Grevenbroich: "Der Stein-Sarg muss weg"

Grevenbroich : "Der Stein-Sarg muss weg"

Was haben die alten Phönizier mit dem Niederrhein zu tun? Nichts! Und deshalb muss er weg, der tonnenschwere Sarkophag vor dem Museum Villa Erckens. Leichter gesagt, als getan – wie die städtische Kulturverwaltung weiß.

Was haben die alten Phönizier mit dem Niederrhein zu tun? Nichts! Und deshalb muss er weg, der tonnenschwere Sarkophag vor dem Museum Villa Erckens. Leichter gesagt, als getan — wie die städtische Kulturverwaltung weiß.

Dekorativ ist das nicht, was da neben der Villa Erckens im Stadtpark steht. Irgendjemand zerdepperte schon vor einem Jahr bei Nacht und Nebel das mannshohe Plexiglas-Gehäuse, das nur einen Steinwurf entfernt vom Haupteingang liegt. Notdürftig haben Mitarbeiter der Verwaltung eine blaue Plastikplane über den Kasten geworfen, die sich nun aber langsam in ihre Bestandteile auflöst. Schön ist was anderes.

In den nächsten Tagen soll die Schmuddel-Folie verschwinden, denn die Stadt lässt das Plexiglas reparieren. "Aber nur provisorisch", wie Stefan Pelzer-Florack meint. Denn der Kulturamtsleiter würde das, was unter der Plane verborgen ist, gerne los werden — lieber heute als morgen.

Gemeint ist ein sechs Tonnen schwerer Sarkophag, der einst einem Angehörigen des Seefahrervolks der Phönizier als letzte Ruhestätte diente — schätzungsweise um 600 vor unserer Zeitrechnung. Etwa 2395 Jahre später, nämlich 1995, wurde er vor der Villa Erckens aufgestellt. Als Ergänzung zu den Mumien, die im Inneren des damals neuen Völkerkundemuseums ausgestellt wurden. Seinerzeit, als Grevenbroich noch Geld hatte, investierten die Stadtväter rund 8000 Mark in den Schutz des steinernen Sargs — also in den Glaskasten, über dem nun eine Folie flattert.

Die völkerkundliche Sammlung ist heute schon Geschichte — längst liegen die Planungen für ein neues "Museum der niederrheinischen Seele" in der Schublade. Und zu der will ein tonnenschwerer phönizischer Sarg so gar nicht passen. "Der muss weg", meint denn auch Stefan Pelzer-Florack. Doch so einfach ist das nicht. Denn der schwere Brocken wurde der Stadt als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt — von einem Sammler, der früher in Grevenbroich lebte, mittlerweile aber weggezogen ist. "Wir bitten ihn schon seit längerer Zeit, sein Eigentum wieder hier abzuholen — vergeblich", bedauert der Kulturamtsleiter. Angeblich will der Besitzer den Sarkophag an ein Berliner Museum verkaufen, mit dem er schon längere Zeit in Verhandlungen steht. "Irgendwann muss das aber mal zum Abschluss kommen", drängt Stefan Pelzer-Florack.

Denn der Stein-Sarg brennt den Stadtverwaltern ein wenig unter den Nägeln. 2012 soll schließlich das neue Niederrhein-Museum öffnen, und dafür muss die Villa schon in diesem Sommer aufwendig saniert werden — da könnte der Klotz leicht im Weg stehen. Aus dem selbigen räumen lässt er sich übrigens nicht: "Am liebsten würde ich ihn dem Besitzer in den Vorgarten stellen", meint die Kulturausschussvorsitzende Martina Flick: "Doch sechs Tonnen Stein von A nach B zu transportieren ist teuer — das kann sich die Stadt leider nicht leisten."

(NGZ)