Schützenfest in Grevenbroich 2018: Neuer Oberst im grünen Jäger-Rock

Schützenfest in Grevenbroich : Neuer Oberst im grünen Jäger-Rock

Stefan Sürth ist Regimentschef des Bürgerschützenvereins. Er hat Joachim Schwedhelm abgelöst, der zwölf Jahre das Kommando hatte. Eine der ersten Amtshandlungen des 53-Jährigen: Er rückt die Lindenstraße in den Fokus des Festes.

Der Bürgerschützenverein hat einen neuen Oberst: Stefan Sürth wurde im Februar in den geschäftsführenden Vereinsvorstand gewählt. Damit kommen neue Aufgaben auf den 53-jährigen Ur-Grevenbroicher zu: „Ich bin nun für den Ablauf des Festes im und um das Zelt herum verantwortlich, plane die Tischordnung und die Umzüge durch die Stadt und – das ist mit das wichtigste – ich stehe in Kontakt mit den Behörden und dem Ordnungsamt, um Genehmigungen abzustimmen“, zählt er auf.

In diesem Jahr installiert er auf Wunsch vieler Schützen gleich eine Neuerung: „Wir ändern den Marschweg des Sonntagsumzuges. Bisher gab es vor der Regimentsabnahme und vor der Königsparade vor allem für die Zuschauer lange Wartezeiten. Zudem wird die schmale Straße am Bahnhof schon allein den Pferden aus Sicherheitsgründen nicht gerecht – dem Rest des Regiments aber auch nicht.“

Nun soll die Lindenstraße mit ihren historischen Gebäuden eine malerische Kulisse bieten. „Auf der Prachtstraße, wie sie viele nennen, wird die Regimentsabnahme stattfinden, und zusätzlich werden wir dort den marschierenden Festzug gestalten. Das ist ein Sahnehäubchen für die vielen Zuschauer.“ Infolgedessen ist die gesamte Route einmal auf links gedreht worden. Der Festzug zieht jetzt zweimal durch die gut besuchte Breite Straße, wo auch zum Ende die Parade abgehalten wird. Die Schleife durch das Bahnhofsquartier wartet ebenfalls mit einem Highlight auf: „Für Musikliebhaber lohnt es sich besonders, den Umzug vom Kreisel am Denkmal aus zu beobachten.“

Insgesamt ist die Zugstrecke durch die Neuerungen lediglich 300 Meter länger mit allen sich daraus ergebenden Vorteilen. Die Planungen waren aufwendig: „Zunächst musste das Konzept zu Papier gebracht und den Zugführern vorgestellt werden. Auch mit dem Ordnungsamt und der Polizei haben wir den neuen Marschweg besprochen und glücklicherweise sofort grünes Licht bekommen.“

Stefan Sürth ist in diesem Jahr zum 44. Mal aktiv beim Schützenfest dabei, zum 28. Mal hoch zu Ross. 15 Jahre lang war er der Jägermajor des BSV, davor zwölf Jahre lang Adjutant des Jägermajors. „Als Edelknabe habe ich angefangen. Ich bin durch Schulfreunde zum Schützenwesen gekommen. Alle waren im selben Kindergarten, in derselben Messdienergruppe und der Katholischen Jugend.“ 1979 hat sich dann aus den Edelknaben heraus der Zug „Jungschützen 1979“ gegründet, dem er heute noch angehört und den er bereits viermal als Zugkönig regiert hat. „Wir sind 18 Schützenbrüder und sind immer in dieser Konstellation zusammengeblieben.“ Als Schützenkönig den Verein zu regieren, habe Stefan Sürth jedoch nicht geplant. „Als Oberst bin ich zwar auch viel unterwegs, aber schon freier in der Termingestaltung als der amtierende König“, begründet er.

Fasziniert ist er von den Uniformen, der Marschmusik, der Kameradschaft untereinander, der Geselligkeit, der Tradition und dem Brauchtum, das er aktiv pflegt. Großen Wert legt er auch auf die vielen Freundschaften über alle Generationen und alle Berufe hinweg, besonders auch mit den befreundeten Vereinen der umliegenden 21 Orte. Und auch der Arbeitgeber von Stefan Sürth präsentiert sich vielerorts volksnah und unterstützt gerne Schützenfeste: Er ist Produktmanager bei der Sparkasse Neuss für Privatgirokonten und Kartenzahlungen. Seit 1974 ist er zudem Inhaber einer Dauerkarte für alle Heimspiele von Borussia Mönchengladbach. Die Fußballliebe geht sogar so weit, dass er seine Frau Ute dazu überreden konnte, Tochter Svenja (21) einen besonderen Zweitnamen zu geben: Borussia. „Als sie klein war, fand sie das sicher etwas komisch. Aber inzwischen liebt sie ihren Namen und hat ebenfalls seit ein paar Jahren eine Dauerkarte mit dem Papa zusammen, so dass wir unsere Mannschaft immer gemeinsam anfeuern“, sagt Sürth und lacht.

Ergänzt wird die Familie von der zwölf Jahre alten Labradorhündin Sally, die als echter Familienhund auch ihre Streicheleinheiten und Spaziergänge braucht. Da ist es nicht verwunderlich, dass für weitere Hobbys von Stefan Sürth aktuell keine Zeit bleibt: die „Prinzengarde“ in Köln oder Tennis beim TC Rot-Weiss Grevenbroich. Schließlich muss er als berittener Schütze auch regelmäßig genügend Reitstunden absolvieren, die sich gerade vor dem Schützenfest häufen, so dass Pferd und Reiter eine Einheit bilden – auch zum Wohle der Zuschauer. „Aufgrund einiger Unfälle, die in der Vergangenheit woanders passiert sind, ist das viel ernster geworden. Wir sind uns dieser großen Verantwortung gegenüber Schützen und Zuschauern bewusst.“

Auch im Festzelt wird er einige Ideen umsetzen. So soll die Zusatztheke mit der Musikbühne getauscht werden, damit die Stimmung wieder etwas zentraler und die Tanzfläche etwas größer wird. Zumal für den Frühschoppen am Montag nach langen Jahren wieder eine Live-Band engagiert wurde. Gleichzeitig kommt der Einzug des Regiments in das Festzelt wieder schöner zur Geltung. Eine letzte Neuerung im ersten Jahr wird der „grüne Jäger-Waffenrock“ sein, in dem er erstmalig als Oberst das Regiment hoch zu Ross anführt.