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Grevenbroich: Die Farben der Millionäre

Grevenbroich : Die Farben der Millionäre

Der Restaurator Roland Gassert fand heraus, dass die Millionärs-Familie Erckens vor 120 Jahren in ihrer Luxus-Villa beige und braune Farbtöne bevorzugte. Gassert legte alte Schichten frei, die zum Teil noch sehr gut erhalten sind.

Es gibt zahllose Fotos, auf denen die Villa Erckens malerisch an der Erft zu sehen ist. Doch keines zeigt sie von Innen. Umso wertvoller ist die Entdeckung, die jetzt beim Umbau des 1888 errichteten Hauses gemacht wurde. Unter sechs alten Farbschichten legte Restaurator Roland Gassert (59) den ursprünglichen Anstrich der Luxus-Behausung frei. Der ist größtenteils noch so in Ordnung, dass er erhalten werden soll. Und er zeigt: Die Industriellen-Familie Erckens wollte vor gut 120 Jahren möglichst viel Eindruck schinden.

Die Erckens' waren Textilfabrikanten, sie hatten Millionen auf der hohen Kante liegen. "Damals verpflichteten sie sogar den Star-Architekten Hermann Otto Pflaume für den Bau ihrer Villa im Stil der Neorenaissance", erklärt Historiker Thomas Wolff (35) von der Stadtverwaltung. Höhepunkt des Hauses ist zweifellos die große Eingangshalle mit den daran anschließenden Salons. "Dort wurde sehr viel Wert auf eine möglichst hochwertige Gestaltung gelegt", weiß jetzt Roland Gassert.

Denn bei seinen Arbeiten entdeckte der gelernte Kirchenmaler, dass die Säulen seinerzeit beige und grau marmoriert waren, die Decken und Wände waren farblich darauf abgestimmt worden, ebenso wie auf die Mosaik-Bodenfliesen. "Das Entree sollte signalisieren: Ja, wir haben etwas investiert. Eine Etage darüber ist alles schon viel schlichter gehalten", so Gassert. Für die Stadtverwaltung ist seine Entdeckung vor allem eines: "Ein Glücksfund – mit dem wir den historischen Charakter des Hauses erhalten können", freut sich Denkmalschützer Martin Zabel (55).

Die Marmor-Optik ist zu 95 Prozent erhalten, der Rest wird nun von Roland Gassert fachmännisch mit Ölfarbe retuschiert. Zudem wird er Farbe mischen, um den Innenanstrich so originalgetreu wie möglich zu rekonstruieren. Und: Auch die Türen erhalten einen neuen Anstrich. Denn Gassert fand heraus, dass diese ursprünglich einen dunklen Farbton trugen. "Sie sollten wie Eichentüren aussehen, obwohl sie aus Kiefernholz gefertigt wurden", sagt der Restaurator.

Die Erckens' hatten nicht nur Geld, sie waren offensichtlich auch sparsam – zumal auch der Marmor nicht echt, sondern nur aufgemalt war. "Die Eingangshalle erzählt eine Geschichte, man erfährt viel über die damalige Wohnkultur", meint Thomas Wolff. Für Historiker sei dies schon so etwas wie ein kleines Abenteuer, gibt er zu.

Die Sanierung des Hauses schreitet voran. Der Keller ist trockengelegt worden, der Innenausbau dauert voraussichtlich noch sechs Wochen. Im Oktober soll mit dem Aufbau der neuen Ausstellung begonnen werden. Was sich Bürgermeisterin Ursula Kwasny noch wünscht: einen Sponsor. Zwar wird die Villa innen hui, doch außen bleibt sie pfui. Denn für eine Sanierung der Villen-Fassade fehlen 130 000 Euro.

(NGZ)