Carl Oberbach – Grevenbroicher Chronist in Wort und Bild

Grevenbroicher Zeitgeschichte : Carl Oberbach – Chronist in Wort und Bild

In etlichen Bildern hat er das alte Grevenbroich festgehalten, und seine Familien-Chronik ist eine spannende Lektüre über 30 Jahre Stadt- und Weltgeschichte. Vor 150 Jahren wurde Carl Oberbach geboren, eine Straße erinnert an ihn.

Mit einem Bild des Grevenbroicher Schlosses im Schnee ist er in der Dauerausstellung des Museums der Niederrheinischen Seele vertreten – und das ist beileibe nicht das Einzige, das von seinem Wirken in der Stadt zeugt. Vor 150 Jahren – 1869 – wurde Carl Oberbach an der Breite Straße geboren, vor 80 Jahren starb er. Die Karl-Oberbach-Straße in der Innenstadt erinnert an ihn, allerdings mit „K“ statt des „C“ im Vornamen.

„Carl Oberbach hat als Maler und Chronist eine besondere Bedeutung für die Stadt“, würdigt Museumsleiter Thomas Wolff. „Er war künstlerisch begabt, wäre gern von Beruf Maler geworden.“ Doch die Familie musste ernährt werden. Als „Beamter“ in der Maschinenfabrik Grevenbroich hatte Oberbach eine leitende Position, war finanziell gut gestellt. In seiner Freizeit malte und zeichnete er Verwandte, Bekannte und immer wieder Ansichten von Grevenbroich. Viele verkaufte er. Etliche haben im Privatbesitz überdauert.

Carl Oberbach war aber auch musikalisch begabt und vielseitig interessiert. Als einer der ersten Grevenbroicher schaffte er sich ein im 19. Jahrhundert in Mode gekommenes Hochrad an. Vom Radio bis zum Auto war er Neuem gegenüber aufgeschlossen. 14 Jahre engagierte Oberbach sich im Grevenbroicher Rat.

Ein Selbstporträt von Carl Oberbach mit etwa 24 Jahren, eine der zahlreichen Illustrationen im Chronik-Band. Foto: Andreas Woitschützke

Ein ganz anderes Projekt startete er 1906, als er die ersten Zeilen für die „Chronik der Familie Oberbach“ aufs Papier brachte. Was mit Jugenderinnerungen und der Beschreibung der Familiengeschehnisse begann, wurde zu einem wertvollen Zeugnis der Stadtgeschichte. Immer mehr blickte Oberbach bei seinen Schilderungen über das familiäre Umfeld hinaus. Der Mittvierziger schrieb über die Pferdemusterung 1914 beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges, die durch die Stadt zur Front ziehenden Truppen. „Fast jeder Tag bringt Siegesnachrichten – dann Fahnen heraus und geböllert!“ Oberbach regte ein Stadtwappen zum Nageln an, jeder Nagel brachte einige Pfennige für Kriegsanstrengungen. Doch bald wich die Zuversicht den Sorgen und der Kritik. Oberbach schilderte die Lebensmittelknappheit – „Fette und Butter werden immer seltener“ –, notierte er die ständig steigenden Preise in Mark und Pfennig, berichtete von Wucher und zunehmend schlechter Stimmung. Nach Kriegsende wurden im Haus der Familie belgische und französische Soldaten – mehr als ein Dutzend – einquartiert.

Oberbach schrieb weiter. Nach dreijähriger Unterbrechung wegen eines Augenleidens griff er 1935 wieder zum Stift. Heftige Kritik galt den Nationalsozialisten. „Ich sehnte mich nach einem Mann, der überall aufräumte, aber die jetzige Diktatur ist unerträglich“, erklärte er. „Die kleinste Gesetzes-Übertretung eines nicht der Partei zugehörenden Bürgers wurde breitgetreten, die Verbrechen der NSDAP-Herren wurden totgeschwiegen.“ Und nach der Pogromnacht 1938 notierte er unter anderem: „Das ganze Ausland ist empört.“ Ein Jahr vor seinem Tod beendete er die Chronik, die Zerstörungen in seiner Stadt im Zweiten Weltkrieg erlebte er nicht mehr. Der Geschichtsverein hat die Chronik mit vielen Illustrationen des Autors 1991 im Rahmen der „Beiträge zur Geschichte der Stadt Grevenbroich“ veröffentlicht.

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