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Grevenbroich: Der Tagebau-Fotograf

Grevenbroich : Der Tagebau-Fotograf

Günter Rudolph (68) hat per Zufall die Liebe zur Fotografie entdeckt. Auf 35.000 Aufnahmen hat der Autodidakt Eindrücke aus dem Tagebau, von Kraftwerken, der Erft oder Maritimem festgehalten. Ausstellungen sind geplant.

Er ist der Mann, der auf das Licht wartet. Am frühen Morgen mehrere Stunden auf einem Feld zu verharren und geduldig den idealen Lichteinfall auf die Kraftwerkstürme mit der Kamera festzuhalten — das ist für Günter Rudolph keine Seltenheit: "Zum Glück bin ich Frühaufsteher", sagt der 68-Jährige lachend. Jeden Morgen entscheide er nach einem Blick zum Himmel, ob er die Kameratasche packe oder nicht. "Wolken sind mir lieber als blauer Himmel", sagt der Hobbyfotograf.

Einige Ausstellungen hat Günter Rudolph bereits gehabt, etwa 45 Bilder 2008 in Schloss Paffendorf. Im August wird er mit Dieter Wundels unter dem Thema "Kontraste" in Langenfeld ausstellen: Wundels zeigt farbige Eindrücke aus aller Welt, Rudolph Maritimes und Kraftwerksbilder in Schwarz-Weiß. Im November ist er bei einer Gruppenausstellung in der Grevenbroicher Versandhalle dabei.

Per Zufall hat Günter Rudolph, damals technischer Angestellter bei Buckau-Wolff, wo Kraftwerksteile konzipiert und gebaut wurden, die Fotografie entdeckt. Zunächst habe er Firmenprodukte abgelichtet, dann auf Reisen dieses Hobby für sich entdeckt. Seit acht Jahren bestimmt die Leidenschaft für Licht und Atmosphäre, für Motive und Stimmungen seinen Alltag. Ein Nebeneffekt: "Der Austausch mit anderen Fotografen, etwa über die Fotocommunity des Stern-Verlags", sagt der gebürtige Grevenbroicher.

Das Motiv, das ihn nicht mehr loslässt und das ihn fasziniert immer wieder auf den Auslöser drücken lässt, ist der Tagebau — als Landschaft, die von Menschen geformt wurde. Der Autodidakt weiß: "Aufnahmen, die ich etwa im Jahr 2004 gemacht habe, kann ich heute nicht mehr wiederholen." Denn dort, wo Rudolph damals im Staub des Tagebaus stand, sind heute Felder. Auch der neue "Lena"-Schriftzug werde eine Woche später anders aussehen.

Der Tagebau, die Kraftwerke, die Erft, an der er sich als Junge mit Freunden traf — das sind die Sujets von Günter Rudolph. 1963 bei der Marine aktiv, ist er fasziniert von maritimen Motiven: "Zum dritten Mal werde ich bei der Hansesail in Rostock dabei sein und Großsegler fotografieren." Ebenfalls geplant: Fotoreisen nach Sylt und ein Abstecher in den Spreewald.

Obwohl Günter Rudolph bis heute mehr als 35 000 Fotos gemacht hat, kann er sein Lieblingsfoto ohne zu zögern benennen: "Die Gorch Fock vor einem tollen Himmel." Wer ihn besucht, wird vergeblich Fotos an den Wänden suchen: "Nach der Renovierung will ich aber einige Motive aufhängen." Sicher dabei: Tagebau, Kraftwerke und die Erft. Und vielleicht gibt es dann neue Lieblingsfotos — wenn es Günter Rudolph gelungen ist, wieder das Licht zu einfangen.

(NGZ)