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Grevenbroich: Ein neues Bett für die Erft

Grevenbroich : Ein neues Bett für die Erft

Die Erft wird bis 2045 naturnah gestaltet, soll bei Wevelinghoven ein neues Bett erhalten. Schon jetzt klärt der Erftverband Grundstücksfragen, lädt dazu Landwirte ein. Größere Umbauten sind aber erst in Jahren zu erwarten.

Die Erft prägt das Ortsbild in Wevelinghoven. Ob der vertraute Blick den Gartenstädtern erhalten bleibt, ist ungewiss. Klar ist: Der Fluss bekommt ein neues Gesicht, der Erftverband gestaltet bis 2045 den Fluss auf einer Länge von 40 Kilometern naturnah um. Rund 70 Millionen Euro werden in die Renaturierung investiert.

2045 — das klingt nach ferner Zukunft, doch die Vorbereitungen fürs Mammutprojekt laufen längst. Für den 15. Februar lädt der Erftverband Landwirte mit Flächen unter anderem bei Wevelinghoven auf die Museumsinsel Hombroich ein. Ziel ist ein Bodenordnungsverfahren: "Wir möchten uns schon im Vorfeld nötige Flächen für den Erftumbau sichern", erklärt Hartmut Hoevel, Bauingenieur und Planer beim Erftverband. Und er betont, dass auf die Belange von Pächtern Rücksicht genommen werde.

Der Fluss-Umbau ist erforderlich, da RWE Power in Zukunft deutlich weniger Sümpfungswässer aus dem Tagebau einleitet. Die Erft wird um 2040 nur noch etwa ein Viertel der heutigen Wassermenge führen — das heutige Bett ist dafür eine Nummer zu groß. Die geplante Flurbereinigung ist nötig, weil der Erftverband bei Wevelinghoven Größeres vorhat.

Zwei Alternativen wurden erarbeitet: In einer Variante erhält die Erft zwischen Hemmerdener Weg und der Brücke An der Untermühle ein vollständig neues Bett, wird vom Ort weg in die Erftauen verlegt. Dabei würden ehemalige Flussläufe im "Taltiefsten" wieder genutzt. Besitzer von Ufergrundstücken würden aber die Erft als Nachbarn verlieren, der Vitusgraben nahe der Dreesmühle würde verschwinden und aufgefüllt. Der Richtung Kapellen gelegene Erftarm an der Vitusinsel soll dagegen erhalten bleiben.

In der anderen Variante erhält die Erft zwei Arme — einen durch die Auen und einen durch den Ort. Bei einem Workshop des Verbandes mit Bürgern hatten viele betont, dass sie die Erft im Ort behalten möchten. "Wir werden die Anregungen in die Planung einbeziehen", versichert Hoevel. Mit größeren Erft-Umbauten ist wohl nicht vor 2020 zu rechnen. Ein Pilotprojekt für die Umgestaltung — die "Entfesselung "— der Erft ist im Süden der Stadt entlang der Frimmersdorfer Höhe zu sehen. Dort hatte der Erftverband vor zwei Jahren auf rund 300 Metern Länge Ufer Böschungssteine aus dem Ufer entfernt und sie in den Fluss gezogen. Das Wasser "nagt" nun am Ufer. "Die Böschung wurde bereits abgespült. Doch eine solche Umgestaltung benötigt Jahrzehnte", erläutert Hoevel. Der Erftverband will diesen Prozess beschleunigen.

(NGZ)