Grevenbroich: Der Mann für die Stadionwurst

Grevenbroich : Der Mann für die Stadionwurst

Franz-Josef Esser hatte für das Freundschaftsspiel zwischen TuS Grevenbroich und Fortuna Düsseldorf aufgerüstet. Rund 700 Bratwürste hatte er an seiner Bude zum Verkauf dabei – so viele wie bei keinem Spiel zuvor.

Franz-Josef Esser hatte für das Freundschaftsspiel zwischen TuS Grevenbroich und Fortuna Düsseldorf aufgerüstet. Rund 700 Bratwürste hatte er an seiner Bude zum Verkauf dabei — so viele wie bei keinem Spiel zuvor.

Fußball-Fans wissen: Eine Wurst kann im Stadion zweierlei sein. Einerseits nennen sie so in der Kurve gerne Spieler, von denen sie nichts halten. "Nimm die Wurst raus", rufen sie dann in Richtung Trainer — in der Hoffnung, er möge sie erhören. Zweitens aber sagen sie auch: "Ich brauche jetzt eine Wurst", und dann ist kein Spieler gemeint, sondern ganz profan eine Bratwurst vom Grill. Franz-Josef Esser (29) ist beim TuS Grevenbroich der Mann für die Würste. Für die vom Grill, versteht sich. Und er hat gestern beim Freundschaftsspiel zwischen dem TuS Grevenbroich und dem Zweitligisten Fortuna Düsseldorf so viel zu tun wie noch nie im Stadion. 700 Würste hat er vorbereitet. "Die gehen alle weg", ist Franz-Josef Esser überzeugt.

Normalerweise, wenn er bei Lokalderbys an seiner Bude steht, verkauft er höchstens 150 Würstchen. "Und das auch nur, wenn es gut läuft", meint Esser. Er schwitzt, es ist heiß hier, und schon vor dem Anpfiff ist der Andrang groß. Der Fortunen-Anhang bringt nicht nur Profifußball-Atmosphäre mit, sondern auch Hunger. Es gibt nicht viele Dinge, die so sehr zu einem Fußball-Spiel gehören wie eine gute Bratwurst. Oder, wie der Fußball-Fan sagt: eine "Stadionwurst".

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Schon während sich die Spieler auf den Anpfiff vorbereiten, wird an Essers Bude gebrutzelt, was das Zeug hält. Sein Team hat er aufgestockt. Bei Lokalderbys stehen zwei bis drei Mann hinter der Theke. An diesem Tag sind es fünf. Den härtesten Job hat Bernhard Vollmann. Er steht direkt hinter dem Grill. Wie warm es dort ist? "Bestimmt 50 Grad", meint Vollmann. Man sieht es ihm an. Nur ein paar Meter vom Stadion entfernt ist ein Ort, an dem er sich am liebsten abkühlen würde: das Schlossbad.

Aber das geht jetzt nicht. TuS-Präsident Lothar Zimmermann schätzt, dass sich mehr als 1000 Besucher zum Spiel gegen Düsseldorf im Stadion befinden. Und die haben zur besten Abendbrotzeit Appetit. Dabei wäre es beinahe nichts geworden mit den Würstchen.

Denn als Franz-Josef Esser diese in der familieneigenen Metzgerei zubereitete, streikte plötzlich eine Maschine. "Geholfen hat mir mein Metzger-Kollege Klaus Terhardt", sagt Esser. "So etwas ist heutzutage leider auch nicht mehr selbstverständlich."

Ein zweites Problem gab es dann im Stadion. Bei Lokalderbys benutzt Esser Elektrogrills. Für das Spiel gegen Düsseldorf setzt er auf einen Holzkohlegrill. Nur: Der entfachte unter dem Dach seiner Bude eine zu große Hitze. "Wir mussten ihn dann versetzen", sagt Esser. Zwischendurch blickt er immer mal aufs Spielfeld. "Das ist ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte."

(NGZ)
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