Justiziar: Ehrenamt wird immer schwieriger Justiziar: Ehrenamt wird immer schwieriger Justiziar: Ehrenamt wird immer schwieriger Justiziar: Ehrenamt wird immer schwieriger Justiziar: Ehrenamt wird immer schwieriger Justiziar: Ehrenamt wird immer schwieriger Justiziar: Ehrenamt wird immer schwieriger Justiziar: Ehrenamt wird immer schwieriger Schützenfest in Grevenbroich 2018: Justiziar: Ehrenamt wird immer schwieriger

Schützenfest in Grevenbroich : Ehrenamt wird immer schwieriger

Peter Wingerath ist der neue Justiziar im Bürgerschützenverein Grevenbroich. Die Datenschutz-Grundverordnung bescherte ihm viele Stunden Arbeit. Deutschland, so meint der 54-Jährige, sei überfrachtet mit Vorschriften.

Am 25. Mai traten die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sowie das ergänzende Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) in Kraft. Damit verbunden sind Veränderungen der Rechtslage im Bereich des Datenschutzes, die auch von Vereinen und Verbänden beachtet werden müssen. Einer, der sich quasi von Berufs wegen tief in die Materie eingearbeitet hat, ist Peter Wingerath, seit Februar Justiziar des Bürgerschützenvereins Grevenbroich. Der 54-jährige ist nicht nur seit 38 Jahren Schütze, sondern gleichzeitig auch Fachanwalt für Straf-, Jugendstraf- und Bankrecht.

„Ich habe mich nicht lange bitten lassen, das Amt zu übernehmen. Es schränkt mich ja nicht beim Feiern ein“, so Wingerath. „Ich habe diesen Aufwand nicht nur für den Bürgerschützenverein betrieben, sondern auch für den Jagdhundegebrauchsverband, dem 100 Vereine mit rund 30.000 Mitgliedern angehören.“ Grundlegend ändert sich zunächst einmal nichts für das Schützenwesen, da auch bisher schon in Deutschland ein hohes Datenschutzniveau existiert hat – es gibt aber allerdings einen höheren Aufwand bei Informations- und Dokumentationspflichten.

„Was in der Praxis als zusätzliche Belastung zum Ehrenamt wahrgenommen wird, dient in der Praxis dem Ziel, die betroffenen Personen zu schützen“, sagt der Justiziar. Und er hat mehr als 100 Stunden investiert, um Rechtsmaterialien aufzuarbeiten und die Datenschutzhinweise für jeden verständlich auszuformulieren. Dazu hat er auch mit Nicht-Juristen zusammengearbeitet. „Mit der DSGVO wollte man dem Abverkauf von Daten durch Unternehmen oder Internet-Plattformen europaweit begegnen. Der Nachteil: Alle Länder müssen sich einfinden und feststellen, was im Einzelfall konkret gewollt ist.“

Mit Ablauf der Schonfrist am 25. Mai gab es nichts, woran sich ein Schützenverein orientieren konnte. „Vereine haben ganz andere Schwerpunkte. Sie verfolgen ideelle Zwecke und stehen in keiner Konkurrenzsituation. Für uns galt es, die Frage zu klären: Inwieweit können wir unsere Daten für Vereinszwecke nutzen?“ Zum Beispiel greife der BSV auch auf die Daten von Verstorbenen zurück, um Traditionen zu pflegen. „Wir haben rund 1000 Mitglieder. Von jedem eine Genehmigung einzuholen, ist illusorisch. Wir wollen die Daten schützen, aber nicht einzelne Mitglieder ausschließen, weil sie es versäumt haben, eine Einverständniserklärung zu unterschreiben.“

Peter Wingerath entschied sich für die Variante „Datenschutz auf einen Blick“ und veröffentlichte neben der Verordnung und der Information, welche Daten für welche Zwecke genutzt werden, auch das Datenverwaltungsverzeichnis. „Das muss man nicht, das ist aber transparenter. Außerdem läuft man in einem Fließtext eher Gefahr, Fakten aufzuführen, die überholt sind“, sagt der 54-Jährige. Er bevorzugt den sicheren Weg, indem sich der Verein an die Vorgaben der Behörden hält, und hat alles auf die Bedürfnisse der Vereine zugeschnitten. „Das ist aber ein atypischer Großauftrag für einen Justiziar. Ansonsten bin ich wohl der Funktionsträger, der die ruhigste Kugel schiebt“, sagt er und lacht.

Peter Wingerath kritisiert jedoch, dass das Ehrenamt zunehmend schwieriger zu leben werde: „Deutschland ist derart überfrachtet mit Vorschriften. Dabei füllen gerade die Vereine die freiheitliche Demokratie vorbildlich mit Verantwortung aus. Ich wünsche mir mehr Vertrauen – man muss nicht immer alles reglementieren und sanktionieren“, meint er.

Für Peter Wingerath ist der BSV eine Plattform, um mit Menschen regelmäßig in Kontakt zu bleiben. Vor allem genießt er die Zeit mit seinen Zugkollegen vom Jägerzug „Allzeit bereit“. „Wir haben uns als 16-Jährige aus dem Erasmus-Gymnasium zusammengetan, um auch nach dem Abitur in Kontakt zu bleiben“, erinnert er sich. 15 aktive Schützen gehören dem Zug an.

Wenn Peter Wingerath gerade nicht arbeitet oder ehrenamtlich aktiv ist, verbringt er seine Zeit mit Joggen, Fitness und vor allem mit der Jagd: Dann nimmt er seine fünf Hunde – Labrador, Deutsch-Drahthaar und Foxterrier – und streift durch seine zwei insgesamt 740 Hektar großen Reviere. „Das füllt mich in jeder Hinsicht aus“, sagt er. „Es ist wichtig, effektiv zu jagen, die Hunde körpersprachlich zu lesen und zu antizipieren. Das versuche ich bei Menschen auch.“

Übrigens könnte sich der Grevenbroicher auch gut vorstellen, einmal die Regentschaft in seiner Heimatstadt zu übernehmen: „Ich liebäugele schon damit, irgendwann Schützenkönig zu sein. Das mache ich, wenn sich mal kein anderer Kandidat findet“, kündigt der BSV-Justiziar an.