Grevenbroich: Der Müll-Sammler als Vorbild

Grevenbroich : Der Müll-Sammler als Vorbild

Seit etwa drei Jahren sammelt Ansgar Laufenberg (42) Müll am Weg vom Bahnhof bis zum Pascal-Gymnasium. Der Lehrer will Vorbild sein: "Wir sollten unseren Kindern eine saubere Umwelt bieten – keine Müllwelt".

Seit etwa drei Jahren sammelt Ansgar Laufenberg (42) Müll am Weg vom Bahnhof bis zum Pascal-Gymnasium. Der Lehrer will Vorbild sein: "Wir sollten unseren Kindern eine saubere Umwelt bieten — keine Müllwelt".

Die dreckige leere Flasche am Wegesrand bleibt nicht liegen, ebenso wenig die zerknüllte Zigarettenpackung im Gebüsch. Ansgar Laufenberg zieht ein Paar Handschuhe an, bückt sich, schon füllt sich sein Fahrradkorb weiter mit Abfall. Andere klagen über eine verschandelte Landschaft, die Stadt hat ein ganzes Müllkonzept erarbeitet. Laufenberg packt selbst an — und will Schüler und andere zu Gleichem begeistern.

Jeden Morgen sammelt der Lehrer des Pascal-Gymnasiums seit etwa drei Jahren auf seinem Weg vom Bahnhof bis zur Schule Müll — etwa auf der Markgrafenstraße und im Sodbach-Tunnel. Auch den Weg vom Bahnhof bis zu seinem Haus in Duisburg-Duissern hält er sauber. Jede Woche werden etwa fünf Fahrradkörbe voll. "Der ganze Abfall ist ästhetisch eine Beleidigung", ärgert er sich.

Manchmal werde er gefragt, "ob es mir nicht peinlich ist, Müll zu sammeln", sagt der Lehrer für Englisch und Spanisch. "Ich will Vorbild sein. Wir möchten, dass unsere Kinder schonend mit der Umwelt umgehen. Doch Erwachsene sind oft keine guten Vorbilder, bieten den Kindern keine Umwelt, sondern eine Müllwelt", sagt Laufenberg. "Die Stadt tut viel, wird aber meiner Meinung der Müllflut allein nicht immer Herr. Wenn wir in einer sauberen Stadt leben wollen, müssen die Bürger selbst mit anpacken", so seine Überzeugung.

Seit Jahren interessiert sich der 42-Jährige für Natur- und Umweltschutz. Im Gymnasium betreut der engagierte Lehrer seit 2008 die Innovative Nachhaltigkeits-AG. "Kindern zu vermitteln, wie wichtig ein sorgsamer Umgang mit der Umwelt ist, gehört meines Erachtens zum Bildungsauftrag von Schule", sagt er. Die Schüler der AG verkaufen etwa Fair-Trade-Produkte, betreuen einen Schulgarten, hängen Nistkästen auf. Auch im Kampf gegen den Müll werden Pascal-Schüler aktiv. Die Schule hat Patenschaften für den Sodbach und einen Weg übernommen. "Im Laufe der Jahre haben wir dort rund 70 Müllsäcke voll gesammelt." Auch bei Aktionstagen packen die Schüler an.

Bei seinem Engagement auf dem Schulweg sieht Laufenberg Erfolge. "Die Markgrafenstraße ist viel sauberer als früher. Anwohner sprechen mich an, manche heben selbst Müll auf. Schüler, die mich sammeln sehen, denken über den Sinn nach." Keineswegs will er der Stadt deren Arbeit ganz abnehmen. "Wer irgendwo viel Müll liegen sieht, sollte der Verwaltung eine E-mail schicken, damit der Unrat beseitigt wird", so Ansgar Laufenberg. "Doch wenn jeder selbst etwas Müll sammelt, sieht es bei uns schon viel besser aus."

(NGZ/rl)
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