Jürgen Möllemann beim FDP-Wahlkampf auf dem Dorfplatz / Interesse war gering: "Computer-Kenntnisse gehören zur Bildung wie Lesen und Schreiben"

Jürgen Möllemann beim FDP-Wahlkampf auf dem Dorfplatz / Interesse war gering : "Computer-Kenntnisse gehören zur Bildung wie Lesen und Schreiben"

Grevenbroich. Vor einigen Jahren war er mit dem Fallschirm in Grevenbroich gelandet, gestern kam FDP-Spitzenkandidat Jürgen Möllemann ganz "bodenständig" mit dem Auto, um Landtagskandidat Rudolf Wolf im Montanushof zu unterstützen. Die Atmosphäre auf dem Dorfplatz war recht familiär, nur etwa 20 Bürger hatten den Weg zur Wahlkampfveranstaltung gefunden.

Grevenbroich. Vor einigen Jahren war er mit dem Fallschirm in Grevenbroich gelandet, gestern kam FDP-Spitzenkandidat Jürgen Möllemann ganz "bodenständig" mit dem Auto, um Landtagskandidat Rudolf Wolf im Montanushof zu unterstützen. Die Atmosphäre auf dem Dorfplatz war recht familiär, nur etwa 20 Bürger hatten den Weg zur Wahlkampfveranstaltung gefunden.

Und als Möllemann sein "letztes Hemd für NRW" für einen guten Zweck hergab, fanden sich am Ende der amerikanischen Versteigerung gerade mal rund 70 Mark im Topf, die Summe wurde dann aufgerundet. Unter dem Hemd Möllemann zeigte sich ein blaugelbes T-Shirt mit dem Aufdruck "8 %", dem Ziel der Liberalen im Land: "Die FDP hat sich zum Ziel gesetzt, die Grünen als dritte Kraft im Landtag abzulösen."

Fünf Jahre hätten die Grünen gezeigt, was sie könnten - und "wir meinen, damit ist es genug". In allen wichtigen Fragen seien von Seiten der Grünen Blockaden errichtet worden. Aber auch gegen die Christdemokraten teilte Möllemann aus. "Die CDU holt nicht auf, Jürgen Rüttgers hat die falschen Themen und ist an den Rand geraten."

Angesichts der Koffer- und der Flugaffäre seien die Liberalen die Alternative für enttäuschte Wähler. Auch für die Menschen in der Region empfehle sich die FDP: Seine Partei trete für den Braunkohlebergbau ein, der im Gegensatz zum Abbau der Steinkohle nicht subventioniert werde. Den freien Demokraten besonders am Herzen liegt - als "Zukunftsaufgabe" und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit - die Bildungspolitik, die der Spitzen- und der Landtagskandidat mit Moderator Toni Eisermann in kleinem Zuhörer-Kreise erörterten.

"Wir brauchen kleinere Klassen, weniger Schulausfall und jüngere Lehrer", so warb Möllemann für eine "Ausbildungsoffensive". "Seit 15 Jahren schiebt das Land einen Berg von notwendigen Investionen vor sich her", ergänzte Rudolf Wolf. Die FDP fordert außerdem ein neues Dienst- und Besoldungsrecht, mit dem Lehrer Leistungsanreize erhalten sollten.

Darüber hinaus müssten - so Möllemann - Computer-Kenntnisse zur Schulbildung dazu gehören wie Lesen und Schreiben. In einem Crash-Kursus müssten deshalb in zwei bis drei Jahren sämtliche Lehrer im Land fit am PC gemacht werden, damit sie den Schülern Computer-Kenntnisse vermitteln könnten - und nicht umgekehrt.

Der FDP sei klar, dass eine solche Offensive Geld koste - Möllemann nannte gleich eine Quelle, woher das Geld kommen könnte: Der Bund nehme durch den Verkauf von Telekom-Anteilen und die Vergabe von Kommunikationslizenzen - unerwartet - hundert Millarden Mark ein. Die könnten für die Entschuldung, den Fernstraßenbau und für Wissenschaft und Bildung verwendet werden.

Aber auch andere liberale Schwerpunkt-Themen wurden angeschnitten: Die Bürger müssten außerhalb der Wahlen mehr und direktere Einfluss-Möglichkeiten erhalten. Möllemann hält in nicht ferner Zukunft einen Volksentscheid via Internet für denkbar: "In fünf Jahren verfügt jeder Haushalt über einen Internet-Anschluss."

Bei der Wirtschaftsförderung komme es vor allem auf die Unterstützung der kleineren und mittleren Unternehmen an, die im Gegensatz zu großen Unternehmen für neue Arbeitsplätze sorgten. "Wir dürfen den Unternehmen aber nicht etwa durch immer höhere Energiekosten das Leben schwer machen." cs

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