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Coronavirus in Grevenbroich: Im Dauereinsatz mit Desinfektionsmittel

Schädlingsbekämpfung in der Corona-Krise : Im Dauereinsatz mit Desinfektionsmitteln

Schädlingsbekämpfer Dirk Heyartz aus Elsen sagt dem Coronavirus den Kampf an. Seit Wochen bekommt er deutlich mehr Aufträge.

Dirk Heyartz kann sich in diesen Wochen und Monaten über eines nicht beklagen: zu wenig Arbeit. Der selbstständige Schädlingsbekämpfer hat spätestens seit Ausbruch der Corona-Krise deutlich mehr zu tun. Die Branche boomt – gerade auch wegen des Coronavirus.

„Wir haben gerade richtig viel Arbeit“, sagt der 52-Jährige. „Die Belastung ist momentan sehr hoch“, berichtet der Schädlingsbekämpfer aus seinem Alltag. Seine Schicht beginnt meist früh morgens ab sechs Uhr und endet gegen 19 oder 20 Uhr am Abend. Jeden Tag. Seit zwei Monaten. Hinzu kommen Dienste am Samstag. Die Auftragsreichweite ist dabei enorm. „Wir fahren bis zu 300 oder 400 Kilometer am Tag zwischen den Einsätzen hin und her“, erzählt Heyartz. Mit seiner Firma bedient er Kunden zwischen Dortmund und fast Koblenz.

Vor allem das Desinfizieren von Flächen sei derzeit stark nachgefragt. „Die Auftragslage ist um 50 Prozent gewachsen“, sagt der Elsener. Seine Firma desinfiziert Gebäude wie Schulen und Kitas oder Grundflächen von Lebensmittelgeschäften, aber auch Fahrzeuge, Rolltreppen, Einkaufswagen oder Griffe von öffentlichen Gebäuden. „Jeder ist vom Virus überfordert und vorsichtig“, mutmaßt Heyartz über die Gründe für die boomende Branche.

Bei der Desinfektion von großen Flächen – wie hier einer Sporthalle – kommen hochagressive und viruzide Mittel zum Einsatz. Foto: Heyartz

Bei den Einsätzen wenden Heyartz und seine Kollegen Mittel an, die viruzid sind. Diese speziellen Desinfektionsmittel sind nicht nur mit Alkohol angereichert, sondern mit anderen Zusatzstoffen. Bei Großflächen verwendet Heyartz zudem oft eine Schaumdesinfektion, bei dem ein weißer Teppich aus Schaum nach der Anwendung eine Zeit lang stehen bleibt. „Mit diesen Mitteln werden die Flächen bis zu 98 Prozent keimfrei“, erklärt der Schädlingsbekämpfer. „Nur einige resistente Keime oder Pilze überleben.“

Das Coronavirus zählt nicht zu diesen Überlebenden. Das hat einen Grund: „Corona ist zwar schwierig zu bekämpfen, aber mit den richtigen Mitteln gut in den Griff zu bekommen“, sagt Heyartz. Das Virus sei auf offenen Oberflächen nicht lange stabil. „Ein Virus muss immer einen Wirt haben, sonst überlebt er nicht“, sagt Heyartz. „Wenn man das versteht, dann kann man ihn auch besser bekämpfen.“

Wegen der Beschaffenheit von Corona sei sich der Schädlingsbekämpfer zwar nicht sicher, ob er wirklich dabei hilft, die Krise einzudämmen. Er sieht sich eher als stiller Helfer, der versucht, das Virus in den Griff zu bekommen, damit die Situation nicht ausartet. Heyartz hält indes andere Maßnahmen für viel effektiver: „Ich appelliere immer an die Leute, dass sie die Vorschriften einhalten. Abstand ist einfach alles.“ Die Angst, sich anzustecken, geht auch beim Schädlingsbekämpfer immer um. „Von meiner Arbeit kann ich aber nichts mit nach Hause bringen.“ Nach jedem Einsatz reinigt er sich und hat nach eigenen Angaben sehr viel Desinfektionsmittel am Körper – vor allem auf seinen Schuhen. Zudem trägt er immer Schutzkleidung, die je nach Einsatzort und eingesetzte Mittel variieren kann. „Ein Seniorenheim betrete ich ausschließlich in ganzer Montur, um die Bewohner zu schützen“, berichtet Dirk Heyartz. „Ich weiß ja nicht, was ich mit rein trage.“

Ein weiteres Problem, das den Schädlingsbekämpfer derzeit umtreibt: Haben Kindergärten, Schulen oder Gaststätten länger geschlossen, dann ist das eine Ruhestätte für Insekten und Nager. „Die Tiere fühlen sich dort sehr wohl, weil sie unter sich sind“, sagt Heyartz. „Sie vermehren sich stark und richten großen Schaden an.“ Schulen und Kindergärten, die derzeit nahezu verwaist sind, würden verstärkt von Nagern heimgesucht, die aus der Kanalisation kommen. Ihr Ziel: Die Mülltonnen, weil sie auf Nahrungssuche sind.

Es gibt aber auch Einsätze, die nicht mit dem Coronavirus in Verbindung gebracht werden können. „Zum Beispiel Küchen oder Großbäckereien lassen in regelmäßigen Abständen desinfizieren – wegen der Keimgefahr“, sagt der Schädlingsbekämpfer. Solche Arbeiten lässt der Betrieb auch in der Krise nicht links liegen. Womit klar wird: Über zu wenig Arbeit kann sich Dirk Heyartz wirklich nicht beklagen. Eher im Gegenteil.