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Grevenbroich: Das alte Finanzamt ist verkauft

Grevenbroich : Das alte Finanzamt ist verkauft

Anwohner und Händler wollen das geplante medizinische Versorgungszentrum an der Bahnstraße verhindern. Doch das wird schwierig: Das alte Finanzamt, in das die Einrichtung einziehen soll, ist verkauft.

Nach anderthalb Stunden platzte einer Anwohnerin der Bahnstraße der Kragen. "Ich möchte nicht immer hören, was alles nicht geht. Ich möchte endlich hören, was wir tun können", klagte sie. Beim Treffen der "Stellwerk Initiative", die sich für eine Aufwertung des Bahnhofsquartiers einsetzt, hatte SPD-Ratsfrau Martina Suermann vorgestern Abend über das geplante medizinische Versorgungszentrum gesprochen. Händler und Anwohner möchten die Einrichtung verhindern. Was sie noch nicht wussten: Das ehemalige Finanzamtsgebäude an der Bahnstraße ist verkauft. Das teilte ein Sprecher des zuständigen Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW (BLB) gestern auf NGZ-Anfrage mit.

Fred Leven, einer der "Stellwerk"-Initiatoren, machte aus seiner Enttäuschung kein Hehl. "Das ist eine schlechte Nachricht für uns", sagte er. Dabei hatte es am Vorabend noch nach Hoffnung ausgesehen: Bei der Versammlung war es rappelvoll, es war sogar von drei weiteren potenziellen Investoren für das Finanzamtsgebäude die Rede.

Unmut hatte sich Martina Suermann zugezogen. Die Ratsfrau betonte zwar, dass ihre Fraktion gegen das medizinische Versorgungszentrum an der Bahnstraße sei. Dort möchte der Mediziner Dr. Joachim Treppmann mit Kollegen einen Schwerpunkt auf die Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen legen. "Dem Rat sind juristisch aber die Hände gebunden", erklärte Suermann. Rechtsanwalt Michael Zimmermann, der unter den Gästen war, ließ das so nicht stehen: "Auch wenn es sich um ein Gebäude des Landes handelt, gibt es Möglichkeiten. Zum Beispiel durch eine Überplanung." Zimmermann unterstrich gestern, dass dies nach wie vor möglich sei — auch wenn das Gebäude inzwischen verkauft ist.

Im Anschluss an Martina Suermanns Ausführungen entfachte eine zum Teil hitzige Diskussion. Deutlich wurde, dass sich die Bürger von der Politik im Stich gelassen fühlen. Martina Suermann räumte ein, dass es die Politik "ein Stück weit" versäumt habe, die Bürger zu informieren. "Da ist Vertrauen verloren gegangen", sagte Suermann. Hans Hammelstein, selbst lange Jahre CDU-Ratsherr, forderte die Bürger mit deutlichen Worten auf, aktiv zu werden: "Wer sich auf den Rat verlässt, der ist verlassen."

Die "Stellwerk Initative" wird jetzt aktiv. "Wir nehmen Kontakt zu anderen potenziellen Kaufinteressenten auf", sagt Fred Leven. Zudem wird es Unterschriftenlisten geben: Die Listen liegen bei Lederwaren Schnorrenberg, Kölner Straße, im Geschäft von Fred Leven, Rheydter Straße, sowie beim Integrations- und Bildungsverein, Bahnstraße 27, aus.

(NGZ)