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Grevenbroich: Die Stadtfilmerin

Grevenbroich : Die Stadtfilmerin

Renate Uhl (70) aus Wevelinghoven dreht Filme über die schönen Seiten von Grevenbroich. Mit der Kamera besucht sie stille Landschaften, lebhafte Stadtfeste oder den Tagebau. Ihr Ziel: "Immer besser zu werden."

Renate Uhl (70) will mit ihren Filmen Freude verbreiten. Viele ließen den Kopf hängen, weil es der Stadt finanziell so schlecht geht. "Ich will aber die schönen Seiten von Grevenbroich zeigen", sagt sie. Schließlich sei Grevenbroich die Bundeshauptstadt der Energie – und das solle sich nicht nur auf die Stromgewinnung beziehen, sondern auch auf Lebensfreude.

Die Rentnerin aus Wevelinghoven besuchte deshalb für ihre Filme in den vergangenen Jahren viele Orte, die für sie das Positive an Grevenbroich ausmachen. Sie filmte schöne Landschaften, Stadtfeste oder die Lichtkunst-Ausstellung an der Villa Erckens. Vom Hubschrauber aus nahm sie die braunen Landschaften des Tagebaus auf. In den Produktionshallen von Intersnack verfolgte sie die Entstehung von Kartoffelchips, bei Hydro filmte sie die Produktion von Alufolie. Beim Neujahrsempfang der UWG zeigte sie in dieser Woche in einer achtminütigen Kurzversion das Ergebnis ihrer Arbeit – insgesamt sind inzwischen viele Stunden über Leben und Arbeiten in Grevenbroich entstanden.

Die ehemalige kaufmännische Angestellte, die zwei Kinder und zwei Enkel hat, hatte vor vielen Jahren mit einer Super-8-Kamera zu filmen begonnen. Richtig los ging es aber erst, als sie die Möglichkeiten des Computers entdeckte. Ihr Sohn Andreas (44) zeigte ihr 2006, wie einfach man digital schneiden und vertonen kann. Seitdem ist sie Feuer und Flamme für das Filmen. Mit Kursen erweitert sie ihre Fähigkeiten. "Ich bin sehr kritisch geworden", sagt sie. "Meine Filme müssen immer besser werden."

Ehemann Horst (72) begleitet sie bei vielen Filmausflügen und hilft beim Aufbau des Stativs – oft, wenn seine Frau auf der Suche nach schönen Motiven ist, ist seine Geduld gefragt. "Wenn wir eine Fahrradtour machen, bleibt sie alle hundert Meter stehen und packt die Kamera aus", erzählt Horst Uhl. Um die Geduld ihres Ehemanns nicht zu überstrapazieren, sagt Renate Uhl, ziehe sie inzwischen oft allein los.

Ihren ersten Film hatte Renate Uhl 2004 über die Mundartdichterin Marlies Wassermann gemacht. Als diese nach München wegziehen wollte, entschied sich Renate Uhl, sie noch einige Verse vor der Kamera lesen zu lassen. Die Gedichte in niederrheinischer Mundart unterlegte sie mit Eindrücken aus der Landschaft in Grevenbroich.

Den Film zeigte sie im Altenheim im Barbarahaus – und war begeistert über die Reaktionen. Die alten Zuschauer seien gerührt gewesen von den schönen Heimataufnahmen, viele hätten sich bei ihr bedankt.

Das hat sie zum Weitermachen ermutigt. Inzwischen hat Renate Uhl viele Interessenten für ihre Filme gefunden. Für den Verkehrsverein drehte sie einen Werbefilm über die Stadt, der auch auf DVD erhältlich ist. Für den Kunstverein filmte sie die Licht-Ausstellung in der Villa Erckens. Und jetzt lockerte sie das Programm des UWG-Empfangs auf.

Die nächsten Ideen hat sie schon. Sie wolle versuchen, kleine Geschichten mit der Kamera zu erzählen, hat sie sich vorgenommen. "Mir schwebt da vieles vor", sagt Renate Uhl.

(NGZ)