Der wegen Kindesmisshandlung angeklagte Grevenbroicher wurde zu mehreren Jahren Haft verurteilt

Prozess wegen Kindesmisshandlung : Freiheitsstrafe für Vater aus Grevenbroich

Ein 47 Jahre alter Grevenbroicher wurde vom Landgericht Mönchengladbach zu sieben Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Ihm wird Kindesmisshandlung vorgeworfen.

  Seit Mitte Oktober verantwortet sich ein 47-jähriger Grevenbroicher vor dem Landgericht Mönchengladbach. Ihm wird vorgeworfen, seinen dreijährigen Sohn mit einem Staubsaugerrohr so stark auf den Kopf geschlagen zu haben, dass dieser eine lebensgefährliche Kopfverletzung davontrug. Überdies habe er seinen Sohn in den Oberarm gebissen und über den Teppichboden geschliffen. Nach vier Sitzungsterminen fand der Prozess jetzt vor der zweiten großen Strafkammer seinen Abschluss.

Der Grevenbroicher wurde zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Foto: Christian Albustin

„Ich kann mir nicht erklären, warum es zu der Tat gekommen ist“, sagt der Angeklagte in seinen Schlussworten. „Ich wünschte, ich könnte die Zeit zurückdrehen, alles ungeschehen machen.“ Erstmalig im Prozessverlauf spricht er vor Richterbank und Staatsanwaltschaft über das als Tatwaffe beschriebene Metallrohr des Staubsaugers: „Ich weiß nicht, wie schwer ich mit dem Staubsaugerrohr auf den Kopf gehauen habe“, sagt der Grevenbroicher. Er habe Tabletten genommen und kein Gefühl mehr gehabt. Erst später sei ihm bewusst geworden, wie schwer die Verletzung war.

Die Verteidigung berief sich im Prozess auf eine Amnesie des Angeklagten, die am Morgen des Tattages einsetzte und weitere zwei Tage anhielt. Damit begründete die Verteidigung, dass die vom Angeklagten getroffenen Aussagen bei der polizeilichen Vernehmung am Tattag nicht belastend seien – dort hatte der Angeklagte den Schlag mit dem Staubsaugerrohr zugegeben. Dass er den Schlag jetzt erneut vor Gericht erwähnte, wertete die Kammer als Teilgeständnis, das sich lindernd auf seine Strafe auswirkt. Ebenfalls straflindernd wurde die persönliche Situation des Angeklagten eineestuft. Er bemühte sich vor der Tat erfolglos um den Kindergartenplatz für seinen Sohn, einen Beruf und eine neue Wohnung. Zu Lasten fielen ihm hingegen seine straftatenreiche Vergangenheit mit vielen Aggressionsdelikten sowie die schweren Folgen der Tat. Der Geschädigte wird, nach Einschätzungen von Sachverständigen für seine Entwicklung und seinen späteren Werdegang beeinträchtigt bleiben.

Für das Urteil stufte die Kammer den Angeklagten als „voll schuldfähig“ ein. Dass der Angeklagte seinem Sohn mindestens zwei Mal mit dem Staubsaugerrohr auf den Kopf geschlagen und so in eine für mehrere Tage anhaltende Lebensgefahr gebracht hat, ist nach Auffassung der Kammer als „Misshandlung von Schutzbefohlenen“ in Zusammenhang mit „schwerer Körperverletzung“ zu werten. Das Ziehen über den Boden sei hingegen lediglich „fahrlässige Körperverletzung“ – die Tat geschah im Spiel zwischen Vater und Sohn, das Risiko sei jedoch abzusehen. Von der dritten vorgeworfenen Tat, dem Biss des Angeklagten in den Oberarm seines Sohnes, wurde im Rahmen der Verhandlungen abgesehen.

Der Geschädigte ist noch immer regelmäßig in ärztlicher Untersuchung. Der Dreijährige hat jetzt einen Pflegevater und besucht den Kindergarten. Eine positive Entwicklung sei abzuzeichnen, informierte ein Sachverständiger beim letzten Prozesstag.