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Grevenbroich: Deutschlands schnellste Taube

Grevenbroich : Deutschlands schnellste Taube

Unter 16 200 Brieftauben setzte sich der Grevenbroicher Vogel von Christel und Winfried Esser durch und flog als schnellster die 550 Kilometer nach Hause. Doch jedes Mal fliegt auch die Angst mit, dass das Tier nicht zurückkommt.

So früh hatte Christel Esser nicht mit ihr gerechnet. Gerade kochte das Essen auf dem Herd, als sie nach Hause kam. Als Winfried Esser seine Frau in den Garten rief, kreiste die Brieftaube bereits hoch über dem Haus. "Man sieht zuerst nur einen kleinen schwarzen Punkt am Himmel", sagt die Grevenbroicherin. "Doch im Nu ist sie unten." Diesmal besonders schnell. Denn Taube 03113-08-8050 ist Deutschlands schnellste. Von 16 200 Brieftauben flog sie die 546 Kilometer von Blois in Frankreich aus in knapp fünf Stunden nach Hause — mit 105 Kilometern pro Stunde.

Christel und Winfried Esser können es noch immer kaum fassen. "So etwas passiert einem Brieftaubenzüchter nur einmal im Leben", sagen sie. Zwar habe der vierjährige Vogel bereits 2010 den ersten Platz belegt, jedoch nur von den Tauben aus der Region. "Diesmal stand der Wind sehr günstig", sagt Christel Esser. "So konnte die Taube schnell und ohne große Anstrengung fliegen." Doch nicht nur der Wind ist entscheidend, "vor allem die Fütterung ist wichtig", verrät sie. "Die Woche vor dem Flug wird das Tier stärker gefüttert. Neben einem ausgewogenen Körnerfutter erhält es auch Mineralien und Vitamine."

Offenbar war dies genau die richtige Mischung. Denn Brieftauben sammeln sich, nachdem die Luken am Startpunkt geöffnet werden, zunächst als kleiner Pulk in der Luft und fliegen dann gemeinsam gen Heimat. "Doch unsere Taube muss sich sehr schnell aus dem Pulk abgesetzt haben und diesem davongeflogen sein", sagt Christel Esser.

Als die Essers dann knappe fünf Stunden später ihre Tauben am Himmel entdecken — insgesamt 24 sind mitgeflogen — wertet ein Computer aus, wie schnell sie waren. Dann heißt es warten, auf die überregionalen Zahlen. "Das ist immer sehr aufregend", sagt Christel Esser, die durch ihren zweiten Mann vor 24 Jahren an die Taubenzucht herangeführt wurde.

Winfried Esser hat bereits mit sechs Jahren seine erste Brieftaube besessen. Heute besitzt er rund 100 Alt- und Jungtauben sowie Zuchtpaare. Er übernahm das Hobby von seinem Vater. "Doch meine Frau hat ein viel besseres Händchen für die Tiere", sagt der 74-Jährige. "Sie kümmert sich liebevoll um die Tauben und erkennt sofort, wenn es einer von ihnen schlecht geht." Deshalb ist die 67-Jährige auch um so besorgter, wenn ihre Tauben zu einer großen Tour aufbrechen. "Die Angst fliegt immer mit, dass sie nicht mehr nach Hause kommen", sagt sie. "Zum Teil werden sie abgeschossen oder ein Greifvogel holt sie sich unterwegs."

(NGZ/rl)