzeugt, "dass die Täter Profis waren": "Geld wurde gestohlen und Schmuck, nur der Modeschmuck wurde zurückgelassen."

Was bei ihm ein mulmiges Gefühl zurücklässt: Er habe sich erst kurz vor der Messe noch umgezogen und sei dann schnell zur Kirche geeilt: "Und ich habe mich noch gewundert, dass der Hund bellt." Wenn er dem auffälligen Bellen mehr Aufmerksamkeit geschenkt hätte und zurück zum Haus gegangen wäre: "Vielleicht hätte ich die Täter noch überrascht – und wer weiß, was dann?" Und der Hund habe getan, was er konnte: laut bellen.

(NGZ)