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Grevenbroich: Ein Paradies für Tiere

Grevenbroich : Ein Paradies für Tiere

So viele Notfälle wie noch nie gab es seit Januar in der Wildtierstation. Über 1000 Tiere – darunter auch gut 30 Eichhörnchen – wurden aufgepäppelt. Mehr als die Hälfte der Schützlinge wurde erfolgreich ausgewildert.

So viele Notfälle wie noch nie gab es seit Januar in der Wildtierstation. Über 1000 Tiere — darunter auch gut 30 Eichhörnchen — wurden aufgepäppelt. Mehr als die Hälfte der Schützlinge wurde erfolgreich ausgewildert.

Zwei pappsatte Eichhörnchen räkeln sich im Käfig. Sie wurden ebenso im Bend wieder aufgepäppelt wie ein Gartenschläfer (oben rechts) oder ein winziger Igel. Foto: NGZ

37 Igel werden derzeit in der Wildtierstation des Schneckenhauses betreut. Dazu kommen ein geschwächter Mäusebussard, eine unterernährte Schleiereule und ein Fasan mit Beinverletzung. Die Schleiereule wird bleiben, bis die geschlossene Schneedecke verschwunden ist, denn solange kann sie nicht jagen. Der Fasan ist schon auf dem Wege der Besserung.

Zwei pappsatte Eichhörnchen räkeln sich im Käfig. Sie wurden ebenso im Bend wieder aufgepäppelt wie ein Gartenschläfer (oben rechts) oder ein winziger Igel. Foto: NGZ

Außerdem lebt momentan ein Gartenschläfer hier. "Das ist ein ganz besonderer Gast", sagt Norbert Wolf, Leiter des Umweltzentrums Schneckenhaus. "Eines der Highlights in diesem Jahr." Denn Gartenschläfer sind nur noch selten in der Region anzutreffen. Ebenso wie die Haselmäuse, die zur selben Familie gehören: "Vor allem, seit es immer weniger Obstwiesen gibt, gibt es die Haselmaus immer seltener", erklärt Wolf. "Hier finden sie ihre Nahrung: Fallobst und kleine Insekten." Zwei Haselmäuse waren bisher hier, dazu zwei Gartenschläfer und sieben Siebenschläfer.

Wolf ist seit 25 Jahren Umweltschutzbeauftragter bei der Stadt Grevenbroich. Im Schneckenhaus pflegen er und sein Team kranke oder verletzte Wildtiere, bis diese wieder ausgewildert werden können: "In diesem Jahr hatten wir schon 1031 Tiere hier." Das seien mehr, als jemals zuvor. 663 davon waren Vögel, 240 Igel und der Rest Säugetiere wie Rehe, Marder, Füchse oder Eichhörnchen. Vor allem die Nager mit dem buschigen Schwanz fühlten sich sichtlich wohl. Rund 30 Hörnchen hat das Team dieses Jahr versorgt — und viele kommen immer noch hierher, um sich die ein oder andere Nuss abzuholen. Etwa 60 Prozent aller Pflege-Tiere konnten die Umweltschützer wieder gesund in die Freiheit entlassen.

Im Jahr 2009 gab es rund 600 hilfsbedürftige Tiere. Dass es 2010 so viele mehr waren, erklärt Wolf damit, dass die Grevenbroicher sensibler für Tiere in Not sind: "Die Leute laufen mit offeneren Augen durch die Welt." Was ihn noch mehr freut: "Viele rufen bei uns an, bevor sie ein Tier anfassen oder mitnehmen."

Eine weitere Besonderheit gab es bereits im Januar: einen Uhu. Eigentlich war der seit Jahrzehnten aus Grevenbroich verschwunden. "Umso mehr hat es mich gefreut, dass wir das Tier im Frühjahr wieder frei lassen konnten." Einen traurigen Höhepunkt gab es aber auch: einen Flamingo, der sich auf seiner Reise gen Süden verflogen und in einer Hochspannungsleitung verfangen hatte. Er war nicht mehr zu retten.

Das Telefon von Norbert Wolf klingelt zum x-ten Mal an diesem Tag: "Wie viel wiegt er? 300 Gramm? Ja, bringen Sie ihn hier her!" Der 38. Igel ist im Anmarsch.

(NGZ)