Grevenbroich: Der Orchideen-Schützer

Grevenbroich: Der Orchideen-Schützer

Hans-Josef Bolzek aus Neurath ist Orchideenfreund. Er sucht und findet seltene Pflanzen im Stadtgebiet. Und der 65-Jährige schützt sie auch: Damit niemand rankommt, bringt er Raritäten sogar hinter Gitter.

Sie wachsen irgendwo versteckt im Stadtgebiet. Ihr Standort wird geheim gehalten – damit keiner auf die Idee kommt, sie zu pflücken. Die vier Pflänzchen mit dem Namen Bocks-Riemenzunge sind eine echte Rarität – und vor allem im Winter größten Gefahren ausgesetzt. Denn die wilde Orchideenart hat einen Nachteil: Sie treibt aus, wenn im Wald Tristesse herrscht. Und ihre saftig grünen Blätter signalisieren hungrigen Kaninchen schon von weitem: Hier gibt's was zu fressen!

Hans-Josef Bolzeck (oben) schützt Orchideen. Bäume, die den Pflanzen das Licht nehmen, müssen weichen. Seltene Exemplare kommen im Winter hinter Gitter. Foto: NGZ

Damit es nicht so weit kommt, gibt es Männer wie Hans-Josef Bolzek. Der 65 Jahre alte Neurather ist Kreisbeauftragter des Arbeitskreises Heimischer Orchideen (AHO). Gemeinsam mit acht Mitstreitern spürt der Rentner seltene Pflanzen im Stadtgebiet auf und sorgt dafür, dass sie sich hier auch möglichst lange halten – vor allem Überraschungsfunde wie die Bocks-Riemenzunge. "Das ist eine Besonderheit, von der wir erst vier Exemplare in Grevenbroich ausfindig machen konnten", erklärt Bolzek: "So etwas muss natürlich gehegt und gepflegt werden." Damit Kaninchen keine Chance haben, wurden die Triebe hinter Gitter gebracht. Ein Drahtverhau sorgt nun dafür, dass die Nager das Nachsehen haben. "Das kostet zwar ein wenig Mühe, lohnt sich aber", so der 65-Jährige.

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Zwölf Orchideenarten haben die Pflanzenfreunde um Hans-Josef Bolzek schon in Grevenbroich ausfindig gemacht – nahezu ausschließlich auf rekultivierten Tagebauflächen. "Weil dort die Böden nährstoffarm sind und beste Voraussetzungen bieten", argumentiert der Neurather. Die insgesamt 81 Standorte wurden kartiert, ihre Koordinaten mit Hilfe des GPS-Satellitensystems erfasst. "Das hat Vorteile", betont Bolzeck: "Wenn RWE forstwirtschaftliche Arbeiten plant, wissen die Mitarbeiter genau, wo sie besonders vorsichtig sein müssen." Andersherum können wichtige Pflege-Aktionen gezielter vorgenommen werden. "Auch die sind wichtig", erläutert der Neurather: "Wir müssen ständig darauf achten, dass die Orchideen nicht von anderen Pflanzen verdrängt werden und dass sie ausreichend Licht bekommen."

Zurzeit erstellen die Orchideenliebhaber ihre Prioritätenliste für das neue Jahr. Ganz oben an steht die Entdeckung der 13. Art im Grevenbroicher Stadtgebiet. "Irgendwo muss sich der Vogelnestwurz hier angesiedelt haben, im benachbarten Rhein-Erft-Kreis ist er bereits ausfindig gemacht worden", weiß Hans-Josef Bolzek. Die "Jagd" nach der seltenen Pflanze ist allerdings nicht leicht. Denn der braune Vogelnestwurz ist frei von Chlorophyll und im Unterholz bestens getarnt. Und allzu viel Zeit bleibt den Orchideenjägern bei der Suche nicht. Denn die Exoten blühen nur von Mitte Mai bis Ende Juli.

(NGZ)
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