Grevenbroich: City: Barrieren sollen fallen

Grevenbroich: City: Barrieren sollen fallen

Zu hohe Bordsteine, zu kurze Ampelphasen – behinderte Menschen stehen oft vor Hindernissen. Das soll sich ändern. Die Stadt will viele Fußgängerüberwege barrierefrei machen. In Kapellen entsteht eine Musteranlage.

Eine zwölf Zentimeter hohe Bordsteinkante kann eine enorme Hürde sein. Charlotte Häke kennt solche Probleme, die 52-Jährige ist Behindertenbeauftragte der Stadt – und sie ist selbst gehbehindert. "In der Innenstadt muss viel geschehen", sagt sie. "Per Gesetz ist vorgeschrieben, dass grundsätzlich alle Bereiche des Lebens barrierefrei erreichbar sind – ohne fremde Hilfe. Das gilt für Rollstuhlfahrer, Blinde und Menschen mit anderen Behinderungen gleichermaßen", so Häke. "Insgesamt leben rund 10 000 behinderte Menschen in Grevenbroich. Aber bislang haben wir in der City noch keine barrierefreien Überwege."

Das soll sich bald ändern. Der Bauausschuss gab einstimmig grünes Licht für ein Programm zur Schaffung barrierefreier Überwege – 100 000 Euro aus dem Konjunkturpaket II machen es möglich. Die Verwaltung hat in Kooperation mit der Behindertenbeauftragten ein Konzept erstellt. Allein in der City sollen an rund 20 Stellen vom Bahnhof bis zur Lindenstraße, etwa an Kreuzungen und Kreiseln, barrierefreie Überwege entstehen. Wie das aussieht, ist als erstes aber an der Talstraße in Kapellen zu sehen: "Wir planen dort eine Musterabsenkung im Rahmen des Baus der Park-and-Ride-Anlage", erklärt Bauingenieurin Jeanette Vrijaldenhoven-Schmitz im Rathaus. Die Arbeiten sollen in wenigen Tagen beginnen. "Bei der Gestaltung orientieren wir uns an einem Leitfaden des Landesbetriebs Straßen NRW."

Die Besonderheit: Der Muster-Überweg erhält getrennte Bereiche für Seh- und Gehbehinderte. "Sehbehinderte brauchen eine klare Trennung zwischen Fahrbahn und Bürgersteig", so die Bauingenieurin. "Aufmerksamkeitsstreifen" mit Noppenplatten quer über dem Bürgersteig leiten Blinde zum drei Zentimeter hohen Tastbordstein. Daneben liegt für Rollstuhlfahrer ein abgesenkter Stein, davon profitieren auch Senioren mit Rollatoren.

Bewährt sich diese Lösung, soll sie an anderen Stellen angewendet werden, die Kosten je Überweg schätzt die Stadt auf 2500 bis 3000 Euro. Als erstes ist der Ausbau in der City auf der Lindenstraße, dem Ostwall, der Breite Straße, Kölner Straße und Bahnstraße vorgesehen, Teilweise sind dort die Ampeln bereits mit akustischen Hilfen für Sehbehinderte versehen.Danach sind etwa die Wege von den Seniorenheimen in die City an der Reihe.

"Der Ausschuss legt Wert darauf, dass auch Überwege in den Stadtteilen umgebaut werden", betont Vorsitzender Wolfgang Latzel (CDU). Die Verwaltung plant Umbauten etwa in Wevelinghoven an vier Straßen, in Frimmersdorf, Kapellen und in Höhe des Ärztehauses in Hemmerden.

(NGZ)