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Grevenbroich: Die Erft – wie am Amazonas

Grevenbroich : Die Erft – wie am Amazonas

In einigen Abschnitten der Erft sieht es zurzeit aus wie am Amazonas. In Ufernähe sind große Flächen mit Pflanzen bewachsen, die ihre Heimat in den Tropen haben, sich aber hier angesiedelt haben. Und auch exotische Tiere fühlen sich hier mittlerweile wohl.

Im Gustorfer Bend macht sich die Muschelblume breit. Auf der Erft schwimmen mittlerweile ganze Teppiche dieser salatartigen Pflanze. "Ursprünglich stammt sie aus den tropischen und suptropischen Gegenden dieser Welt", sagt der städtische Umwelt-Experte Norbert Wolf: "Doch das erwärmte Wasser der Erft macht es möglich, dass dieses Gewächs sogar die kalten Winter ohne Probleme übersteht."

Tropisch: Die Muschelblume breitet sich in Ufernähe aus. Auffallend an dieser Pflanze sind die wie ein Salatkopf geformten Blätter. Foto: Tillmanns

Und die Muschelblume ist kein Einzelfall: "Zusätzlich zu den acht heimischen gibt es 13 gebietsfremde Pflanzenarten im Unterlauf des Flusses", erklärt Udo Rose vom Erftverband. Dazu zählt er etwa das Wassertausendblatt oder die Dichtblättrige Wasserpest. Beide stammen aus Südamerika und sind beliebte Aquarienpflanzen — und das ist denn auch das "Geheimnis" ihres Vorkommens in Grevenbroich. "Durch Abfälle, die Aquarianer in der Erft entsorgten, haben sich diese Arten hier angesiedelt", so Rose. Heimische Pflanzen seien von den Exoten jedoch noch nicht verdrängt worden, meint der Biologe. Die weitere Entwicklung wird er jedoch im Auge behalten.

Dominant: Der Kamberkrebs aus Nordamerika ist inzwischen häufig in der Erft zu finden. Er hat heimische Krebsarten verdrängt. Foto: Tillmanns

Das gilt auch für die 16 fremden Tierarten, die sich in den vergangenen Jahren in der Erft angesiedelt haben. Neben den bunt-schillernden Guppys aus Südamerika vermehrt sich hier auch der russische Blaubandbärbling und der nordamerikanische Sonnenbarsch. Ebenfalls aus Nordamerika stammen die Kamberkrebse, die jedoch alles andere als gern gesehene Gäste sind. "Diese Tiere übertragen die Krebspest, die ihnen selbst nicht gefährlich wird. Dafür sterben aber heimische Arten wie der Edelkrebs an dieser Krankheit", erklärt der Biologe Oliver Tillmanns.

Gefräßig: Der Höckerflohkrebs aus Osteuropa wildert seit 2001 in der Erft. Er vertilgt mit Vorliebe heimische Arten wie die Wasserassel. Foto: Erftverband

Nicht in der Erft vermehrt haben sich die aus der Heimtierhaltung stammenden Verwandten des berüchtigten Piranha. "Zum Erstaunen der Angler wurden sie bisher drei Mal aus dem Fluss gezogen", weiß Udo Rose. Zuletzt sorgte ein solcher spektakulärer Fang vor zehn Jahren für überregionale Schlagzeilen.

(NGZ/rl)