1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Der Eisenbahn-Tester

Grevenbroich : Der Eisenbahn-Tester

Schon als kleiner Junge war Heinz-Josef Weitz aus Wevelinghoven von der Eisenbahn fasziniert. Als junger Mann hat er sich seinen Traum erfüllt und wurde Lokführer. Heute testet er ehrenamtlich Züge aus der ganzen Welt.

Ob Straßenbahn, Kohlebahn oder die Bangkok-U-Bahn. Alle diese Züge und noch viele mehr sind Heinz-Josef Weitz bestens bekannt. Der 61-jährige war jahrelang als Lokführer bei RWE Power tätig. Doch auch nach seiner Zeit als Lokführer bestimmt der "Bazillus-Eisenbahn" sein Leben.

Bereits mit fünf Jahren ließ Weitz die Eisenbahn nicht mehr los. "In der Schule war ich eher mittelmäßig. Meine Gedanken waren immer bei der Eisenbahn", erzählt Weitz. Mit 16 Jahren begann der gebürtige Allrather eine Ausbildung bei der Bundesbahn. Als "Jungwerker" im Bahnhof Grevenbroich durchlief er vom Fahrkartenschalter bis zum Stellwerk alle Stationen der Eisenbahn.

Dreimal in der Woche ging es nach Mönchengladbach auf die Eisenbahnfachschule. Nach der Ausbildung arbeitete Weitz zehn Jahre lang in verschiedenen Stellwerken der Region. Das Werk Morken-Harff betreute Heinz-Josef Weitz als letzter Stellwerker. Wegen der Verlegung der Strecke über Frimmersdorf wurde der Posten nicht mehr gebraucht.

Die restliche Berufszeit verbrachte der Wevelinghovener auf der Kohlebahn von RWE Power. Nun ist er seit einem Jahr in Rente, doch die Eisenbahn bestimmt weiterhin seinen Tagesablauf. Viele ehrenamtliche Tätigkeiten führt Weitz auch im Ruhestand weiter. So ist er im Feldbahnmuseum Oekoven und im Team Selfkantbahn aktiv. Auch Ehefrau Gabi (51) und seine beiden Töchter Miriam (29) und Sabrina (26) sind vom Eisenbahn-Hobby gepackt worden. So ist die Familie nicht selten auf dem Gelände, der Selfkantbahn anzutreffen.

Seine wohl spannendste Freizeitbeschäftigung ist aber die Eisenbahnteststrecke in Wildenrath bei Wegberg: An der Teststrecke der Firma Siemens kommt keine Eisenbahn vorbei. Nur zwei weitere Parcours dieser Art gibt es auf der Welt. So hat Weitz dort bereits die Bangkok-U-Bahn getestet. "Ich wurde angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, Züge zu testen. Da habe ich natürlich nicht lange überlegt", sagt Weitz. So fährt er nun regelmäßig nach Wildenrath, um die neuesten Entwicklungen auf dem Eisenbahnmarkt zu testen.

Anders als früher liegen die Fehler heute aber eher im Softwarebereich. "Es kann sein, dass ein Zug nicht weiter fahren kann, weil die Toilette nicht in Ordnung ist", berichtet der Lokführer. Eine alte Dampflok ist der Bahnfan allerdings nie gefahren. "Dazu braucht man die Zusatzausbildung als Heizer. Darauf hatte ich aber keine Lust. Bei 60 Grad Celsius auf der Lok ist dieser Job kein Zuckerschlecken", so Weitz.

Auch als Modellbahner ist Weitz aktiv. Im Keller der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule bastelt er mit dem Modellbauverein Grevenbroich an einer Miniatur-Anlage.

(NGZ/rl)