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Grevenbroich: Cafés statt Stammkneipen

Grevenbroich : Cafés statt Stammkneipen

Bier und Frikadellen: Damit lockt man auch in Grevenbroich keine Gäste mehr von der Couch. Die klassische Kneipe stirbt aus, in der Innenstadt, aber auch in den Stadtteilen. Aktuelles Beispiel: Das "Flönz" wird Modegeschäft.

"Die kleine Kneipe in unserer Straße", besang Peter Alexander. Wer sie heute in Grevebroich sucht, stellt fest: Die kleine Kneipe verschwindet. Das bestätigt Stadtmarketing-Manager Robert Jordan: "Es gibt kaum noch Stammkneipen, auch in den Stadtteilen. Heute trinken immer mehr Menschen ihr Bier auf dem eigenen Sofa." Wenn sie es denn überhaupt trinken: Statt Zapfhähne würden Milchaufschäumer aufgedreht: "Die moderne Kaffeehaus-Kultur boomt", sagt Rainer Spenke vom Gaststätten-Verband Dehoga, zuständig für den Rhein-Kreis Neuss. Für viele Wirte lohne sich das Angebot "Bier ohne Beilage" nicht mehr. Sie würden kämpfen — oder sich neu orientieren. Frei werdende Lokale werden neu genutzt wie etwa das "Flönz". Hier eröffnet das Modegeschäft "Tredy".

Insgesamt 145 Hotels, Cafés, Restaurants und Kneipen (Gaststätten ohne Speiseangebot) gibt es derzeit in Grevenbroich. Das Angebot verschiebt sich: "Die typische Kneipe ist auf dem Rückzug — das beo-bachte ich seit 30 Jahren", erläutert Spenke. Ein Grund: Mit Bier, Limonade und Wasser sind die Gewinnaussichten begrenzt. "Pro Jahr durchschnittlich 140 000 Euro plus Mehrwertsteuer" seien in den Umsatzsteuertabellen für Kneipen zu verzeichnen, dazu gehören laut Spenke "kleine und große Betriebe". Umsatzeinbußen von zehn Prozent könnten da bereits die Existenz bedrohen — zusätzlich zu Problemen, die viele Gastwirte mit dem Rauchergesetz hätten.

"Bierbrunnen", "Zille", "Flönz" — das waren beliebte Grevenbroicher Kneipen. Heute sind sie Geschichte. "Eine Nische als Musikkneipe hat sich das "Hansa' gesichert", sagt Jordan. Auch das "Flönz" habe man versucht durch Veranstaltungen und Afterwork-Partys zu beleben — ohne Erfolg.

Am kommenden Donnerstag beginnt an der Kölner Straße 33 ein neues Kapitel: Der Modefilialist "Tredy Fashion" mit Hauptsitz in Viersen eröffnet auf hundert Quadratmetern seine Filiale. "Grevenbroich war einer unserer Wunschstandorte", sagt Disponentin Bianca Burken. Drei Mitarbeiter und einige Aushilfen würden sich um die Zielgruppe — Damen ab 30, die schicke, verspielt-sportliche Mode bis Größe 46 wollen, kümmern.

Und die Gastronomie? "Die Wirte brauchen Alleinstellungsmerkmale", sagt Rainer Spenke, "durch Ambiente, Speisen oder Musik": "Die Gäste müssten einen Anreiz haben, zu kommen. Dazu gehöre ein Speisenangebot über den ganzen Tag.

(NGZ)