1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Coronavirus: NRW-Gesundheitsminister Laumann verteilt Schutzmaterial im Rhein-Kreis

Coronavirus : Minister Laumann verteilt Schutzmaterial im Rhein-Kreis

Minister Karl-Josef Laumann war bei der Verteilung von Corona-Schutzausrüstung in Grevenbroich dabei. Handlungsbedarf sieht er bei Besuchsregelungen in Altenheimen, Bewohner müssten mehr Besuch erhalten können.

Auf Rollwagen wurden Kisten mit Nasen-Mund-Masken und Kanistern voller Desinfektionsmittel zu Transportern gerollt. Der Nachschub an Schutzausrüstung gegen das Corona-Virus rollt – mittlerweile. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann war am Donnerstag bei einer Verteilaktion vor dem Kreishaus in Grevenbroich dabei. 68.000 Schutzmasken aus Landeslieferungen wurden vom Krisenstab beim Kreis an Pflegeeinrichtungen und ambulante Pflegedienste verteilt.

„Vor acht Wochen hätten wir nicht gedacht, dass wir mit dem Material so gut auskommen. Die Pandemie hatte uns alle überrascht“, erklärte Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. In Kliniken im Land und anderen Einrichtungen fehlten Masken, im Privatbereich waren Online-Nähanleitungen für Nase-Mund-Masken Trumpf. Ende März konnte Minister Laumann zwar den Eingang von 800.000 Masken melden, doch damals wurden allein im Kreis Heinsberg 6000 Stück verbraucht – am Tag. Ein Problem: Die Beschaffungswege aus China und Indien waren zusammengebrochen, der Bedarf war weltweit immens.

Mittlerweile funktionieren wieder die Lieferketten. „Bislang haben wir Schutzausrüstung für eine halbe Milliarde Euro bestellt“ betont Laumann. 14,8 Millionen Schutzmasken, 13 Millionen OP-Masken, über 140.000 Schutzanzüge und -kittel sowie 138.000 Liter Desinfektionsmittel wurden bisher an die kommunalen Krisenstäbe verteilt. Wegen der hohen Nachfrage hätten Masken zeitweise sieben, acht Euro gekostet, „die vor der Pandemie für unter einen Euro zu haben waren“.

Wolfgang Lindgens von Leben und Wohnen holte Material ab. Foto: Carsten Sommerfekld/Carsten Sommerfeld

Mittlerweile seien auch deutsche Hersteller in die Produktion eingestiegen. Beispielsweise würden aus Mönchengladbach Schutzkittel kommen, „die gereinigt und mehrfach genutzt werden können“, erläutert Laumann, der den Blick auf die Zukunft richtete. Auch künftig sollte ein Teil der Produktion in Deutschland angesiedelt sein. Zudem müssten Bestände geschaffen werden, um bei einer zweiten Corona-Welle nicht vor dem gleichen Problem zu stehen wie am Anfang der Pandemie. Und: „Bis Covid-19 erledigt ist, möchte ich ein Lager für Schutzausrüstung haben“, betonte der NRW-Minister.

Handlungsbedarf sieht Karl-Josef Laumann bei den Besuchsregelungen für Seniorenheime, Angehörige müssten Bewohner mehr besuchen können. Die bisherigen Beschränkungen „halten wir nicht mehr lange durch. Ich erhalte jeden Tag viele Briefe von Angehörigen.“ Er habe aber auch Verständnis für die Sorge in den Heimen vor Infektionen. Ein Teil der jetzt zur Verfügung stehenden Schutzausrüstung könne künftig für Heimbesucher verwendet werden, um mehr Besuche, auch auf den Zimmern, zu ermöglichen.

Dominik Solander vom Seniorenpark Carpe Diem mit einer Lieferung. Foto: Carsten Sommerfeld

Das Verständnis der Angehörigen für die Beschränkungen nimmt ab“, stellt Dominik Solander, Leiter des Seniorenparks Carpe Diem in Rommerskirchen, fest. Er kam am Donnerstag, um eine Lieferung von Masken, Einweg-Handschuhen und Desinfektionsmitteln in Empfang zu nehmen. Am Anfang der Pandemie sei das Material knapp gewesen, „unser Träger hat dann selbst im Ausland bestellt“.

Behoben ist der Engpass auch bei der Gesellschaft Leben und Wohnen der Lebenshilfe Rhein-Kreis Neuss, die acht Wohnhäuser mit 200 Bewohnern, darunter drei in Grevenbroich, betreibt. Auch für die Lebenshilfe gab es jetzt einen Rollwagen mit Ausrüstung – zur Freude von Geschäftsführer Andreas Fortenbacher. „Am Anfang herrschte an Masken Mangel, zum Glück hatten die Varius-Werkstätten noch Bestände“, schildert er. Als es im Wohnhaus in Hochneukirch zu einer Serie von Infektionen bei neun Menschen gekommen sei, habe der Kreis mit Ausrüstung helfen können.