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Ceylan Er aus Grevenbroich: "Sportvereine müssen neue Projekte wagen“

Ceylan Er ist Sportausschussvorsitzender in Grevenbroich : „Sportvereine müssen neue Projekte wagen“

Wir stellen den „Neuen“ an der Spitze des Sportausschusses in der Stadt Grevenbroich vor. Ein Thema, das Ceylan Er sehr am Herzen liegt: die Förderung von Kindern.

Herr Er, diesen Dienstag steht die nächste Sitzung des Sportausschusses an. Es ist die dritte, die Sie als Vorsitzender leiten. Haben Sie sich in der Position schon eingelebt?

Ceylan Er Ja. Ich war ja seit 2014 beratendes Mitglied. Und ich habe mit Rosemarie Cremer eine gute Mentorin gehabt, von der ich in den sechs Jahren viel lernen konnte. Wir stehen nach wie vor im engen Kontakt – und ich bekomme immer mal wieder Lob, auch aus den Fraktionen.

Sie sind seit einiger Zeit auch stellvertretender Vorsitzender im Stadt-Sportverband. Was motiviert Sie, sich politisch für den Sport in Grevenbroich einzusetzen?

Er Da muss ich etwas ausholen. Mit neun Jahren habe ich meine Karriere als Sportler beim 1. FC Süd begonnen. Seitdem bin ich dem Sport verbunden: bis zum 31. Lebensjahr als Spieler, anschließend auf der Trainerbank beziehungsweise im Vorstand, und jetzt als Funktionär. Ich finde: Sport hat eine große gesellschaftliche Bedeutung. Er schlägt Brücken zwischen den Menschen – und ist die schnellste und einfachste Form für die Integration. Politisch möchte ich mich engagieren, weil es immer leicht ist, sich über Dinge aufzuregen. Aber wie sagt man hier im Rheinland doch so gerne: „Net kalle – donn!“ Aber man sollte selbst schauen, dass man die Energie und die Motivation aufbringt, etwas zu verändern. Und genau das möchte ich.

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Als Ausschussvorsitzender sind Sie ja eine Art „Schiri“ im Bernardussaal. Auf was achten Sie da genau?

Er Ich sehe mich in erster Linie als ein Bindeglied zwischen Verwaltung und den Sportvereinen. Im Sportausschuss versuchen wir fraktionsübergreifend, immer das Beste für den Sport in Grevenbroich herauszuholen. Es gibt da keine Blockbildung à la Koalition oder Opposition. Im Gegensatz zu vielen anderen Ausschüssen ist es bei uns wie im Paradies. (lacht)

Ein Schiedsrichter auf dem Spielfeld sollte unparteiisch sein. Als Ratsherr ist es klar, dass Sie einer Partei angehören. Sie sind überzeugter Sozialdemokrat. Warum?

Er Mein großes Vorbild in der Politik war immer Willy Brandt. Ich bewundere ihn für seine kluge Deeskalationspolitik zwischen Ost und West. Aber es gibt noch einen Grund, warum ich in der SPD bin: Die Partei steht aus meiner Sicht am ehesten für soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Ich komme selbst aus einer Arbeiterfamilie. Die soziale Stellung sollte bei der Bildung keine Rolle spielen – und auch nicht beim Sport.

Mal losgelöst von der SPD: Treiben Sie denn heute auch noch Sport?

Er Ich habe früher viel Fußball gespielt. Mittlerweile kann ich leider nicht mehr so viel Sport treiben, weil andere Aufgaben auf mich warten und es meine Knie nicht mehr so erlauben. Ich gehe aber jeden Tag walken und mache jährlich das Sportabzeichen. Und darüber hinaus bin ich am Wochenende oft auf lokalen Sportanlagen unterwegs: egal ob Basketball, Handball oder Fußball...

Na also! Borussia oder FC?

Er Dann eher Borussia. (lacht)

Zurück nach Grevenbroich: Was ist Ihnen denn bei Ihrem Engagement für die Sportwelt hier besonders wichtig?

Er Nach der langen Zeit der Lockdowns gilt es jetzt, vor allem Kinder und Jugendliche zu fördern. Viele Kinder, die mit der Grundschule fertig sind, können nicht richtig schwimmen. Schon Kita-Kinder haben heute oft motorische Störungen oder leiden an Übergewicht. Das sind Punkte, an denen ich ansetzen möchte. Wir müssen gucken, dass wir Kinder in Bewegung kriegen.

Wie könnte das gelingen?

Er Das Wasserflächenmanagement in Grevenbroich kann verbessert werden. Das ist zurzeit alles andere als ideal. Wir brauchen zudem noch mehr Intensivkurse. Die Stadt muss eine Lösung finden, das voranzutreiben. Außerdem sollte es an den Grundschulen Motorik-Tests geben. Eltern sollten Empfehlungen erhalten, welche Sportart für ihr Kind geeignet wäre.

Sie selbst wollen Kinder mit der Vergabe von Mini-Sportabzeichen dafür begeistern, sich zu bewegen. Was ist das genau für ein Projekt?

Er Viele Kita-Kinder waren noch nie auf einem Sportplatz, auch bedingt durch Corona. Beim Mini-Sportabzeichen versuche ich, sie spielerisch für den Sport zu begeistern. Es geht darum, Leistung zu erbringen und dafür belohnt zu werden. Das ist mein Steckenpferd, das gut angelaufen ist – jetzt etwa an der Kita am Hartmannweg. Das möchte ich in den nächsten Monaten weiterführen, gerne auch an anderen Kitas.

Die Pandemie hat viel kaputtgemacht. Es gibt Vereine, die über Mitgliederschwund klagen, die ihre Aktivitäten weitgehend herunterfahren mussten. Was muss aus Ihrer Sicht getan werden, um das Sportleben in Grevenbroich grundsätzlich wieder anzukurbeln, auch im Bereich der Erwachsenen?

Er Sportvereine müssen jetzt neue Wege gehen und Projekte wagen. Möglich wäre es in meinen Augen zum Beispiel, einen „Tag des Sports“ zu veranstalten, an dem sich alle Vereine beteiligen. Wichtig ist auch, dass sie sich so bald wie möglich wieder bei City-Festen präsentieren.

Die Stadt hat in den vergangenen Monaten mehrere Sportanlagen angepackt und modernisiert. Würden Sie sagen, dass 2021 vor diesem Hintergrund ein gutes Jahr für den Sport war?

Er Vor diesem Hintergrund ja. Trotz der Haushaltslage ist es gelungen, den Investitionsstau zu beheben. Da denke ich unter anderem an die Sanierung der Vereinsgebäude in Neukirchen und Kapellen, den gerade fertiggestellten Kunstrasenplatz in Neuenhausen oder die Investitionen in die Sportanlagen in Neurath. All diese Projekte sind sehr wichtig. Daher haben wir im Haushalt für 2021 insgesamt 3,8 Millionen Euro dafür bereitgestellt.

Gibt es Stellen, an denen Sie noch Handlungsbedarf sehen?

Er Unbedingt am Schlossbad...

...Aber das ist doch neu!

Er Ja, aber die Außenanlage ist noch immer ein Thema. Da gibt es bislang ja nur eine Liegewiese.

Wobei ja kürzlich Pläne für die Wiese vorgestellt wurden.

Er Nach vielen Diskussionen hat der Betreiber im letzten Sportausschuss einen passablen Lösungsvorschlag geliefert. Es ist jetzt gelungen, ein attraktives Programm für Kinder auf die Beine zu stellen. Für Jugendliche und Erwachsene wird es zunächst eine Sportbox für Fitness im Freien geben. Zudem sind temporäre Aktionen und Events für die Sommermonate geplant, wie zum Beispiel eine Kletterwand. So könnten die Kundenfrequenz erhöht und Besucher aus Nachbarkommunen zu uns gelockt werden.

Ihre Ratskollegin Heike Troles von der CDU sieht großes Potenzial im Schlossstadion. Sie auch?

Er Nicht wirklich. Bei der Frage, ob es gar als eine Art Olympia-Trainingsstützpunkt genutzt werden könnte, bin ich anderer Meinung. Da sollte man die Kirche im Dorf lassen. Im Rhein-Kreis Neuss haben wir mit Dormagen bereits eine Anlage, die internationalen Standards entspricht und als Leistungs- oder Olympia-Stützpunkt geeignet wäre. Einen Konkurrenzkampf zwischen Dormagen und Grevenbroich würde auch der Kreis nicht unterstützen. Abgesehen von den finanziellen Ausgaben, die auf uns zukämen. Wir sprechen von zweistelligen Millionenbeiträgen. Das ist schlicht nicht realistisch.

Olympia ist ja ohnehin Zukunftsmusik. Eine andere Zukunftsfrage: Wie würde die Sportlandschaft in Grevenbroich aus Ihrer Sicht in fünf Jahren idealerweise aussehen?

Er Das ist ein Blick in die Glaskugel! Wenn alle großen Maßnahmen, die wir jetzt vorantreiben, abgeschlossen sind, werden wir hoffentlich neue Trend-Sportarten etablieren. Ich denke da an Calisthenics-Parks für Jugendliche und Erwachsene. Und ich hoffe auf mehr Sportboxen, in denen Geräte lagern, mit denen man trainieren kann. Wünschenswert wäre es, dass sich auch das Projekt „Sport am Museum“ etabliert und Vereine allgemein einen Mitglieder-Boom erleben.