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Grevenbroich: Ehrenamtskarte ist Ladenhüter

Grevenbroich : Ehrenamtskarte ist Ladenhüter

Die Ehrenamtskarte ist bislang kaum gefragt: Seit 2011 hat die Stadt lediglich 36 Karten ausgegeben. UWG und Aktive Bürger fragen nach den Gründen, machen sich für mehr Werbung und einfachere Antragsverfahren stark.

Peter Habura hat sie seit März — die Ehrenamtskarte des Landes. Doch in Grevenbroich hat die kleine goldfarbene Karte im Scheckkartenformat Seltenheitswert: Gerade mal 36 Exemplare wurden seit 2011 ausgeben. Peter Habura (65), der als Beisitzer im Vorstand des Partnerschaftsvereins mitarbeitet, ist "sehr verwundert, dass es so wenige Kartenbesitzer gibt", so der Sachkundige Bürger der UWG.

Im vergangenen Jahr hatte die Stadt die Einführung der Ehrenamtskarte beschlossen. Auf Vorzeigen werden in Geschäften, im Museum und anderswo Vergünstigungen — etwa Nachlässe beim Kauf — gewährt. Das Ziel ist ein Dankeschön für freiwilliges Engagement.

Doch die Karte ist offensichtlich ein Ladenhüter. Haben die Grevenbroicher kein Interesse — oder ist sie einfach zu wenig bekannt? "Angesichts vieler tausend Ehrenamtler in der Stadt sind 36 Karten sehr wenig. Die Stadt sollte sie bekannter machen", erklärte Marina Penz (UWG). Ihre Fraktion hatte jetzt im Sozialausschuss nach der Zahl der Karten gefragt. Rolf Göckmann (Aktive Bürger) hat den "Eindruck, dass die Stadt die Verbreitung nicht forciert". Neben mangelnder Information sieht er ein weiteres Hemmnis: "Antragsteller müssen bürokratische Hürden überwinden, das Verfahren sollte einfacher werden." So müssen Vereine bestätigen, dass der Antragsteller insgesamt fünf Stunden in der Woche (250 im Jahr) an ehrenamtlicher Arbeit leistet.

Diese Kritik lässt Dezernent Claus Ropertz nicht gelten. "Wir folgen den Rahmenbedingungen, die das Land vorgibt." Außerdem mache die Stadt auf ihrer Homepage auf die Karte, Bedingungen und Vergünstigungen aufmerksam. "Wir halten dies für ausreichend."

Habura sieht das anders, er hat sich auf der Homepage (www.grevenbroich.de) informiert. "Was nützt es mir, dass eine Metzgerei oder ein Reifenhandel Nachlässe beim Kauf gibt, wenn ich nicht weiß, wo die Geschäfte sind. Die Adressen nennt die Verwaltung auf der Seite nicht." Sein Fazit: "Wenn die Stadt die Karte fördern will, muss sie mehr tun." Und Penz schlägt vor: "Die Stadt sollte sich bemühen, mehr Sponsoren zu finden." Im Rathaus werden mehrere Gründe für die geringe Nachfrage gesehen: "Viele Ehrenamtler wollen ihr Engagement nicht öffentlich machen oder setzen sich bewusst ohne Gegenleistung ein", sagt Stadtsprecher Andreas Sterken.

Doch es besteht Hoffnung: Laut Verwaltung liegen zurzeit sechs Anträge vor, fünf weitere sind angekündigt. Habura sieht die Karte generell als gute Sache: "Die Stadt hat kein Geld mehr. Wir sind zunehmend auf Menschen angewiesen, die sich ehrenamtlich engagieren."

(NGZ)