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Grevenbroich: Die letzte Zigarette in Grevenbroichs Kneipen

Grevenbroich : Die letzte Zigarette in Grevenbroichs Kneipen

In der Nacht zu Mittwoch ist in den Gaststätten das "Tabak-Zeitalter" zu Ende gegangen. Wirte hoffen, dass die Gäste nicht fernbleiben.

Ein bisschen Pathos darf es schon sein. Jeder kennt das aus Filmen über die Prohibition in den USA, dem zwischen 1919 und 1933 dort geltenden Alkoholverbot. Die Kulisse: ein volles Vergnügungslokal — und meistens Robert de Niro in einer der Hauptrollen. Pünktlich um Mitternacht bricht ein Trauermarsch die ausgelassene Stimmung, das letzte Glas wird geleert, eine Ära zu Grabe getragen. Ende, aus, vorbei. In Grevenbroichs Kneipen ist in der Nacht zu Mittwoch eine Ära zu Ende gegangen. Ab sofort ist das strikte Nichtraucherschutzgesetz der rot-grünen Landesregierung in Kraft. Auch wenn auf Trauermärsche verzichtet wurde: Es war Wehmut dabei, sogar bei Nichtrauchern. Und ein altbekannter Schlager ist über Nacht zum Dokument einer vergangenen Zeit geworden. Gute Nacht, Freunde.

So sang Reinhard Mey herzzerreißend schön im gleichnamigen Lied. Und dann: "Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette — und ein letztes Glas im Steh'n". Bei Nadja Chramzowa von der Gaststätte "Haus Portz" in der Innenstadt hatten sich am Dienstag eine ganze Reihe Gäste zur Abschiedszigarette angekündigt. "Viele haben gesagt: Ein letztes Mal Rauchen — das lassen wir uns nicht nehmen", betont Chramzowa. Sie hofft, dass es sich bei der Abschiedszigarette um ein Adieu zum Rauchen im Lokal handelte — und nicht um ein Adiós zur Gaststätte. "Unter unseren Gästen sind viele Raucher. Manche kenne ich fast nur mit Zigarette", sagt Chramzowa. "Wir wissen nicht, ob sie in Zukunft weiter kommen."

Richart Hütches, Betreiber des "RichART's" am Bahnhof, sieht es ähnlich. "Wir stehen vor einer gewaltigen Umstellung — sowohl die Wirte, als auch die Gäste." Das "Gute Nacht, Freunde" wurde gestern auch bei ihm noch einmal zelebriert. Ab heute wandern die Aschenbecher ins Lager, dafür gibt's im "RichART's" wieder eine Speisekarte. "Da bei uns geraucht werden durfte und wir keine strikte räumliche Trennung vornehmen konnten, durften wir bislang kein Essen anbieten", sagt Hütches. Statt Zigarette zum Bier soll jetzt ein Flammkuchentisch ins Lokal locken.

Auf die qualmfreie Zeit stellen sich auch viele Schützenvereine ein, deren Saison jetzt beginnt und bei denen erstmals nicht im Festzelt geraucht werden darf. Einer, der sich auf Brauchtumsveranstaltungen auskennt, ist Peter Kempermann. Der Frontmann der Kult-Karnevals-Band "Rabaue" hat bereits Erfahrung mit dem Rauchverbot — und ist überzeugt, dass es weniger Probleme gibt als manch einer befürchtet. "Bei Karnevalssitzungen zum Beispiel in städtischen Aulen durfte man bereits nicht mehr drinnen rauchen", sagt Kempermann. "Das hat auch gut geklappt."

Ein neuer Begriff könnte dafür aber bald im Musiker-Jargon auftauchen. Bei Bühnennummern mit Längen ergriffen Besucher bislang häufig die Gelegenheit, um zur Toilette zu gehen. Daher war von "Pinkelnummer" die Rede. "Gut möglich, dass wir bald sagen: ,Puh, das ist aber ne Rauchernummer", meint Kempermann.

(NGZ/ac)