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Grevenbroich: Ein letzter Blick ins alte Hallenbad

Grevenbroich : Ein letzter Blick ins alte Hallenbad

Nur noch wenige Wochen bleibt das Schlossbad unversehrt. Am 5. November beginnt der Abriss, wird das Gebäude "entkernt". Die NGZ hat sich in der alten Schwimmstätte nochmals umgesehen. Schon macht sich Verfall bemerkbar.

Die Schilder mahnen weiterhin. "Nicht vom Beckenrand springen", heißt es etwa. Doch kein Schwimmer kann mehr den Baderegeln zuwiderhandeln. Das vor fünf Wochen geschlossene Schlossbad ist in einen Dornröschenschlaf verfallen - auf Zeit. Am 5. November beginnt der Abriss. Ab 2015 errichtet GWG Kommunal den Neubau.

Das Schwimmbecken im alten Hallenbad ist geleert, rot-weißes Absperrband macht auf die Tiefe aufmerksam. Am Beckenrand liegen noch rote und blaue Leinen, die früher die Schwimmbahnen abgetrennt haben. Im Nachbarraum sind einige ausgediente Schwimmnudeln zu finden. Im Regal in der Bademeisterkabine liegt eine Kinderbadehose, vermutlich ein nie abgeholtes Fundstück. Die meisten Möbel sind abtransportiert.

Viele Umkleidekabinen dagegen stehen noch. In einer ist ein Schlüsselanhänger zurückgeblieben, der einem "Chris" gehört. Letzte Relikte aus Zeiten lebendigen Treibens. Doch schon machen sich Zeichen des Verfalls bemerkbar, es knirscht beim Rundgang. An der Wand lehnt ein wohl vom letzten Öffnungstag zurückgelassenes Holzkreuz mit den Daten der Eröffnung 1939 und der Schließung am 31. August.

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Früher hatte im Schwimmbad der Bademeister das Sagen, in den nächsten Monaten führt Thomas Philipsen Regie, der Inhaber der Grevenbroicher Firma "Institut für Erd- und Grundbau" ist Bauleiter für den Abbruch. "Der Abriss eines Bades ist einfacher als der vieler anderer Gebäude, in erster Linie ist es eine große Halle", sagt der 51-Jährige. Eine Herausforderung sei der Schutz des Schießkellers, der erhalten bleibt.

"Wir werden während des Abrisses den Eingang einschalen und die Schießanlage unter der Bodenplatte mit Stahlplatten sichern." Auf dem Fußboden im Hallenbad befinden sich einige Löcher neueren Datums. "Wir haben nach der Schließung untersucht, welche Materialien verarbeitet worden sind", so Philipsen. In den Zwischendecken der Duschen und Umkleiden wurden "künstliche Mineralfasern" gefunden - Isoliermaterialien, die als Schadstoffe besonders entsorgt werden müssen. "Beim Badbetrieb stellten sie keine Gefahr dar, beim Ausbau müssen Sicherheitsvorkehrungen beachtet werden", erläutert er. Dazu gehörten Masken und Schutzkleidung.

Der Zeitplan: Ab November wird das Bad rund sechs Wochen lang "entkernt". Dabei werden Schadstoffe beseitigt sowie wiederverwendbare Materialen ausgebaut und getrennt - die großen Glasfenster, die Kunststoffrohre der Rutsche, die typischen Holzwände der 70er Jahre, die Metall-Leitern an den Beckeneinstiegen, die Badtechnik mit den vielen Rohren im Keller.

Dann kommt die Zeit der Bagger und Hydraulik-Hämmer. Auch die Beckenfliesen und der Sprungturm werden zu Bauschutt - ebenso Teile des Freibad-Beckens, der Rest wird verfüllt. Schätzungsweise 400 Sattelschlepper-Ladungen Bauschutt werden abgefahren. "Das Material wird recycelt und etwa im Straßenbau wiederverwendet", erläutert Philipsen. Im Februar sollen die letzten Teile des alten Schlossbades Geschichte sein.

(NGZ)