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Grevenbroich: Ein Pionier für den Behindertensport

Grevenbroich : Ein Pionier für den Behindertensport

Der langjährige Vorsitzende der Behinderten-Sportgemeinschaft (BSG) Grevenbroich möchte ein neues Sitzvolleyball-Team aufbauen. Auch in seiner Sitzball-Mannschaft und im Flugball-Team sind weitere Sportler willkommen.

Horst Baum ist im wahrsten Sinne des Wortes sportbegeistert. Egal, ob er von seiner Leidenschaft für Basketball berichtet oder von seinen Tätigkeiten für die Behinderten Sportgemeinschaft (BSG) Grevenbroich, deren Vorsitzender er seit 19 Jahren ist: Horst Baum sind Begeisterung und Freude anzumerken. Schon mehrfach konnte die BSG als Ausrichter Meisterschaften nach Grevenbroich holen, 2016 wurden in der Schlossstadt etwa die Deutschen Meisterschaften im Flugball ausgetragen. In die Organisation dieser und anderer Events steckt Baum viel Energie: "Ich kann nicht gut delegieren", sagt der Laacher über sich selbst. "Jetzt haben wir aber auch schon Routine bei der Vorbereitung von Events", fügt er mit Blick auf sein Team hinzu.

Die BSG wurde 1962 gegründet, damals als Versehrtensportverein, dem zunächst vor allem Männer mit Kriegsverletzungen angehörten. Ende der 1970er Jahre erfolgte die Umbenennung in Behinderten- Sportgemeinschaft, in diesem Jahr wird der Verein 55 Jahre alt. "Zuerst gab es nur Sitzball", erklärt Baum. Später sei Fußballtennis dazugekommen. Die Frauen der Spieler hätten mit Flugball angefangen.

Heute hat die BSG etwa 50 Mitglieder. "Es waren vor einiger Zeit noch 110", sagt Baum. Gründe für den Rückgang gibt es aus seiner Sicht mehrere. Der Verein habe sich ein wenig gesund geschrumpft, aber auch die Schlossbadbaustelle und die Flüchtlingskrise, als Hallen nicht zur Verfügung standen, hätten zum Rückgang beigetragen. "Wir müssen gucken, dass wir da wieder in einen positiven Bereich kommen", gibt sich Baum kämpferisch. "Ich möchte wieder auf 100 Leute kommen." Gern gesehen sind neue Mitglieder für die Sitzvolleyball-Mannschaft, die im Aufbau ist, aber auch beim Sitzball oder beim Flugball seien Sportler willkommen.

Mitmachen könnten im Verein auch Menschen ohne Behinderung, sagt Baum, der selbst durch einen Unfall vor 48 Jahren, bei dem er von einem Auto angefahren wurde, an Knie und Unterschenkel geschädigt ist. Die Mannschaften, in denen Männer und Frauen zusammen spielen, brauchen eine gewisse Anzahl an sogenannten Handicap-Punkten, um antreten zu dürfen. Je größer das Handicap, desto mehr Punkte gibt es. Aber, so sagt Baum, auch mit stärkeren Rückenproblemen gebe es oft schon einen Punkt.

Insgesamt, berichtet der 64-Jährige, gebe es immer weniger Körperbehinderte. Das liege vor allem an besseren medizinischen Bedingungen: "Heute würde ich sicher wieder ans Laufen kommen", glaubt er bezogen auf seine Verletzung. Die Zahl der Mannschaften nehme aber ab. Traten bei der Deutschen Meisterschaft im Sitzball 2006 in Grevenbroich noch 24 Teams an, waren es 2015 nur noch 16 Mannschaften, sagt Horst Baum.

Etwa 35 Stunden pro Woche ist der Vorsitzende in Sachen BSG beschäftigt, organisiert etwa den Reha-Sport-Bereich oder kümmert sich um das Sitzball-Team, in dem er selbst aktiv ist. Und wenn es nach Horst Baum geht, wird das auch noch eine Weile so bleiben.

(NGZ)