Grevenbroich: "Designer-Kirche" wird endlich saniert

Grevenbroich : "Designer-Kirche" wird endlich saniert

Das von Star-Architekt Gottfried Böhm gebaute Gotteshaus wird für mehr als 800 000 Euro auf Vordermann gebracht.

Die Planungen laufen seit zehn Jahren, jetzt werden sie endlich umgesetzt. Bis Oktober wird die Pfarrkirche St. Josef umfassend saniert, das Projekt wird 800 000 Euro kosten. Ein Großteil dieses Betrags muss in das auffällige Dach investiert werden. Die Konstruktion ist undicht, möglicherweise sind größere Feuchtigkeitsschäden im Inneren des Gotteshauses entstanden. "Das werden wir im Lauf der nächsten Wochen untersuchen", sagt Josef Theisen, Kämmerer der Pfarre.

Die Südstadt-Kirche ist eine Besonderheit: Star-Architekt Gottfried Böhm aus Köln setzte 1959 mit St. Josef seine Vision von einem modernen Gotteshaus um. Der frei stehende Glockenturm und der eigenwillige Mix aus Tuffstein und Glas galten vor 54 Jahren in der Fachwelt als kleine Sensation. In der auffälligen Dachkonstruktion war jedoch von Anfang an der Wurm drin. Aus optischen Gründen hatte Böhm auf Regenrinnen verzichtet – und das rächte sich. "Schon nach sechs Jahren war die erste Sanierung fällig. Da die Wasserableitung nicht ordentlich funktionierte, wurde das Dach undicht", berichtet Theisen.

Zwar wurden mittlerweile Rinnen an die unter Denkmalschutz stehende Kirche angebracht, doch in den vergangenen Jahrzehnten sorgte das Ensemble aus Tonnen- und Flachdach immer wieder für Feuchtigkeitsschäden. "Jetzt packen wir das Projekt an und rüsten unsere Kirche für die nächsten Jahrzehnte", erklärt Josef Theisen. Das Erzbistum Köln wird den größten Teil, vielleicht sogar die gesamte Sanierung finanzieren, zurzeit laufen noch Verhandlungen. "Wir wären kaum in der Lage, einen Eigenanteil von 140 000 Euro zu stemmen", berichtet Josef Theisen.

Der Regenwasserkanal rund um die Kirche wurde bereits erneuert, jetzt stehen Gerüste an St. Josef. Das Tonnendach wird neu eingedeckt, das Flachdach erhält eine hochwertige Kunststofffolie, die Wassereinbrüche verhindern soll. Voraussichtlich am 15. Juli werden die Außenarbeiten abgeschlossen, dann geht es Inneren weiter. "Im Kirchenraum sind Durchnässungen zu sehen. Sobald das Dach dicht ist, werden wir das Ausmaß der Schäden ermitteln", erklärt Theisen. Am Schluss der Aktion steht ein komplett neuer Anstrich.

Im Rahmen der Sanierung wird auch die 22 Jahre alte Orgel gereinigt und gestimmt. "Das kostet weitere 20 000 Euro, die unser Pfarrverein übernehmen wird", berichtet der Kämmerer. Zu den "dicken Brocken" des Erneuerungs-Projekts zählt er neben der Dachsanierung auch die Bücherei. Die wurde in den 50er Jahren mit einer über zwei Stockwerke reichenden Fensterfront mit Eisenrahmen ausgestattet. "Sie entspricht nicht mehr den heutigen energetischen Anforderungen und muss auf einen aktuellen Stand gebracht werden", sagt Theisen. Auch das Pfarrhaus wird neue Fenster erhalten – und eine Heizung gibt es für den Pastor obendrein.

Ab Mitte Juli wird die Kirche geschlossen, die Gottesdienste finden in Allrath, Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen in Neuenhausen statt. Josef Theisen zeigt sich optimistisch: "Läuft alles nach Plan, sind wir Mitte Oktober fertig."

(NGZ)