Grevenbroich: City-Schützen ohne Kronprinz

Grevenbroich : City-Schützen ohne Kronprinz

Das hat es in 63 Jahren noch nicht gegeben: Erstmals fehlt dem Bürgerschützenverein ein Bewerber für das Königsamt. Fürs heutige Vogelschießen hat sich niemand gemeldet. "Ein Alptraum", sagt BSV-Sprecher Peter Eysen.

Mit Axel und Kristina Holzhausen hat der BSV ein junges Königspaar, das den Verein zum 700-jährigen Bestehen der Stadt Grevenbroich repräsentiert. Doch wer wird Nachfolger der beiden Regenten? "Wir wissen es nicht", erklärt BSV-Sprecher Peter Eysen: "Bisher hat sich noch niemand gemeldet, der 2012 das Königsamt übernehmen möchte." Heute um 18.30 Uhr sollen die Aspiranten zum Vogelschießen antreten. Doch Eysen glaubt nicht mehr an Bewerber in letzter Minute: "Diese Hoffnung habe ich aufgegeben. Wir rechnen allen Ernstes damit, dass unser Alptraum wahr wird."

Ein Schützenfest ohne Königspaar? Undenkbar! Der Vorstand um Präsident Dr. Peter Cremerius sucht bereits seit Monaten händeringend nach einem Kronprinzen. Zuletzt hatte die Vereinsführung in einem "dringenden Appell" jeden der 800 Stadtmitte-Schützen aufgefordert, die Regentenwürde zu übernehmen — vergeblich.

Auch das Königspaar Holzhausen wandte sich zwischenzeitlich per Mail an die Marschierer aus 80 Zügen: "Was wäre ein Schützenfest ohne Königspaar? Eine Parade vor einer leeren Tribüne wäre ein trauriger Anblick, nicht nur für uns Schützen, sondern auch für die Besucher", heißt es in dem Schreiben.

Aber auch mit handfesten Argumenten versuchen Axel und Kristina Holzhausen, das Interesse für das Amt zu wecken. So werde ein Teil des benötigten finanziellen Budgets durch den BSV getragen — und: "Auch der zeitliche Aufwand kann in Grenzen gehalten werden. Die Besuche der befreundeten Vereine sind zwar erwünscht, aber dennoch auf freiwilliger Basis."

Peter Eysen teilt diese Auffassung: "Ich nenne keine Zahlen, aber nach Meinung des Vorstandes ist das Königsspiel bezahlbar — je nachdem, wie es ausgestaltet wird. Es muss nicht unbedingt eine Residenz gebaut oder ein Sommerfest veranstaltet werden", meint der BSV-Sprecher. Aber auch die zeitliche Komponente wäre überschaubar: "Man sollte natürlich auch ein wenig Freude daran haben, die Pflicht-Termine, die eigentlich Spaß-Termine sind, wahrzunehmen", räumt er ein. Aus dem geschäftsführenden Vorstand, so signalisiert Eysen, werde sich wohl niemand für das hohe Amt zur Verfügung stellen: "Denn alle Mitglieder waren schon Schützenkönig."

Was wäre, wenn sich tatsächlich kein Bewerber finden würde? "Dann sind neue Wege gefragt — etwa eine Oberst- statt einer Königsparade", meint Peter Eysen. Dies sei jedoch ganz klar ein Verlust an Attraktivität für das große City-Schützenfest: "Viele Frauen kommen doch nur zu den Umzügen, um das Kleid der Königin zu sehen."

Für Regimentschef Joachim Schwedhelm ist es undenkbar, den heutigen Tag ohne 21 Salutschüsse zu beenden. Sein Appell: "Ich bitte diejenigen, die doch vielleicht den Gedanken an das Königsspiel im Herzen tragen: Gebt euch einen Ruck und verschiebt es nicht bis auf den Sankt Nimmerleinstag."

(NGZ)
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