Grevenbroich: Bus wollte Rollstuhlfahrerin stehen lassen

Grevenbroich: Bus wollte Rollstuhlfahrerin stehen lassen

Eine 46 Jahre alte Orkenerin mit Elektro-Rollstuhl beklagt, dass ein Busfahrer sie nicht mitnehmen wollte. Rheinlandbus sieht Probleme beim Transport schwerer Fahrzeuge – zurzeit sollten alle Rollstuhlfahrer aber mitfahren können.

Eine 46 Jahre alte Orkenerin mit Elektro-Rollstuhl beklagt, dass ein Busfahrer sie nicht mitnehmen wollte. Rheinlandbus sieht Probleme beim Transport schwerer Fahrzeuge — zurzeit sollten alle Rollstuhlfahrer aber mitfahren können.

Heike Schleginski war fassungslos. "Ich fühlte mich wie ein Mensch zweiter Klasse", sagt die Orkenerin, die eigentlich nur etwas Alltägliches wollte: Busfahren. Seit drei Jahren ist die 46-Jährige auf den Rollstuhl angewiesen — und für weitere Strecken auf Linienbusse. Bislang kein Problem, doch jetzt sollte sie draußen bleiben: "Ich wollte mit der Linie 871 zum Arzt in Rommerskirchen. Doch an der Haltestelle am Ostwall sagte der Fahrer mir, er habe die Anweisung, dass er keine Fahrgäste mit Elektro-Rollstühlen mitnehmen dürfe", schildert sie. "Mir kamen die Tränen, ich will doch meine Mobilität erhalten."

Heike Schleginski konnte doch noch ihren Termin wahrnehmen. "Andere Fahrgäste schalteten sich ein und sagten zum Fahrer: ,Nehmen Sie doch die Frau mit'." Der Fahrer habe daraufhin erklärt, dass er eine Ausnahme mache, "und ich konnte mit Hilfe der Rampe am hinteren Eingang einsteigen". Ihr Fahrtproblem war gelöst, doch sie sagt: "Anderen kann das gleiche passieren." Tatsächlich ist ihr Erlebnis kein Einzelfall: Vor sechs Wochen lehnte in Dormagen ein Busfahrer die Mitnahme einer Frau mit elektrobetriebenem Rollstuhl ab. Sie blieb an der Haltestelle stehen.

"Wir hatten für eine Zeit die Anweisung erteilt, dass Fahrgäste mit Elektro-Scootern — Elektrorollstühle mit Lenker — oder Rollstühlen mit Versicherungskennzeichen nicht mitgenomen werden dürfen", erklärt Uwe Schröder , stellvertretender Marktbereichsleiter bei DB Bahn Rheinlandbus in Düsseldorf. Das Unternehmen betreibt die Regionalbuslinie 871, mit den Fahrten werden Subunternehmen beauftragt.

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"Diese Rollstühle sind so groß und schwer, dass sie zur Sicherheit aller Fahrgäste im Bus besonders gesichert werden müssen — etwa für den Fall einer Vollbremsung. Das aber können wir nicht gewährleisten", so Schröder. Nach dieser Anweisung habe es Kritik von Betroffenen und Behindertenverbänden gegeben. "Wir haben daraufhin am 12. September die Anweisung ausgesetzt. Das heißt: Wir nehmen alle Rollstuhlfahrer mit — bis zur endgültigen Klärung der Frage."

Geplant sei ein Runder Tisch, bei dem Vertreter des Verbandes deutscher Verkehrsunternehmen, der Hersteller sowie der Verkehrsbetriebe eine Lösung suchen. Als Heike Schleginski draußen bleiben sollte, galt die Anweisung aber längst nicht mehr — zudem trägt ihr Rollstuhl kein Versicherungskennzeichen und ist kein Scooter.

"Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeit", sagt Schröder, vermutlich sei der Fahrer nicht ausreichend informiert gewesen. "Wir werden das mit dem Auftragunternehmer klären. Selbstverständlich wollen wir auch Menschen mitnehmen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind." Ein anderes Hindernis: Nicht alle Busse verfügen über Niederflurtechnik. "Es besteht aber die Möglichkeit, dass ein Fahrgast mit Rollstuhl seine Fahrt unter der Telefonnummer 0211 169900 anmeldet. Wir bemühen uns, auf diesem Kurs einen Niederflurbus einsetzen", erklärt Uwe Schröder.

(NGZ)
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