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Grevenbroich: „Der See ist brandgefährlich“

Grevenbroich : „Der See ist brandgefährlich“

Neurath Ein Idyll inmitten der Industrielandschaft: Zwischen den beiden Kraftwerken liegt - umsäumt von hohen Bäumen - der Neurather See.

Das in den 80er Jahren künstlich angelegte, etwa 18 Hektar große Naherholungsgebiet sucht seinesgleichen im Rhein-Kreis.

Denn längst ist das Gewässer zum Refugium von zum Teil auch seltenen Vögeln geworden.

Hauben- und Zwergtaucher brüten im Schilf, Reiherenten paddeln über die spiegelglatte Oberfläche, Kormorane stürzen sich auf der Jagd nach Fischen ins Wasser, Schwäne ziehen dort seelenruhig ihre Bahn.

Doch das friedliche Bild täuscht: Der Neurather See birgt heimtückische Gefahren, vor allem für den Menschen.

Daher gilt dort: "Baden verboten". Doch diese Warnung wird - gerade bei den heißen Temperaturen der vergangenen Wochen - zunehmend ignoriert.

Immer häufiger finden sich Sonnenhungrige an den Ufern ein, die bei zunehmender Hitze vor einem Sprung ins Wasser nicht zurückscheuen.

Stadtverwaltung und Polizei betrachten dies mit Sorge - sie fahren derzeit regelmäßige Kontrollen am Neurather See.

Aus gutem Grund, wie der städtische Umweltbeauftragte Norbert Wolf erklärt: "Die kalten Strömungen in diesem Gewässer bergen selbst für gute Schwimmer eine tödliche Gefahr. Der Neurather See ist brandgefährlich."

Wie aktuelle Messungen ergaben, liegen die Temperaturen im Oberflächenbereich um die 24 Grad, etwas mehr als einen Meter tiefer sind es zwischen sieben bis zehn Grad weniger.

"Das heißt: Schwimmer sind mit dem Kopf im warmen, mit Beinen und Füßen im kalten Wasser.

Das könnte zu Krämpfen führen oder den Kreislauf extrem belasten", warnt Wolf und schildert die Folgen: "Wer leichtsinnig in dieses Wasser springt, riskiert sein Leben."

Damit es in Neurath nicht so weit kommt, wird regelmäßig kontrolliert. Doch die Sonnenhungrigen sind wenig einsichtig, so die Erfahrung des Umweltbeauftragten.

"Was mich beinahe umgehauen hat: Als ich eine Familie mit kleinen Kindern auf das Badeverbot hinwies, schnauzte mich die Mutter heftig an, wie ich ihren Kleinen nur bei einem so heißen Wetter das Schwimmen verbieten könnte", berichtet er kopfschüttelnd.

"Ein anderer, der bis zum Kopf im Wasser stand, lachte mich nur schallend aus und meinte, er bade ja gar nicht im See. Schließlich habe er keine Seife dabei. Das ist nicht lustig."

Daher bittet das Ordnungsamt nun auch immer häufiger zur Kasse, wie Alexandra Groß vom Kommunalbüro bestätigt: "Es werden Bußgelder von mindestens 20 Euro verhängt."

Norbert Wolf hofft darauf, "dass die Leute einsichtiger werden, wenn es ans Portemonnaie geht" - mit einem einfachen Hinweis auf das Badeverbot sei jedenfalls bei einigen Uneinsichtigen nichts mehr zu erreichen.

(NGZ)