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Grevenbroich: Demenz: Angehörige brauchen mehr Hilfe

Grevenbroich : Demenz: Angehörige brauchen mehr Hilfe

Rund 1000 Grevenbroicher leiden an Demenzerkrankungen. Die Zahl steigt. Für viele Angehörige stellt die Pflege eine enorme Belastung dar.

Die Zahlen sind alarmierend: Rein statistisch betrachtet leiden rund 1000 Grevenbroicher an Demenzerkrankungen — und sind pflegebedürftig. 1,5 Prozent der Bevölkerung und 5,2 Prozent der Über-60-Jährigen seien betroffen. Mehr als 80 Prozent werden zu Hause von Angehörigen gepflegt. Diese Zahlen hat die Barmer Ersatzkasse (BEK) ermittelt, Erhebungen des Bundesgesundheitsministeriums stützen sie.

Monika Pigorsch, Pädagogin und geronto-psychiatrische Pflegefachkraft, kennt die Herausforderungen, die eine Demenzerkrankung im Familienkreis für die Angehörigen bedeutet. Im Caritas-Haus an der Montanusstraße bietet sie Schulungen für pflegende Angehörige an. "Es ist wichtig, dass sie für den richtigen Umgang mit Menschen mit Demenz sensibilisiert werden", sagt Pigorsch.

Die Nachfrage ist groß. Das kostenfreie Angebot von Caritas und BEK war rasch ausgebucht, es gibt schon eine Warteliste. Auch andere Träger wie Deutsches Rotes Kreuz oder Diakonisches Werk bieten solche Kurse an. Die nächste Schulungsreihe der Caritas soll im November beginnen. Die Anmeldungen laufen bei Cordula Bohle zusammen. "Wir stellen eine zunehmende Enttabuisierung des Themas fest", sagt sie.

Das spiegele sich in den steigenden Teilnehmerzahlen wider — und hat oft einen traurigen Hintergrund: Viele Angehörige stellen fest, dass sie Hilfe benötigen und es alleine nicht mehr schaffen. Das würden auch durch Stress ausgelöste Erkrankungen belegen — zum Beispiel Herzleiden. "Unter den pflegenden Angehörigen schlucken die Familienmitglieder von an Demenz Erkrankten die meisten Medikamente", sagt Pigorsch.

In der Schulungsreihe wird umfassend über Demenzerkrankungen informiert. "Dabei geht es auch darum, die Krankheit besser zu verstehen und Strategien zu erlernen, wie zum Beispiel Streit mit den Erkrankten vermieden werden könne", betont Pigorsch. "Die Angehörigen müssen sich in ihrer Kommunikation verändern und auf die Lebenswelt der Erkrankten eingehen." Zudem gibt Monika Pigorsch einen Überblick über therapeutische Konzepte, rechtliche Aspekte, Fragen zur Pflegeversicherung sowie Entlastungsmöglichkeiten.

Für die Teilnehmer ist ein solcher Schulungskursus oft wichtig, um besser mit den Belastungen zu Hause umzugehen. Oft würden sich pflegende Angehörige von Demenzkranken allein gelassen fühlen, weil sie niemanden haben, mit dem sie über die Probleme, die die Erkrankung mit sich bringt, reden können. Hans-Werner Reisdorf, stellvertretender Caritas-Vorsitzender im Rhein-Kreis Neuss, kennt das Dilemma. "Für viele ist es ja bereits schwierig, an den Schulungen überhaupt teilnehmen zu können, da sie für diesen Zeitraum jemanden brauchen, der die Pflege zu Hause übernimmt."

Die Angebote für pflegende Angehörige werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Laut Bundesgesundheitsministerium werde sich die Zahl der Demenzerkrankungen bis 2030 verdoppeln.

(NGZ)