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Coronavirus: Stiftungen in Grevenbroich können kein Geld sammeln

Ehrenamt in Grevenbroich : Gehen jetzt die Stiftungen stiften?

Die historisch niedrigen Zinsen lassen die Finanzmittel schmelzen. Das Coronavirus blockiert die Kommunikation. Ohne Veranstaltungen kann kein Geld gesammelt werden. Die Grevenbroicher Stiftungen wollen dennoch das Beste aus der aktuellen Lage machen.

Erst schrumpfte der Jahresertrag als Folge verschwindend geringer Zinsen, dann auch noch kam Corona. Beides zerrt an den Stiftungen, die mit ihren Projekten normalerweise kleine und große Wunder für die Stadtgesellschaft in Grevenbroich vollbringen. Ob Spielplatzsanierung, Förderung des Schützenwesens, Kunst, Kultur oder Sport – in nahezu allen Bereichen fördern die Stiftungen mit Zuschüssen Bewährtes oder schieben neue Ideen an. Derzeit allerdings bemühen sie sich selbst darum, über Wasser zu bleiben. Sorgt die Virus-Krise dafür, dass die Stiftungen stiften gehen?

„Nein. Wir als Bürgerstiftung Grevenbroich wollen nicht klagen, sondern nehmen die Dinge so, wie sie sind“, sagt der Vorstandsvorsitzende Klaus-Jürgen Ruppert. Derzeit allerdings sei es für die Bürgerstiftung beinahe unmöglich, die Aufmerksamkeit von Menschen zu gewinnen. Trotz der aktuellen Lockerungen hat die Pandemie Grevenbroich fest im Griff. „Wenn wir kommen und etwas erzählen von einer Perspektive, die über mehrere Generationen hinwegreicht, dann hören viele Menschen gar nicht zu“, hat Ruppert beobachtet. Gerade das sei aber notwendig, um den Gedanken hinter einer Stiftung erfassen zu können. „Spenden für eine einzelne Parkbank bekommen sie verhältnismäßig rasch. Doch wenn Menschen einen im Vergleich dazu kleinen Betrag für ein Stiftungsvermögen geben sollen, werden sie skeptisch.“

Bei einer Stiftung soll aus dem jährlichen Kapitalertrag, den ein Stiftungsvermögen abwirft, Gutes gefördert werden. „Bürger stiften Grevenbroich“ lautet die Idee der 2007 gegründeten Grevenbroicher Bürgerstiftung. Ihr Vermögen ist mittlerweile auf mehr als 200.000 Euro angewachsen. Bei einem durchschnittlichen Zinssatz von 1,8 Prozent pro Jahr stünden daraus 3600 Euro zur Verfügung, Jahr für Jahr. Diese Musterrechnung zeigt: Große Sprünge kann die mit viel ehrenamtlichem Engagement betriebene Bürgerstiftung nicht machen. In den zurückliegenden Jahren haben Vorstand und Kuratorium deshalb immer wieder auch Spenden für konkrete Projekte eingesammelt.

Im Mittelpunkt der Stiftungsarbeit steht die Sanierung der Grevenbroicher Spielplätze. „Dadurch haben die Menschen unmittelbar sehen können, was wir tun“, berichtet Ruppert. Dass eine Stiftung über Jahreserträge viel regelmäßiger arbeiten könne, haben viele Bürger jedoch noch nicht verinnerlicht. „Und derzeit in der Corona-Krise fehlen uns die großen Veranstaltungen in der Stadt, auf denen wir mit den Grevenbroichern ins Gespräch kommen könnten“, sagt Ruppert. So laufe derzeit viel über die guten Kontakte der bestens vernetzten Vorstands- und Kuratoriumsmitglieder wie Ursula Kwasny, Edith Aula oder Rita Krawinkel – die hier stellvertretend für viele weitere genannt werden.

Szenenwechsel zu den sieben Stiftungen der Sparkasse im Rhein-Kreis. Hier organisiert Abteilungsleiter Volker Meyerhöfer den Betrieb und ist in diesen Tagen damit beschäftigt, zahlreiche Telefonate zu führen. Denn die Stiftungen der Sparkasse fördern in zahlreichen Bereichen des öffentlichen Lebens – und da gilt es derzeit, das Überleben von Vereinen und Initiativen zu sichern. „Wenn wir einem Schützenfest Unterstützung zugesagt haben, werden wir die jetzt nicht zurückziehen, weil das Schützenfest abgesagt werden musste“, erläutert Mayerhöfer die Linie der Sparkassen-Stiftungen. Schließlich seien alle Vereine und Initiativen durch das Coronavirus gebeutelt und brauchten deshalb erst recht die Unterstützung.

Bundesweit haben die Sparkassen die Stiftungen als Stütze ihres Social Marketings erkannt. Ende 2019 gab es 754 Stiftungen, die über ein Stiftungskapital von 2,74 Milliarden Euro verfügten. Während die hiesige Caritas ihre Stiftung derzeit ruhen lässt, sehen die Sparkassen-Stiftungen kein Problem in den historisch niedrigen Zinsen. „Wenn sie da die Geldanlage möglichst breit halten, können auch derzeit noch gute Erträge erwirtschaftet werden“, sagt Mayerhöfer. Die Sache mit den niedrigen Zinsen relativiere sich schon deshalb, weil Stiftungsgelder meist langfristig angelegt seien. Momentan werde im Rhein-Kreis darüber nachgedacht, die besten Corona-Initiativen aus einem speziell zur Verfügung gestellten Topf zu bedenken – um Anerkennung zu zeigen.