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Grevenbroich: Der gute Geist der Senioren-Leichtathletik

Grevenbroich : Der gute Geist der Senioren-Leichtathletik

Gisela Stecher aus Allrath wird heute Abend für ihr vielfältiges Engagement mit der Sportplakette des Landes NRW ausgezeichnet.

In Gisela Stechers Leben gibt es kaum einen Tag, an dem sie sich nicht mit Sport befasst. Momentan kümmert sie sich um die Zeitpläne für die Deutschen Leichtathletik-Seniorenmeisterschaften. Ihr ist zu verdanken, dass jede Altersklasse und Disziplin ein passendes Zeitfenster bekommen.

Heute Abend bekommt Gisela Stecher für ihr ehrenamtliches Engagement im Sportbereich in Hattingen die Sportplakette des Landes Nordrhein-Westfalens verliehen. "Als der Brief kam, habe ich erst gedacht, das wäre ein Knöllchen von der Stadt Düsseldorf", erzählt sie lachend. Dann überwog schnell die Freude: "Ich freue mich, dass das, was ich bis jetzt gemacht habe, als Leistung anerkannt wird", sagt sie.

 Gisela Stecher begeisterte sich früh fürs Kugelstoßen.
Gisela Stecher begeisterte sich früh fürs Kugelstoßen. Foto: Stecher

Gisela Stechers Leidenschaft für den Sport begann in frühester Jugend. "1954 habe ich mit elf Jahren zum ersten Mal an den Ungerspielen teilgenommen - und direkt gewonnen", erinnert sich die gebürtige Düsseldorferin. Im Sommer trainierte sie Leichtathletik, vor allem die Wurfdisziplinen. Im Winter spielte sie Basketball - mit Erfolg. 1957 wurde ihre Mannschaft Deutscher Jugendmeister.

1964 heiratete Gisela Stecher, in den folgenden Jahren wurden die Söhne Thomas und Olaf geboren. In dieser Zeit wandte sich Stecher der Übungsleitertätigkeit zu. "Die Arbeit mit der Kindergruppe damals hat mir viel Spaß gemacht", erinnert sie sich. 1972 die schlimme Nachricht: Thomas war an Muskeldystrophie erkrankt. 1993 starb er. Bei Krankheit und Tod des Sohnes gab der Sport Stecher Halt: "Die Freunde haben mir viel geholfen."

Neben ihren eigenen Ambitionen - bei acht Welt- und 18 Europa-Seniorenmeisterschaften konnte sie zahlreiche Medaillen gewinnen - nahm das Engagement für andere großen Raum ein. Unter anderem war sie beim World-Cup 1977 Betreuerin, half beim Kö-Lauf und übernahm mit ihrem Lebensgefährten Werner Angermund das Eintüten der Startunterlagen für etwa 3000 Teilnehmer des "Düsseldorf Marathon". In Grevenbroich, wo sie seit 1996 wohnt, engagierte sich Stecher als Kampfrichterin bei Stadtmeisterschaften oder beim Citylauf.

Seit 2005 ist sie Seniorenwettkampfsportwartin im Landesverband Nordrhein, kümmert sich um Zeitpläne und fungiert als Wettkampfleiterin. Seit etwa fünf Jahren übt sie diese Aufgaben auch als Bundesbeauftragte für Wettkampforganisation Senioren im Deutschen Leichtathletik Verband aus. Sie gestaltet mit Geschick die Zeitpläne für die Deutschen Seniorenmeisterschaften. Schon in der Handelsschule habe sie gerne mit Tabellen gearbeitet, erzählt die heute 73-Jährige. "Bei den Zeitplänen muss ich sehen, dass alles im Einklang ist", beschreibt sie die Herausforderung. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Aufgabe als Mannschaftsbetreuerin bei Senioren-Europa-und Weltmeisterschaften. Stecher weiß, wann die Sportler wohin müssen, kann ins Englische übersetzen und klärt auch, wenn bei einem Wettbewerb etwas schiefgelaufen ist. Selbst nimmt sie seit einiger Zeit nicht mehr an Wettkämpfen teil. Doch der sportliche Ehrgeiz ist ungebrochen: Jeden Abend liefert sich Stecher ein Tischtennis-Duell mit ihrem Lebensgefährten.

(NGZ)