1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Ein Heimspiel für die Kanzlerin

Grevenbroich : Ein Heimspiel für die Kanzlerin

1700 CDU-Anhänger aus der Region feiern nur Stunden vor der Wahl Angela Merkel im Jupitersaal des Swissôtel.

Riesenstimmung an der Bar des Swissôtel. 200 Teilnehmer der Außendiensttagung eines Monheimer Medizinunternehmens warten bei einem Glas Bier darauf, für das Abendprogramm abgeholt zu werden. Das Ziel ist unbekannt, aber es ist nicht der nur um die Ecke gelegene Jupitersaal des Hotels. Dabei haben sie dort etwas verpasst - zumindest nach Ansicht der allermeisten im Saal, die gestern Abend Bundeskanzlerin Angela Merkel so etwas wie ein Heimspiel bescheren. Beifall und Begeisterung statt Buhrufen und Pfeifkonzert, die die Kanzlerin andernorts erlebt.

 Landeplatz am TüV-Gelände: Merkel reist mit dem Helikopter an.
Landeplatz am TüV-Gelände: Merkel reist mit dem Helikopter an. Foto: Simon Janssen

"Wir kommen gerne zum Hermann", versichert denn auch CDU-Generalsekretär Peter Tauber in Richtung des Bundestagsabgeordneten und Lokalmatadors Hermann Gröhe. Der konnte die Kanzlerin nicht zum ersten Mal für einen Wahlkampfauftritt in seiner Heimatstadt zu gewinnen. 2002 und 2005 war sie schon hier und vor vier Jahren auch. Damals wollten sie gut 4000 Menschen auf dem Münsterplatz hören, gestern füllen 1400 den Saal - und etwa 300 stauen sich noch im Foyer, wo sie die Kanzlerin nur auf einem Monitor erleben.

 Warten auf ein Statement der Kanzlerin: Mitarbeiter von Air Berlin.
Warten auf ein Statement der Kanzlerin: Mitarbeiter von Air Berlin. Foto: Tinter Anja
  • Angela Merkel und Franziska Giffey.
    „Wichtige und bleibende Fortschritte erreicht“ : Merkel bedauert Rücktritt von Familienministerin Giffey
  • Bundestagswahl 2021 : Union in neuer Insa-Umfrage vorne - Grüne bei 18 Prozent
  • Merkel erntet Beschimpfungen bei Wahlkampfauftritten in Sachsen und Thüringen

Gegenkundgebungen hatte keine Gruppe bei der Polizei angemeldet, aber es erscheinen rund 50 Demonstranten, von denen eine Handvoll wohl den so genannten Reichsbürgern zugerechnet werden muss. Sie räumen das Feld schnell angesichts einer Polizeimacht, die präsent aber nicht gefordert ist. Ein anderes Grüppchen, das die Kanzlerin mit Trillerpfeifen, "Hau-ab-Rufen" und Plakaten begrüßt, hält länger aus. Zugang zum Saal erhalten die Störer nicht.

 Bundeskanzlerin Angela Merkel (2.v.l.) freut sich mit den heimischen Bundestagsabgeordneten Hermann Gröhe und Ansgar Heveling (r.) über einen tollen Empfang im Jupitersaal. Fotos: ati (3), jasi (1), -nau (5)
Bundeskanzlerin Angela Merkel (2.v.l.) freut sich mit den heimischen Bundestagsabgeordneten Hermann Gröhe und Ansgar Heveling (r.) über einen tollen Empfang im Jupitersaal. Fotos: ati (3), jasi (1), -nau (5) Foto: Tinter Anja

Aber die Tagespolitik macht an dessen Türen nicht halt. Rund 80 Mitarbeiter der angeschlagenen Fluglinie "Air Berlin" kommen in ihren Crew-Uniformen. Sie wollen die Kanzlerin zu einem Statement bewegen und wissen, warum erst am Montag - und damit nach der Wahl - bekannt gemacht wird, welcher Bieter welchen Teil der Airline bekommt. "Wir Beschäftigten wurden völlig im Unklaren gelassen, während sich die Geschäftsführung und die Politik schon zu Gesprächen traf", sagte Flugkapitän Andreas Leicher aus Langenfeld. Er und seine Kollegen fühlen sich als Opfer eines Schacherns, hören von Merkel aber wenig dazu.

Glücklich treten am Abend dagegen die Hebammenschülerinnen Kea Jacobs und Lina Pauling die Heimreises ins ostfriesische Leer an. Sie konnten eine von 116.000 Menschen unterzeichnete Petition mit Forderungen ihres Berufsstandes übergeben, und hören von der Kanzlerin Zustimmendes - und die Zusicherung, dass sich Gesundheitsminister Hermann Gröhe um ihr Anliegen kümmert. Denn der, so sagt sie später in ihrer Rede, hat bei den Themen Gesundheit und Pflege viel erreicht - "ohne Riesenkrach."

Gröhe ist der Lokalmatador, alleine ist er nicht. Rückendeckung für seinen Wahlkampf kommt von den drei CDU-Landtagsabgeordneten Heike Troles, Jörg Geerlings und Lutz Lienenkämper, die, so Gröhe, "nun die Chance haben, unser Land wieder in Ordnung zu bringen." Der Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling aus Korschenbroich zeigt Flagge - auch als Vorsitzender des Innenausschusses im Interview zum Thema Angst vor Terrorismus. Und aus Mönchengladbach kommt der Abgeordnete Günter Krings, den nichts zuhause hält. "Die Couch ist unser derzeit am wenigsten benutztes Möbelstück", sagt er. Darauf Platz nehmen will er erst, wenn die Wahl entschieden ist.

(-nau)