Das kleine Hobby-Café am Erftradweg

Fahrrad-Serie : Das kleine Hobby-Café am Erftradweg

Nicole Kortmann ist begeisterte Radfahrerin. Jährlich legt sie bis zu 8000 Kilometer auf ihrem Rad zurück. Weil ihre Leidenschaft das Backen ist, verwöhnt sie Radler und Wanderer im „Back & Bike“, das im kleinen Ort Gruissem liegt.

„Life is a beautiful ride“ steht auf einem Plakat, das am Eingang von Nicole Kortmanns Domizil hängt. Dieser Spruch ist auch das Lebensmotto der Grevenbroicherin. Seit frühester Kindheit fährt sie Fahrrad – „vielleicht sogar schon seit dem Kindergarten“. Von Anfang an hat es ihr die Fortbewegung mit dem emissionsfreien Drahtesel angetan. „Ich bin jeden Tag mit dem Rad zur Schule gefahren und habe das später auch für meinen Arbeitsweg beibehalten“, erzählt sie. Als sie gemeinsam mit ihrem Mann einen Umzug von Dormagen-Rheinfeld aus in ein neues Heim plante, von dem aus beide ihre Arbeitsstätten gut erreichen können, hatte sie lediglich einen Wunsch: „Ich fahre 20 Kilometer mit dem Rad – wohin ist mir egal.“

 Und so fand das Ehepaar vor drei Jahren ein gemütliches Haus in Gruissem – auf der Grevenbroicher Seite. „Das ist für uns ideal – wir mögen es so ländlich und idyllisch“, sagt Kortmann. Und als sie eingezogen war, wurde eine Idee wieder wach, die schon lange in ihr gearbeitet hatte. „Ich hatte schon früher einmal den Wunsch, meine Leidenschaften zu verbinden und einen Buchladen mit Teestube zu eröffnen – oder eine Teestube, in der man lesen kann. Als ich jedoch hier im Vorgarten stand und die Kolonnen an Radfahrern beobachtet habe – schließlich liegt unser Haus direkt am Erftradweg – habe ich gedacht: Da kann man etwas draus machen. Da muss man etwas draus machen.“

Und so entwickelte sie gemeinsam mit ihrem Mann ein Konzept, das ihre drei größten Leidenschaften verbindet: Radfahren, Backen und Bewirten. Im vergangenen Juli eröffnete sie dann ihr „Café Back & Bike“, das an Sonn- und Feiertagen geöffnet ist. Rund 500 Gäste sind bisher bei ihr eingekehrt, im Schnitt 18 pro Öffnungstermin. „Mehr Kapazitäten habe ich auch nicht“, sagt sie und schaut auf die beiden Tische im Eingangsbereich des Hauses. „Ich möchte es klein halten. Mein Mann hilft mir zwar, aber er soll ja auch nicht dauerhaft eingespannt sein.“

An den Öffnungstagen duftet es herrlich nach selbst gebackenen Kuchen: Eierlikörkuchen ist der Renner, aber auch Obstbleche oder Käsekuchen in allen Variationen kommen bei den Gästen gut an. Dazu gibt es Kaffee, Tee, Schorlen und Bio-Limonade. Bei Nicole Kortmann finden Radfahrer und Wanderer einen Ort zur Einkehr, an dem sie sich gemütlich niederlassen, sich stärken, klönen oder tatsächlich auch ein Buch lesen können. Denn zahlreiche Werke liegen in einem großen Bastkorb im Gastraum bereit. Wenn es das Wetter zulässt, baut die Gastgeberin Tische und Stühle auf dem asphaltierten Hof auf, Sonnenschirme spenden Schatten.

„Es ist dann wirklich lauschig – vor allem die herrliche Stille und die lebhaften Gäste bilden einen tollen Kontrast.“ In dem „Sackgassen-Ort“ herrscht kein Durchgangsverkehr. „Und dadurch, dass mein Café sehr klein ist, bin ich stets auf die Gäste vorbereitet. Ich bin gerne Gastgeberin“, sagt Nicole Kortmann.

Sie selbst legt zwischen 7000 und 8000 Kilometern pro Jahr mit dem Fahrrad zurück, gut die Hälfte allein zu ihrem Arbeitsplatz an der Düsseldorfer Kö und zurück. „Egal, wohin es in den Urlaub geht, ich liebe es, die Umgebung mit dem Rad zu entdecken und fahre selten auf vorgegebenen Routen. Das müssen aber keine riesengroßen Reisen sein, mein Mann und ich fühlen uns auch an vielen Orten in Deutschland sehr wohl. Und in Holland – dort kann man wunderbar radfahren.“

Apropos Holland: Mit ihrem Lastenrad machte sie sich im April im Rahmen der sogenannten Schokofahrt auf den Weg nach Amsterdam, um kiloweise Schokolade emissionsfrei zu transportieren. Gemeinsam mit weiteren engagierten Radfahrern brachte sie so rund 1500 Kilogramm feinste Schokolade zu 70 Händlern in Deutschland. „Die süße Speise verkaufe ich auch in meinem Café, außerdem ist sie in Angela Bergs Feinkostgeschäft „Peter sei selig“ in Grevenbroich zu bekommen. Und auch den Transport der Getränke für „Back & Bike“ legt Nicole Kortmann, die auf Nachhaltigkeit setzt, mit dem Lastenrad zurück.

„Ich meine, alles, was man mit Leib und Seele, mit Herzblut macht, funktioniert“, ist Kortmann überzeugt. Kein Wunder, dass sie inzwischen bereits die Krimi-Autorin Barbara Steuten für eine Lesung gewinnen konnte, die sich am Muttertag (12. Mai) wiederholen wird. „Ich hatte zuerst die wahnwitzige Idee, Christine Westermann anzufragen. Aber die war leider zu teuer.“

Mehr von RP ONLINE