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Grevenbroich: Der Kongress leiert

Grevenbroich : Der Kongress leiert

Grevenbroich Rund 1000 Mitglieder haben sich zum Club Deutscher Drehorgelfreunde (CDD) zusammengeschlossen.

Sie sind rund um den Erdball verteilt, hegen und pflegen ihre Instrumente in Australien genau so wie in den Vereinigten Staaten.

Einmal im Jahr treffen sich einige hundert von ihnen zu einem Kongress, der nächste wird in Grevenbroich über die Bühne gehen.

Vorsitzender Wilfried Hömmerich aus Bonn zeigt sich auf der CDD-Homepage begeistert: "Wir haben eine schöne Stadt gefunden."

Gerd Busch aus Hemmerden ist daran nicht ganz unschuldig. Denn der 52-Jährige hat Grevenbroich für den nächsten Kongress (23. bis 25. März) vorgeschlagen.

Verein und Stadt sind sich mittlerweile einig: Die etwa 300 bis 400 Drehorgelspieler, die im nächsten Frühjahr erwartet werden, sollen im Rittersaal des Alten Schlosses tagen.

"Das ist aber nur eine Seite der Medaille", meint Busch. Die andere: Viele Leierkastenmänner (und -frauen) werden ihre Instrumente mitbringen, um damit in die Innenstadt auszuschwärmen.

"Das wird vor allem am Samstag und Sonntag ein buntes Spektakel, etwas ganz Großes", verspricht Busch.

Das erkannten wohl auch die Stadtväter von Leipzig, die sich als Austragungsort für den nächsten Kongress beworben, gegenüber Grevenbroich jedoch das kürzere Streichholz zogen.

An verschiedenen Standorten werden sich im März 2007 bis zu 100 Musikanten postieren, um die Besucher der City mit ihren Klängen zu begeistern.

"Wir planen auch einen ökumenischen Gottesdienst mit Drehorgeln in der Pfarrkirche St. Peter und Paul und ein Klassik-Konzert in der Christuskirche", verrät Gerd Busch.

Fest steht das allerdings noch nicht, da Gespräche mit den Verantwortlichen erst in Kürze geführt werden sollen.

Ein echter Hingucker im Rahmen des Kongresses werden vor allem die drei Karussellorgeln sein, die zwischen dem Schloss und dem Marktplatz aufgestellt werden.

Karussellorgeln waren es übrigens auch, die Gerd Busch zu seinem Hobby, dem Drehorgelspielen, brachten.

"In meiner Jugend, die ich in Büttgen verbrachte, faszinierten mich die Kirmesorgeln, die von der Grevenbroicher Schaustellerfamilie Rosenzweig auf die Festplätze gefahren wurden und dort die Karussells beschallten.

Alles, was von diesen Orgeln übrig blieb, ist ein vergilbtes Foto, das ich von der Tochter des Schaustellers erhielt", erzählt Busch.

Der 52-Jährige hat sich seither eingehend mit der (im 18. Jahrhundert beginnenden) Geschichte der Drehorgel beschäftigt und vor vier Jahren ein eigenes Instrument erworben.

Eine Raffin-Handdrehorgel vom Bodensee mit 31 Holz- und neun Metallpfeifen sowie zwei Registern, die auch Kompliziertes spielt, etwa Mozart-Kompositionen.

Mit einfachem Drehen am "Schwengel" ist es dabei übrigens nicht getan: "Man braucht schon Gehör und Gefühl, um das Notenband zu spielen - mal langsamer, mal schneller, sodass Leben in das Stück kommt", berichtet Busch.

Eine Kostprobe seines Könnens gab der Hemmerdener - er ist ehemaliger Mitarbeiter der Post und ging aus gesundheitlichen Gründen in Rente - zuletzt in der Jüchener Jakobus-Kirche.

Dort bestritt er mit dem Organisten Heinz-Georg Quast ein ungewöhnliches Mozart-Konzert: Gemeinsam wurde die Kirchensonate KV 263 aufgeführt.

Auf ähnliche Aufführungen können sich die Grevenbroicher schon jetzt freuen. "Wir werden für den Kongress einiges vorbereiten, um unsere Leidenschaft einem möglichst großen Publikum näher zu bringen", verspricht Busch.

Er hat bereits Kontakt mit einem Sammler aufgenommen, der seine schönsten und ältesten Stücke zur Verfügung stellen möchte.

Die Instrumente sollen vier Wochen vor der Veranstaltung in den Schaufenstern der Innenstadt ausgestellt werden.

(NGZ)