Grevenbroich: Der Geschichtsverein Grevenbroich erinnert an die Opfer des NS-Terrors

Grevenbroich : Der Geschichtsverein Grevenbroich erinnert an die Opfer des NS-Terrors

Vor 73 Jahren befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz. Zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen - vor allem Juden - sind dort durch Nationalsozialisten systematisch ermordet worden. Unter den Opfern: 18 Menschen aus dem heutigen Stadtgebiet Grevenbroich. Die Zahl der Grevenbroicher, die dem NS-Terror insgesamt zum Opfer gefallen sind, ist mit etwa 200 allerdings deutlich höher. An sie erinnerte jetzt anlässlich des Jahrestages der Befreiung Auschwitz' am 27. Januar 1945 der Grevenbroicher Geschichtsverein mit einem Vortrag in der Villa Erckens, den allerdings nur sehr wenige Menschen besuchten.

Dabei ging Ulrich Herlitz, der sich seit vielen Jahren mit der Geschichte der Grevenbroicher Juden beschäftigt, genauer auch auf einzelne Schicksale ein. Er sprach von einem "lebendigen kulturellen Leben", das sie in Grevenbroich geprägt hätten - etwa durch die Gründung eines Krankenhauses, durch den Einzelhandel und auch in Schützen- und Karnevalsvereinen.

Beispielhaft für den NS-Terror gingen Ulrich Herlitz und die Stadtarchiv-Mitarbeiterin Lorena Borosa auf das Schicksal der Hemmerdenerin Marianne Stern-Winter ein, die als einzige ihrer Familie mehrere nationalsozialistische Mord-Aktionen sowie die Einquartierung in das Rigaer Ghetto überlebte und nach ihrer Befreiung 1945 wieder in ihren Heimatort zurückkehrte, in dem sie bis 1998 lebte. "Sie musste später nachweisen, dass sie tatsächlich in Riga war", erzählte Ulrich Herlitz bei seinem Vortrag, in dem er auch berichtete, dass Marianne Stern-Winter später wieder mit denjenigen konfrontiert wurde, die einstmals mit verantwortlich waren für ihre Deportation.

In der Nachkriegszeit behaupteten auch viele Grevenbroicher, nichts vom Schicksal ihrer jüdischen Nachbarn gewusst zu haben - obwohl sie zum Teil selbst bei Versteigerungen Gegenstände deportierter Juden gekauft haben sollen.

"Heute wissen wir, dass der massenhafte Mord an Juden auch bei Wehrmachtssoldaten bekannt gewesen sein muss", sagte Herlitz, der in Bezug auf zunehmende antisemitische Äußerungen vor allem in sozialen Netzwerken von einer "ernstzunehmenden Gefahr" sprach. Ein sensibles Thema: die Täter-Frage, die bis heute zum Teil tabuisiert ist. Der Grund: Täter-Biografien werden ebenso in nachfolgende Generationen getragen wie die der Opfer.

(cka)