1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Der Baseball ist in Kapellen zu Hause

Grevenbroich : Der Baseball ist in Kapellen zu Hause

Anfangs als Exoten belächelt, gibt es die Turtles seit 30 Jahren. 60 Mitglieder zählt der Verein, darunter auch Frauen.

Einen Pitch gleich zu einem Home Run zu verwandeln, bleibt schon für die meisten Profispieler oft ein Traum. Für Hobbysportler erst recht. "Wir haben uns einiges vorgenommen", sagt Torsten Ilgenstein. "Der Aufstieg aus der Bezirksliga in die Landesliga ist angepeilt", sagt der Spielertrainer über die Ambitionen der Herrenmannschaft.

Anders aber als die Vorbilder der amerikanischen Major League Baseball-Liga geht es für die Turtles vor allem um den Spaß an der Freud. Bei ihrer Gründung vor nunmehr 30 Jahren als Exoten belächelt, haben die etwa 60 Mitglieder noch immer einen hauch des Andersseins bewahrt. "Wir üben eine Randsportart aus", sagt Torsten Ilgenstein (49), der nach einem Amerika-Urlaub zusammen mit Sohn David (18) Baseball in Grevenbroich für sich entdeckte - und seitdem "sehr gerne" spielt. "Ich bin ein Spätberufener." "Die anderen von meiner Schule spielen Fußball oder Tennis", erzählt Manuel (16), der im Club nur "Manu" genannt wird. "Ich werde oft erstaunt angesehen, wenn ich von meinem Sport erzähle", freut er sich der Wilhelm-von-Humboldt-Schüler. Als sogenannter Catcher mit Schutzschienen ausgestattet, die optisch an die von Hockeyspielern erinnern, saust er über das Trainingsfeld an der Wevelinghovener Straße. "Schlagen, fangen, laufen - alles ist toll", begeistert er sich. Seit zwei Jahren ist er ein Turtle, zweimal in der Woche trainiert er regulär bei den Junioren (bis 18 Jahre) und "gerne auch bei der Männermannschaft" (ohne Altersbeschränkung). Was er am meisten am Baseball liebt, ist das Team. "Es ist so schön, mit anderen Sport zu machen", schwärmt auch Lisa. Die 15-Jährige ist seit 2010 eine Turtle. Zuvor hatte sie sich in der Leichtathletik und beim Judo versucht. Zusammen mit einer weiteren Mitspielerin zurzeit die einzigen Frauen. "Wir hatten mal mehr", erinnert sich Torsten Ilgenstein. Die meisten von ihnen waren Schülerinnen und Studentinnen, immerhin so viele, dass eine reine Frauenmannschaft beim Softball antreten konnte. Inzwischen aber sind sie berufsbedingt in alle Winde verstreut.

Der Gemeinschaftssinn steht bei den Turtles hoch im Kurs, nicht nur im Training oder während der Saison bei den Matches mit Teams aus Krefeld, Bonn, Aachen oder Düsseldorf. Der Platz, ein Areal bei Barrenstein, ist städtisches Eigenum, wird aber von den Turtles gehegt und gepflegt. "Alle finanziellen Mittel, die wir haben, werden zur Verbesserung unseres Geländes genutzt." Dass es inzwischen eine Toilette mit fließendem Wasser gibt, ist ihr Verdienst. Von Umkleiden mit Duschen können sie bislang nur träumen. Anstelle über mangelndes Geld zu jammern, packen sie selbst an: "Der Schlagkäfig muss erneuert werden", beschreibt Torsten Ilgenstein nächste Aufgaben. Auch die Doug Outs, wie die Mannschaftshäuschen genannt werden, sollen am Kinderfeld aufgebaut werden. Und auch eine richtige Flutlichtanlage wäre großartig, sind sich die Baseballer einig.

(von)