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Der MSC Grevenbroich hat seine Motocross-Anlage nachgebessert

Motorsport in Grevenbroich : Künftig weniger Staub beim Motocross

Eine Strecke des Grevenbroicher Geländes ist jetzt breiter und kann komplett bewässert werden – nicht nur für die Fahrer ein Vorteil. Es staubt viel weniger, außerdem kommt das Wasser den Kröten zu Gute.

Bei den einen waren es Frühjahrsputz und Gartenarbeit, beim Motorsportclub (MSC) Grevenbroich die Strecken-Überholung: Der Corona-Lockdown der vergangenen Wochen hatte ganz verschiedene Facetten. Die Mitglieder des MSC hat er zur Nachbesserung des Geländes auf der Königshovener Höhe veranlasst, das Motocrosser seit mehr als 20 Jahren für ihr Training nutzen.

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Das Ergebnis: Die „blaue“ Bahn wurde nicht nur verbreitert, sondern auch mit einer flächendeckenden Bewässerung ausgestattet. Denn obwohl sie neben der „orangefarbenen“ Strecke als Sommerbahn gilt, habe sich beim Fahren nach längerer Trockenheit noch viel Staub entwickelt. „Es gab vor allem zwei bis drei Kurven, die sehr aufgestaubt haben“, erklärt Günter Becker, Sprecher des MSC. „Das konnten wir jetzt optimieren und haben damit langfristig bessere Fahrbedingungen.“

Als einer der ersten hat der amtierende deutsche Meister der Klasse MX2 Gianluca Ecca vom MSC die umgestaltete Strecke getestet. Foto: MSC Grevenbroich

Einen prominenten Testfahrer gab es bereits: Gianluca Ecca, der amtierende Deutsche Meister der Klasse MX2, hat die umgestaltete Strecke ausprobiert – und für gut befunden. „Sie ist jetzt etwas kürzer, aber sehr flüssig zu fahren“, sagt der Dirt Biker. „Und die Sprünge machen einfach Spaß.“ Es seien alle Elemente einer modernen Motocross-Strecke vorhanden. Tatsächlich komme die „Blaue“ jetzt einer Hartboden-Strecke sehr nah, sagt Becker. „Wir sind ja vor allem für unseren Sand bekannt, aber auf der Strecke haben wir jetzt einen größeren Lehmanteil.“ Das biete den Fahrern mehr Abwechslung und sei eben vor allem im Sommer angenehm zu fahren.

Die Bodenbeschaffenheit des Geländes, das in der Nähe des Braunkohle-Tagebaus Garzweiler liegt, ist sehr unterschiedlich. Es gibt Bahnen wie die „rote“, die aus extrem viel Sand bestehen und sich deswegen speziell für den Winter eignen. „Wenn überall Land unter ist, kommen viele Gäste aus dem Ausland extra für diese Bahn, weil sie sich auch nach viel Niederschlag noch gut befahren lässt“, erklärt Becker. Die internationalen Gäste sind auch der Grund für die Bezeichnung der Bahnen. „Farben sind in jeder Sprache leicht verständlich.“ Für das Motocross-Training zieht es schon seit vielen Jahren immer wieder WM-Teams und Sportler aus ganz Europa nach Grevenbroich.

Die „blaue“ Strecke auf der Anlage wurde komplett überholt. Foto: MSC Grevenbroich

Primär ging es bei der Umgestaltung der Strecke, also um die bessere Befahrbarkeit. Doch auch an die Umwelt wurde gedacht. Denn das Gelände ist schon seit einigen Jahren nicht mehr nur für den Motorsport, sondern auch für seine artenreichen Bewohner bekannt. „Die neue Bewässerung kommt jetzt vor allem unseren Amphibien in den zahlreichen Tümpeln zu Gute“, so Becker. Die höhere Menge an Wasser vernetze die Biotope besser miteinander. Und genau das ist eine Auflage, die dem MSC im Rahmen ihres 2017 erhaltenen Umweltpreises von der FIM (Fédération Internationale de Motocyclisme) auferlegt wurde.

Doch wie genau passen Umweltschutz und durch die Natur pesende Biker zusammen? „Wir sind uns schon vor langer Zeit bewusst geworden, dass unser Gelände ein Lebensraum für viele Tieren und Pflanzen geworden ist“, sagt Becker. Geworden ist, weil gerade durch die Motocross-Nutzung etwa die Population der Kröten aufrechterhalten wird. „Würden wir das Gebiet nicht nutzen, würde es verbuschen“, erklärt Becker. Kröten würden für ihre Wanderungen jedoch offene Flächen benötigen. Die Tümpel, in denen die Kröten laichen und sich offensichtlich wohl fühlen, werden vom MSC gepflegt. Außerdem ist die Anlage Lebensraum für viele Vögelarten, Rehe, Füchse und Dachse.

Auf die Frage, ob man diese Tiere durch die Motocross-Fahrer nicht in Gefahr bringe, antwortet Becker ganz klar: „Nein, denn zum einen sind die Tiere größtenteils nachtaktiv und zum anderen gibt es bei uns kein wildes Fahren – wir fahren nur auf den vorgegebenen Strecken, und das zu den bestimmten Trainingszeiten.“ Zusammenstöße mit Tieren habe es noch nie gegeben.

Der Umweltschutz ist dem MSC ein besonderes Anliegen, weshalb er seit rund fünf Jahren auch die Nachwuchs-Fahrer stärker einbezieht. So wird den jugendlichen Fahrern neben den sportlichen Aspekten auch ein Bewusstsein für ihre natürliche Umgebung mit auf den Weg gegeben. So wird jedes Jahr gemeinsam am Frühjahrsputz der Stadt Grevenbroich teilgenommen und das Trainingsgelände und seine Umgebung von Müll befreit.

Außerdem wurden in Schulprojekten bereits Nistkästen für Meisen, Feldsperlinge und andere Vogelarten gebaut und in Gemeinschafts-Aktionen Wasserkuben zur Laichrettung aufgestellt. „Natürlich sind wir in erster Linie ein Sport- und kein Umweltverein“, so Beckers. Aber der Respekt vor der Natur und deren Schutz sei zur Mission des Clubs geworden – für die er nicht umsonst als Vorbild für den deutschen Motorsport gilt.