1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Einbahnstraße auf Probe

Grevenbroich : Einbahnstraße auf Probe

Die Friedrichstraße in Kapellen wird vom "Tolles" bis zum Hemmerdener Weg zur Einbahnstraße, um sie von einem Teil des Verkehrs zu entlasten. Nach einem Termin mit Anwohnern beschloss der Bauausschuss ein Probejahr.

Die Wogen schlugen zeitweise hoch beim Ortstermin, und die vielen Autos im Berufsverkehr sorgten für Lärm. Nach lebendiger Diskussion im Freien beschloss der Bauausschuss im ruhigen Bernardussaal: Die obere Friedrichstraße wird von der Straße "Am Tolles" bis zum Hemmerdener Weg zur Einbahnstraße — in Richtung Zweifaltern.

Doch wegen der Bedenken auch von Anwohnern gilt die Regelung zunächst für ein Jahr, in dem Erfahrungen gesammelt werden. Ausschussvorsitzender Wolfgang Latzel hatte den Ortstermin anberaumt, zu dem rund 30 Anlieger erschienen. Ein Bürger hatte auch die Probezeit vorgeschlagen.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte die CDU mit einem Antrag. "Der Durchgangsverkehr muss aus der Straße raus. Hier geht's chaotisch zu. Die Autos, etwa Lastwagen, kommen auf der engen Straße mit parkenden Autos oft kaum aneinander vorbei.Für Kinder und alte Menschen ist die Situation hier gefährlich", begründete Ernst Bizer vom Kapellener CDU-Ortsverband den Vorschlag.

Bizer hatte eine Fragebogenaktion unter Anwohnern gestartet: "37 waren für die Einbahnstraße, vier dagegen." Anwohner Franz Winkelmann berichtete "von Krach und Hupkonzerten. Viele fahren hier zu schnell."

Die von der CDU vorgeschlagene Lösung: Die obere Friedrichstraße wird im südlichen, unbebauten Teil Einbahnstraße. Anlieger, die nach Kapellen wollen, müssen über die auf der anderen Bahnseite verlaufende Rübenstraße und den Bahnübergang Mergendahl wieder zurück auf die Friedrichstraße. Der Durchgangsverkehr aber, so hofft Bizer, fährt über Rübenstraße und Auf den Hundert Morgen am Ort vorbei.

Doch längst nicht alle waren damit einverstanden. "Ich habe nachgerechnet: Ich müsste im Jahr 500 Kilometer mehr fahren als heute", so Anwohner Ulrich Lehmler. Und Hubert Büchel urteilt: "Eine Einbahnstraße ist Schwachsinn. Eine andere Parkregelung ist ausreichend. Wird die Friedrichstraße im gerade neu ausgebauten Teil Einbahnstraße, ist der neue Radweg überflüssig. Das ist Steuerverschwendung."

Auch Politiker hatten Bedenken und Fragen: "Wir müssen Erfahrungen sammeln, ob die Rübenstraße den Mehrverkehr aufnehmen kann", so Holger Holzgräber (SPD). Ein weiteres Problem: Anlieger müssen zweimal die Bahn queren. Die Verwaltung wies zudem darauf hin, dass der Anliegerverkehr vom Mergendahl an einer unübersichtlichen Stelle in die Friedrichstraße einbiegen müsse.

Ausschussvorsitzender Latzel sah unter den gekommenen Bürgern eine Mehrheit für die Einbahnstraße. Der Ausschuss beschloss die Probezeit mit einer Gegenstimme. "Die Einbahnstraße wäre nur sinnvoll, wenn die von uns geforderte Westumgehung da ist", so Beate Schmidt-Härlen (Grüne).

(NGZ)