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Grevenbroich: Das lange Ringen der CDU mit Barbara Kamp

Grevenbroich : Das lange Ringen der CDU mit Barbara Kamp

Analyse Seit Jahren hadern die Christdemokraten mit der Beigeordneten aus den Reihen der FDP

Axel Prümm müsste eigentlich mit dem Kopf schütteln. Mindestens. Denn die Abwahl der städtischen Beigeordneten Barbara Kamp, die jetzt von der CDU so vehement gefordert wird, war ursprünglich seine Idee. Nur folgte die Union ihrem Bürgermeister nicht — es kam zum Bruch. Prümm trat bei der Kommunalwahl nicht mehr für die Christdemokraten an, bislang treue Mitglieder verließen verärgert die Partei. Und nicht nur die wundern sich heute über den Sinneswandel der CDU.

Zur Erinnerung: 2008 stand die Wiederwahl der Beigeordneten mit dem FDP-Parteibuch an. Axel Prümm legte vorher sein Veto ein. Er kritisierte, dass Kamps Arbeit nicht effizient genug sei, und schlug vor, angesichts der schlechten Haushaltslage auf ihren Posten zu verzichten. Die CDU zog jedoch nicht mit — ein Kniefall vor ihrem freidemokratischen Partner im Rat und ein Affront gegen ihren Verwaltungschef.

Die FDP sagte danke für die Wiederwahl ihrer Spitzenbeamtin, versprach, keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten bei der Kommunalwahl zu stellen . . . und schickte wenige Monate später den Allrather Uwe Schmitz ins Rennen. Das Ende einer Freundschaft — auch mit Axel Prümm.

"Ein Possenspiel", kommentiert Simone Kippels die jetzt von der CDU betriebene Abwahl-Initiative. Die ehemalige Ratsfrau hatte nach den Querelen um Kamps Wiederwahl die Union verlassen und blickt nun kritisch auf die erneute Diskussion. Dass es den Christdemokraten dabei ums Sparen geht, bezweifelt die Gustorferin: "Die politische Unterstützung der FDP im Rat schwindet dahin, da braucht die Beigeordnete wohl nicht länger ,mitgeschleppt' werden", glaubt sie den wahren Grund zu kennen.

Durch einen Verzicht auf den Posten würde die Stadt ohnehin kaum sparen, sagt Kippels: "Wäre Barbara Kamp 2008 damals nicht wiedergewählt worden, hätte die Stadt etwa 625 000 Euro gespart. Schickt man sie heute in den Ruhestand, würde das in den nächsten vier Jahren etwa 77 000 Euro weniger bedeuten", rechnet sie vor. Dass der Einspareffekt zum jetzigen Zeitpunkt gering wäre, ist auch in den Ratsfraktionen längst registriert werden.

Voraussichtlich wird die CDU kaum eine Mehrheit für ihr Abwahl-Vorhaben bekommen, der Antrag wird vermutlich wie eine Seifenblase zerplatzen. Zumindest die SPD sieht laut Fraktionschef Horst Gerbrand "keinen aktuellen Handlungsbedarf" für ein solches Verfahren. Und auch auch die Grünen winken ab: "Vor vier Jahren hätte der Rat — wie von uns gefordert — einen Schnitt machen können", sagt Fraktionschef Dirk Gawlinski. Er sieht daher erst in zwei Jahren wieder die Möglichkeit, im Verwaltungsvorstand zu sparen: "Dann ist der Posten des Technischen Beigeordneten neu zu besetzen — falls Frau Kamp als Konsequenz der Gand'schen Hetzjagd ihren Stuhl nicht von selber räumen sollte."

Und die FDP? Die sieht in dem Vorstoß der Union nur eines: "Das ist ein lächerlicher Versuch, von der eigenen inhaltlichen Schwäche abzulenken", meint Markus Schumacher. Der Stadtverbandsvorsitzende sieht jetzt vor allem die Bürgermeisterin in der Pflicht: "Wenn sie meint, dass Frau Kamp zu wenig zu tun hat, sollte sie gefälligst die Aufgaben neu strukturieren."

(NGZ/rl)