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Clemens Schelhaas aus Grevenbroich war dreimal Pilger auf dem Jakobsweg

Globetrotter aus Grevenbroich : Beim Jakobspilgern im Glauben gestärkt und Menschen begegnet

Clemens Schelhaas ist als Globetrotter und Fotograf in der Stadt bekannt. Vor Kurzem wagte er sich an seine körperlichen Grenzen und pilgerte über den Jakobsweg.

Die hochschwangere Maria und Joseph reisen in der Weihnachtsgeschichte von Nazareth nach Bethlehem, um sich dort in die Steuerlisten eintragen zu lassen. Eine direkte Verbindung zum Pilgern sieht der Grevenbroicher Clemens Schelhaas zwar nicht, dennoch war es dem 80-Jährigen bereits dreimal ein Anliegen, nach Santiago de Compostela zu reisen, um auf dem Weg in sich zu kehren. Doch es ist nicht nur das, wie der unternehmungslustige Senior betont. Während manche nach Gott oder sich selbst suchen, den Wunsch nach Vergebung oder der Heilung von Körper und Seele hegen oder die spirituelle Energie heiliger Orte spüren wollen, kommt es ihm auf etwas anderes an: „Was für mich zählt, sind die Begegnungen unterwegs.“

800 Kilometer ist er über den Camino, den Jakosbweg, gewandert, unterstützt von Nordic-Walking-Stöcken, die seitdem wieder im Keller verstaut sind. „Ich wusste, es wird eine sportliche Herausforderung, diesen Weg zu gehen. Deshalb habe ich zu Hause und auf meinen weiteren Reisen meine körperliche und mentale Fitness trainiert“, sagt der Weltenbummler, der schon 1956 zum Beispiel nach Griechenland gereist ist. „Das war damals ein echtes Abenteuer. Heute habe ich viel Routine gewonnen.“ Denn gerade den Weg selbst mit all seinen Beschwernissen zu gehen, mache nicht zuletzt das Pilgererlebnis aus.

Er bezeichnet sich selbst als praktizierenden Katholiken, besucht beinahe jeden Sonntag die Messe in seiner Grevenbroicher Gemeinde. Dennoch war er auch von den Messen auf seiner Pilgerreise tief bewegt: „Man geht einen Tag zusammen, trennt sich und trifft sich auf dem Vorplatz einer Kapelle wieder, mit Tränen in den Augen. Das ist etwas ganz Emotionales. Ebenso wie die deutsche Messe in der Seitenkapelle der Kathedrale von Santiago.“

Von 1976 bis zu seiner Pensionierung 1998 war Clemens Schelhaas Leiter des Medienzentrums des Rhein-Kreises Neuss. Bereits in dieser Funktion war das Medium Fotografie für ihn prägend und mitbestimmend. Kein Wunder also, dass er seine Abenteuerreisen, die ihn seit seiner Jugend nach Europa, Nordafrika oder in den Vorderen Orient führten, auf diese Weise festhielt. Sein Spezialgebiet Asien und die Himalaya-Region hat er insgesamt 23 mal besucht; allein 15 Touren führten ihn in die Bergwelt Nepals. Er entdeckte auch seine Liebe zum Kaukasus und den Staaten entlang der uralten Handelsroute, der „Seidenstraße“. Er reist zu Fuß, etwa wenn er pilgert, mit dem Motorrad, dem Fahrrad oder mit lokalen Verkehrsmitteln. Er berichtete immer wieder in Vorträgen über seine Reiseerlebnisse und organisierte zahlreiche Ausstellungen. Im Mittelpunkt seiner Reisen stehen aber Begegnungen mit Menschen. Es gelang ihm, viele dieser Momente im Bild festzuhalten und in seinen Ausstellungen im Museum der niederrheinischen Seele zu vermitteln.

Die anrührenden Fotos sind dabei weit mehr als bloße Erinnerungsstücke. Vielmehr transportieren sie Erlebnisse, Gedanken, Momente, die sich fest in das Herz des Globetrotters eingebrannt haben. „Zu einigen Menschen, denen ich auf meinen Reisen und auch auf dem Jakobsweg begegnet bin, habe ich noch heute engen Kontakt“, sagt Schelhaas. Die Pilgerwanderung habe ihn jedoch in seinem Glauben nicht verändert – eher bestärkt. „Wie sich Maria und Joseph einst gefühlt haben, vermag ich dennoch nicht nachzuvollziehen. Schließlich war ich bei meiner Wanderung nicht in Not. Maria und Joseph sind ja in die Ungewissheit gegangen, während ich mich auskannte und mit ausreichend Geld versorgt war.“