1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Ein Mann und sein Käfer

Grevenbroich : Ein Mann und sein Käfer

Vor 25 Jahren wurde der letzte offizielle VW-Käfer in Deutschland verkauft. Und noch immer hat der Volkswagen viele Liebhaber. Auch in Grevenbroich und Umgebung stehen Oldtimer-Schätze in den Garagen: Marc Heinrichs fährt seinen Käfer, Baujahr 1964, seit elf Jahren.

Egal ob Brezelfenster, Ovali oder Cabrio. Kleine Rückleuchten oder Elefantenfüße, 34 oder 50 PS. Auch heute, 25 Jahre nachdem der letzte VW-Käfer offiziell in Deutschland angeboten wurde, hat der kleine Volkswagen noch eine Menge Fans. Einer davon ist der Grevenbroicher Marc Heinrichs. Seit elf Jahren besitzt er seinen schwarzen Käfer, Baujahr 1964. Ausstaffiert mit originalgetreuen Accessoires wie Koffern, Holzskiern auf dem Dachgepäckträger und einer Vase mit Plastikblume am Armaturenbrett, steht das Auto in seiner Garage. "Wenn man einmal damit anfängt, dann lässt einen das Oldtimerfieber auch nicht mehr los", sagt Heinrichs. Jede freie Minute bastelt, poliert, repariert der 36-Jährige sein Schätzchen, wenn es nötig ist. Und wenn nicht, ist Heinrichs als Mitglied der Oldtimerfreunde Grevenbroich sowieso ständig in Kontakt mit anderen Fahrern und dem Thema Auto.

Der satte Klang des Käfermotors hat viele Freunde, nicht nur im Rheinland: Mit deutlichem Abstand führt der Käfer die Hitparade der Zulassungen unter den Fahrzeugen mit H-Kennzeichen – das H steht für Historisches Fahrzeug – an: 34 970 alte VW hat das Kraftfahrtbundesamt (KBA) aktuell gezählt. Allerdings spiegeln die offiziellen Zahlen die Realität nicht ganz exakt wider, denn das KBA hat nur die mit dem H-Kennzeichen zugelassenen Modelle aufgelistet.

Bis 1978 wurde der Typ 1, wie der Käfer werksintern genannt wurde, in Deutschland produziert. Danach wurde er nur noch in Mexiko und Brasilien hergestellt aber bis 1985 noch von VW in Deutschland angeboten. Der in Mexiko produzierte weltweit letzte VW-Käfer steht heute in Wolfsburg im Museum der Autostadt.

Helmut Bock, einen Käferfreund aus Mönchengladbach, lernte Heinrichs vor einigen Jahren auf einem Oldtimertreffen kennen. "Wir waren auf diesem Treffen die einzigen mit schwarzen Käfern, das sorgt automatisch für Gesprächsstoff", erinnert sich Heinrichs. Helmut Bock fährt einen ebenfalls schwarzen Käfer, Baujahr 1962. Im Gegensatz zu Heinrichs, der seinen nur noch an Sonntagen und bei schönem Wetter heraus lässt, fährt Bock seinen VW bei Wind und Wetter. "Der Käfer war das erste Auto meiner Eltern", erzählt der 60-Jährige. "Es hat damals 5200 Mark gekostet." Mit 18 Jahren, übernahm Bock das Auto – und fährt es noch immer. 1976 machte der TÜV dem vorläufig ein Ende – Diagnose: durchgerostet und verliert Öl. 21 Jahre lang stand der Wagen daraufhin aufgebockt in der Scheune. "Meine Mutter hat sich damals dafür eingesetzt, ihn trotzdem nicht zu verkaufen", erinnert sich Bock. Aber erst im Jahr 1997 fand er die Zeit für eine Komplett-Restaurierung. "1200 Arbeitsstunden – knapp ein dreiviertel Jahr – habe ich gebraucht", erzählt er. Nun macht der Käfer seinem Namen und dem alten Werbespruch wieder Ehre: Er läuft und läuft und läuft.

(NGZ)