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Grevenbroich: Djir-Sarai verliert Doktortitel

Grevenbroich : Djir-Sarai verliert Doktortitel

Die Universität zu Köln hat dem Grevenbroicher FDP-Bundestagsabgeordneten Bijan Djir-Sarai gestern den Doktortitel aberkannt. Die Begründung: Er habe in seiner Dissertation die Zitierpflichten nicht hinreichend beachtet.

Die Dissertation von Bijan Djir-Sarai (35) war im Mai 2011 ins Visier der Internet-Plattform "Vroniplag" geraten. Der Vorwurf der "Doktorjäger": Der Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende der FDP soll Textstellen in seiner 2008 verfassten Dissertation "Ökologische Modernisierung der PVC-Branche in Deutschland" nicht als Zitate ausgewiesen und auf entsprechende Quellen-Hinweise verzichtet haben.

Foto: ngz

Dies sieht die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität zu Köln als erwiesen an. Sie nahm den Doktorgrad des Grevenbroicher Politikers zurück — nach einer "umfangreichen Prüfung" des Promotionsausschusses, wie es hieß.

"Dabei wurde festgestellt, dass an zahlreichen Stellen der Dissertation Textpassagen aus Werken fremder Autoren sinngemäß übernommen worden waren, ohne dass diese konkret gekennzeichnet oder offengelegt waren", erklärte der Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, Professor Werner Mellis.

Dies sei mit den Grundanforderungen wissenschaftlichen Arbeitens nicht zu vereinbaren: "Die Erlangung des Doktorgrades setzt voraus, dass die Dissertation eine vollständige wissenschaftliche Eigenleistung ist." Damit hätten die rechtlichen Voraussetzungen für eine Verleihung des Doktorgrades nicht vorgelegen.

"Keinen Grund für Versteckspiel"

Bijan Djir-Sarai muss seinen Titel abgeben. "Ich bedauere diese Entscheidung und nehme sie zur Kenntnis", erklärte der FDP-Politiker gestern gegenüber der NGZ. Er gab zu: "Ich bin enttäuscht, dass die Fakultät zu dieser Entscheidung gekommen ist." Djir-Sarai betonte aber, dass er das Prüfungsverfahren in den vergangenen Monaten umfassend unterstützt hatte: "Ich habe nichts zu verbergen und sah daher auch keinen Grund für ein Versteckspiel", sagte er. Allerdings habe er bereits zu Beginn des Verfahrens den Entschluss gefasst, das Votum der Fakultät zu akzeptieren — unabhängig vom Ergebnis. Das heißt: "Ich strenge grundsätzlich keine gerichtliche Auseinandersetzung an", betonte Djir-Sarai.

"Menschlich tut mir das leid"

In den Reihen der Grevenbroicher FDP wurde die Entscheidung der Universität Köln gestern mit großer Anteilnahme für Bijan Djir-Sarai quittiert: "Für ihn ist das eine furchtbare Angelegenheit", meinte Fraktionsvorsitzender Manfred Hermanns: "Für mich kommt diese Nachricht überraschend, denn ich hatte gehofft, dass sich die Angelegenheit für Djir-Sarai zum Besten wenden würde." Auch der FDP-Stadtverbandsvorsitzende Markus Schumacher bedauerte die Entscheidung: "Menschlich tut mir das leid für Bijan Djir-Sarai. Auf Parteiebene habe ich ihn als zuverlässigen Politiker kennengelernt — und das wird er bleiben."

Auch Bürgermeisterin Ursula Kwasny bedauerte, dass der FDP-Mann seinen Doktortitel abgeben muss: "Das tut mir für ihn sehr leid. Es ändert aber nichts an seinen politischen Fähigkeiten." Der CDU-Kreisvorsitzende Dieter Welsink, langjähriger Weggefährte von Djir-Sarai, meinte: "Das ist für ihn eine sehr bedauerliche Entwicklung. Die Promotion hat aber keinen Einfluss auf unsere Zusammenarbeit. Die ist fach- und sachgerecht und findet in einem menschlich angenehmen Klima statt. Ich wünsche mir, dass es so bleibt."

(NGZ/rl/rm)