Der Behindertensportverein Grevenbroich findet keinen Ort für den Reha-Sport.

Langwierige Sanierung des Frimmersdorfer Hallenbads : Verein findet keinen Platz für Reha-Sport

Der Behindertensportverein muss seit über einem Jahr Anfragen zum Reha-Sport im Wasser ablehnen, weil das Frimmersdorfer Bad nicht fertig wird. Der Hallensport ist aber nicht für jeden etwas.

Die Behindertensport-Gemeinschaft Grevenbroich (BSG) bietet neben Mannschafts- auch Reha-Sport an. Doch diesem Auftrag kann er nicht mehr gerecht werden. Seit das Schlossbad neu gebaut wurde, übersteigt die Hallenmiete die Möglichkeiten des Vereins. Das schon mehr als ein Jahr geschlossene Frimmersdorfer Hallenbad hat dem Verein somit auch die letzte Möglichkeit genommen, Reha-Sport im Wasser anzubieten. Doch gerade der wird am meisten angefragt.

Nach der Rehabilitation folgt oft die Verordnung der Krankenkasse zum Reha-Sport. „Viele haben während der Reha Wassergymnastik gemacht und haben daran Gefallen gefunden“, erklärt Horst Baum, Vorsitzender der BSG. Diese Leute suchten dann auch im Anschluss ganz gezielt nach einem Reha-Kurs, der im Wasser stattfindet. „Ich bekomme ständig Anfragen und muss die Leute vertrösten oder gleich ganz ablehnen“, sagt Baum. Der Grund: Das Hallenbad Frimmersdorf ist seit Sommer 2018 geschlossen. Wann die Reparatur des Schwimmbeckens abgeschlossen sein wird, ist ungewiss, aktuell heißt es Ende 2019 oder Anfang 2020.

Horst Baum, Vorsitzender des BSG 1962 vor den Turnhallen des BBZ. Foto: Christian Albustin

„Das Bad war auch vorher schon in den Sommerferien zu Wartungszwecken immer geschlossen“, berichtet Baum. Der 67-Jährige leitet den Verein ehrenamtlich. Um die 100 Leute seien aktuell für den Reha-Sport angemeldet. Ersatzweise sei man in das Schwimmbad in Wevelinghoven umgezogen. Dort gebe es aber nur ein Nachmittagszeitfenster, beklagt Baum: „Das ist für Berufstätige natürlich unbrauchbar, in Frimmersdorf hatten wir einen Kurs um 19 Uhr.“ Eigentlich wollte der Verein im Sommer 2018 einen zweiten Kurs anbieten – wegen der hohen Nachfrage. Als dann aber am Ende der Sommerferien klar war, dass das Bad so bald nicht wieder eröffnen würde, musste der Plan auf Eis gelegt werden. Der Verein biete zwar auch in der Turnhalle Reha-Kurse an, diese seien aber nicht für jeden das Richtige. „Wenn jemand schon Schwierigkeiten hat, vom Boden wieder hoch zu kommen, kann ich den nicht zum Hallensport schicken“, berichtet der BSG-Vorsitzende.

Mit ähnlichen Problemen kämpften auch Vereine in der Umgebung, berichtet Baum. Man habe inzwischen Mitglieder und Reha-Kunden, weit über die Kreisgrenzen hinweg. Die Nachfrage scheint überall groß, die Infrastruktur aber nicht ausreichend zu sein.

Der Reha-Sport ist aber nur eines der zwei Standbeine des Vereins. Die Leistungssport-Abteilung konnte in der Vergangenheit immer wieder bei Meisterschaften im Sitzball mithalten. Am Samstag, 2. November, spielen wieder zehn Vereine den Landesmeister aus, in den Hallen des Berufsbildungszentrums in Grevenbroich.

„Es wäre natürlich schön, wenn nach der Reha der ein oder andere im Verein hängen bleiben würde“, sagt Baum. Er sehe aber auch ein, dass er einen Senior, der sein ganzes Leben keinen Sport gemacht hat, nicht mehr zum Leistungssport bringe. Wichtig wäre es ihm daher, dass die Menschen, schon bevor es zur Reha kommt, auf den Sportverein aufmerksam würden. Der Verein, der sich explizit an Menschen mit und ohne Handicap wendet, sei schließlich nicht nur was für alte Leute – und Sitzball keine Sportart, bei der man nur auf der Stelle sitze.

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