Grevenbroich: Die Last mit dem Sarkophag

Grevenbroich : Die Last mit dem Sarkophag

Eine Gabe, die niemand will: Das scheint der 2500 Jahre alte Sarkophag vor dem neuen "Museum der niederrheinischen Seele" zu sein. Die Stadt will ihn zurückgeben, der Eigentümer will ihn nicht annehmen.

Ein schwebendes Verfahren — und das rund um einen sechs Tonnen schweren, fast 2500 Jahre alten Steinsarg, der in einem teils zerstörten, teils mit Graffiti beschmierten Plexiglas-Gehäuse ruht. Zu finden ist er vor dem Museum Villa Erckens, schön anzusehen ist er nicht — und genau das ist das Problem.

Denn die Stadtverwaltung würde das steinerne Erbe der Phönizier lieber heute als morgen entfernen lassen. Doch dies ist bisher nicht möglich, denn die Stadt Grevebroich ist nicht Eigentümer des Sarkophags. Dabei ist Eile geboten: Bis zum Ende des Jahres 2011 soll die sanierte Villa Erckens als neues "Museum der Niederrheinischen Seele" eröffnen. Mit einem neu gestalteten Außenbereich — und ohne den Steinsarg.

Transport des Sechs-Tonners teuer

Wie kam die letzte Ruhestätte eines Phöniziers nach Grevenbroich? Sie ist Überbleibsel der ehemaligen völkerkundlichen Sammlung im früheren "Museum am Stadtpark" und wurde der Stadt Grevenbroich als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Ein Gabe auf Zeit, die den Grevenbroicher Politikern 1995 so gut gefiel, dass sie in einen schützenden Plexiglaskasten für rund 8000 Mark investierten.

Inzwischen ist für die Stadt die Zeit der Leihgabe abgelaufen. Doch der Besitzer — ein Sammler, der früher in Grevenbroich lebte — scheint sich derart an den Leihzustand gewöhnt zu haben, dass er den Steinsarg wenig zu vermissen scheint und bisher nicht zurückhaben wollte. Vielleicht wegen der Transportkosten. Denn sie waren bisher auch ein Grund, warum die finanzschwache Stadt das Exponat an derart exponierter Stelle beließ.

Doch nun scheint Bewegung in das Thema zu kommen, wie Stefan Pelzer-Florack, Leiter des Fachbereichs Kultur, auf Anfrage der NGZ erklärte: "Wir befinden uns zurzeit in Verhandlungen mit dem Eigentümer und sind zuversichtlich, dass wir zu einer einvernehmlichen Lösung kommen werden." Wie diese aussehen könnte und wann diese gefunden werden könnte, dazu wollte sich Pelzer-Florack nicht äußern: "Es ist ein schwebendes Verfahre.!"

Doch die Zeit drängt: In der nächsten Sitzung des Fachausschusses werden die Grevenbroicher Umweltpolitiker darüber entscheiden, die Außenanlage der 1887 errichteten Industriellen-Villa wieder orginalgetreu herzurichten.

Gesetzt werden sollen immergrüne Bodendecker, angelegt werden sollen zudem 50 Quadratmeter Rollrasen. Aus den vorliegenden Plänen ist das tonnenschwere Erbe der Phönizier längst verbannt worden — denn zum neuen Konzept der Niederrheinischen Seele passt der Sechs-Tonner nur schwer.

(NGZ/rl)