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Grevenbroich: Der Köhler aus dem Bend

Grevenbroich : Der Köhler aus dem Bend

Georg Sasse ist einer der letzten Köhler in der Bundesrepublik. Der 67-Jährige zeigt im Tiergehege, wie Braunkohle auf traditionelle Art hergestellt wird. Seit gestern baut er einen Meiler aus Buchenholz auf.

Das Handwerk wäre ausgestorben. Wenn es da nicht Georg Sasse gäbe. Der 67-Jährige aus dem Sauerland ist einer der letzten Köhler in der Bundesrepublik. Er stellt Holzkohle nach alter Tradition her. Wie das gemacht wird, zeigt Sasse derzeit im Bend. Dort hat er einen Meiler aufgebaut, der am Sonntag angefeuert wird. Damit eröffnen die Stadt und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) ihre "Meilertage".

Georg Sasse stammt aus dem Ort Oberhunden, seine Familie betreibt seit langer Zeit eine Köhlerei. "1955 haben wir aber offiziell aufgehört, weil man damit einfach kein Geld mehr verdienen konnte", erzählt der 67-Jährige. Als dann in den 70er Jahren das Grillen in Deutschland so richtig losging, baute Sasse zum Spaß noch einmal einen Meiler auf, seither wird der Rentner für Feste und Veranstaltungen gebucht.

Der Sauerländer wird in den nächsten Tagen etwa 60 Raummeter Buchenholz so aufschichten, wie es sein Vater ihm beigebracht hat. Nach altem Vorbild wird Sasse einen kegelförmigen Haufen (den Meiler) aufschichten, einen mit Reisig und Spänen gefüllten Feuerschacht anlegen und eine luftdichte Decke aus Gras, Moos und Erde schaffen. Über dem Feuerschacht wird Bürgermeisterin Ursula Kwasny am Sonntag den Meiler entzünden. "Bei Temperaturen zwischen 300 und 350 Grad wird der Verkohlungsprozess einsetzen, nach etwa acht Tagen wird die erste Holzkohle gewonnen", erklärt der Experte.

Der Schlafplatz von Georg Sasse wird in den nächsten beiden Wochen nicht gerade komfortabel sein. Übernachtet wird in einem Baucontainer, den der 67-Jährige alle zwei Stunden verlassen muss: "Tag und Nacht müssen Kontrollen vorgenommen werden, damit der Meiler nicht durchbrennt", erzählt er. Gerade die Nachtschichten seien anstrengend, aber "eine notwendige Arbeit", wie er meint. Die größte Schwierigkeit ist für Sasse die Verkohlung des Buchenholzes. "Es darf nur kontrolliert Sauerstoff zugeführt bekommen, sonst verbrennt es. Bei Wasseradern besteht außerdem die Gefahr, dass der Meiler aus dem Wasser Sauerstoff zieht und vielleicht doch noch Feuer fängt. Dann wäre die Arbeit von Tagen umsonst", erklärt der Experte.

Die Kohle, die er produziert, ist besonders gut zum Grillen geeignet, da sie lange brennt. Den Meileraufbruch hat Georg Sasse für den 17. Mai angesetzt. Ob dann tatsächlich schon Bend-Braunkohle verkauft werden kann, ist ungewiss: "Das kann man nie sagen", meint Sasse: "Ein Meiler ist erst dann fertig, wenn er gar ist."

(NGZ)