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Grevenbroich: Dieter Wellershoff: Mein Grevenbroich

Grevenbroich : Dieter Wellershoff: Mein Grevenbroich

Rund 60 Senioren kamen in das Museum Villa Erckens zur ersten Veranstaltung der Reihe "Heimspiel".Dort gastierte der Autor und Lektor Dieter Wellershoff, der Kindheitserinnerungen aus der Schlossstadt las.

Beim ersten "Heimspiel" direkt einen großen Namen aus der Literaturszene: Dieter Wellershoff, Autor von 35 Büchern und Herausgeber einer Werkausgabe von Gottfried Benn, erinnerte sich an seine Kindheit und Jugend in der Schloss-Stadt.

Mit Freunden Indianer gespielt

Der Wahlkölner freute sich sehr, wieder in der alten Heimat zu sein: "Ich war seit 14 Jahren nicht mehr hier und bin mit meiner Frau erst einmal durch die Stadt spaziert", sagte der 85-Jährige. Was er wiedersehen wollte: Sein Elternhaus an der Uhlhornstraße und die Gegend rund um das Alte Schloss. "Früher gab es noch das Tannenwäldchen, dort habe ich mit meinen Freunden Indianer gespielt", erinnerte er sich. Viele der erheiternden, doch auch zum Nachdenken anregenden Kindheitserinnerungen, die er im bereits fortgeschrittenen Alter rekonstruiert hatte, teilte er bei der Lesung mit den 60 Zuhörern.

Zum Einstieg las er ein Gedicht, das Erinnerung und Vergangenheit thematisierte. Er beschrieb das Ich bei der Betrachtung eines Fotoalbums. So eingestimmt, begann Wellershoff, seine Kindheitsgedanken und -erinnerungen vorzulesen. 1984 schrieb er die Geschichten über Angst, den Widerstand der Welt oder auch über ein schwarz-weißes Gemälde, das über seinem Bett hing.

Grenzenlose Fantasie eines kleinen Jungen schilderte er in der Notiz "Das Schneespiel": Aus Bauklötzen und Zigarrenschachtel baute er einen Berg, auf dem er die Holzfiguren mit Schnee aus Papier zu Tode bringen konnte — wenn er wollte. Die literarischen Einblicke schienen authentisch und so gegenwärtig, als wären sie eben erst geschehen. Zwischen den Erzählpassagen erläuterte der Autor seine Sicht der Heimat: In Neuss geboren, verbrachte Wellershoff zwölf Jahre seiner Kindheit und Jugend in Grevenbroich. Heimat ist für ihn allerdings weniger ein Ort als ein Gefühl: "Heimat bedeutet für mich, in einer Welt zu leben, die mir vertraut ist, in der ich mich sicher fühle und in der ich Erinnerungen habe. Wenn ich einmal an einem Ort Heimat gefühlt habe, kann ich sie an einem anderen Ort wieder aufbauen." Als Wellershoff nach dem Krieg in Grevenbroich von einem Lastwagen sprang, hatte er gemischte Gefühle: In seinem Elternhaus wohnten fremde Menschen und auch seine Freunde fand er nur mühsam wieder. "Viele von ihnen waren verwundet, einige habe ich nie wieder gesehen." Auf Spaziergängen habe er sich die Stadt zurück erobert, "alles war so still".

Bei seinem jetzigen Besuch war es alles andere als still: Viele Bekannte nutzten die Möglichkeit zu einem Wiedersehen mit dem 85-Jährigen, wie Kulturamtsleiter Stefan Pelzer-Florack bestätigte.

Info Beim nächste Heimspiel am Mittwoch, 23. März, 19.30 Uhr, kommt Schwester Jordana Schmidt ins Museum Villa Erckens.

(NGZ)